Frauenquote Dax-Konzerne hinken mächtig hinterher

Nur die Hälfte der Dax-Unternehmen erfüllt die Frauenquote, die das Gesetz den Aufsichtsräten ab 2016 vorschreibt. Die beste Figur bei Thema Frauenquote im Aufsichtsrat macht der Chemiekonzern Henkel.

Claudia Tödtmann, wiwo.de | , aktualisiert

Dax-Konzerne hinken mächtig hinterher

Foto: fotomek / fotolia.com

Die Düsseldorfer haben auch schon länger den Ruf, dass sie seit etlichen Jahren – schon bevor die Franzosen vor gut vier Jahren die Frauenquote zum Gesetz erhoben und hier die Diskussionen losgingen – die Frauenkarrieren in ihrem Haus zuließen und förderten. Noch bevor Simone Bagel-Trah als Vertreterin der Familie – sie ist die Ur-Ur-Enkelin des Henkel-Gründers Fritz Henkel – Vorsitzende im Gesellschafterausschuss oder Chefin im Aufsichtsrat wurde.

Nur die Hälfte der DAX-Unternehmen erreicht das Frauenquoten-Ziel für Januar 2016

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat nun analysiert, wie weit die DAX30-Konzerne, die ab Januar 2016 die Frauenquote im Aufsichtsrat von 30 Prozent erfüllen müssen, gekommen sind. Das Ergebnis: Nur die Hälfte schaffen die Frauenquote, die sie ab Januar 2016 erfüllen müssen. Am weitesten sind – außer Henkel – die Münchener Rück (40 Prozent), Merck (37,5 Prozent) und Infineon (37,5 Prozent) gekommen. Die Schwarzen Schafe sind demgegenüber Fresenius und Fresenius Medical Care, die beide keine einzige Frau vorweisen.

Frauenanteil in DAX-Aufsichtsräten: 26,9 Prozent

Insgesamt liegt der Durchschnitt für die DAX30-Unternehmen bei 26,9 Prozent Frauenanteil in den Kontrollgremien. Der Vorjahresvergleich: 24,7 Prozent.

Doch gerade in den Aufsichtsräten ist es wichtig, dass die Frauen auch bis zu den Schalthebeln der Macht vordringen – was sie bislang definitiv nicht tun: Den Vorsitz haben – außer bei Henkel – immer Männer inne. Wichtig ist es auch, in den richtigen Ausschüssen zu sitzen.

Dabei gelten außer dem Präsidium und dem Ständigen Ausschuss der Prüfungs-, Personal-, Vergütungs- und der Nominierungsausschuss als die Wichtigen. Doch da spielen Frauen "nur eine untergeordnete Rolle", kritisiert DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Nur 16,3 Prozent dieser entscheidenden Positionen sind mit Frauen besetzt.

27 Jahre Aufsichtsrat: Schoch bei BMW, Haarmann bei SAP

Notfalls müssten die Konzerne neue Aufsichtsratsposten schaffen. Denn manche versuchen sich darauf auszuruhen, dass die Verträge ihrer männlichen Aufsichtsräte noch nicht bis zum Stichtag auslaufen. Im Schnitt gehören die Aufsichtsräte den DAX30-Kontrollgremiem sechs Jahre an. Am längsten sind sie bei Fresenius Medical Care – und zwar 14 Jahre lang. Am kürzesten dagegen bei der Lufthansa mit drei Jahren Zugehörigkeit. Die Kontrolleure mit der meisten Aufsichtsratsjahren auf dem Buckel sind Manfred Schoch bei BMW und Wilhelm Haarmann bei SAP: Beide sind schon 27 Jahre dabei.

Und weil Aufsichtsratsmandate Nebenjobs sind, die im Jahr lediglich sechs bis acht Wochen Arbeit verursachen, ist Simone Bagel-Trah nebenbei seit April auch im Aufsichtsrat von Bayer. Deshalb können die Unternehmen Frauen im Aufsichtsrat einfacher präsentieren als im Vorstand: Goldröcke haben die Norweger diese Damen getauft, die auf vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen und mehrere Aufsichtsratsposten innehaben. Renate Köcher, Nicola Leibinger-Kammüller und Ann-Kristin-Achleitner leben das auch hierzulande vor.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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