Frauenquote Chefetagen sollen weiblicher werden

Frauen sind in den deutschen Chefetagen selten anzutreffen - und wenn, dann meistens in den Vorzimmern. Das soll sich laut Politik nun ändern. Die Wirtschaft setzt auf Selbstregulierung.

dpa | , aktualisiert

Wenn Vorstand und Aufsichtsrat tagen, sind die Herren in den dunklen Anzügen fast unter sich. Noch immer kommen Frauen auf Chefposten der großen deutschen Unternehmen nur äußerst selten zum Zuge. Nach jahrelangen Appellen zeigt sich inzwischen aber zumindest Bewegung in der Männerdomäne:

Regierung erhöht den Druck

Die Telekom verordnete sich demonstrativ eine Frauenquote, mehrere Konzerne im Deutschen Aktien-Index (Dax) engagierten weibliche Vorstandsmitglieder. Und auch die Regierung erhöht langsam den Druck - die Drohung mit einer gesetzlichen Quote hält sie dafür aber noch etwas zurück.

Die Topmanagerinnen der börsennotierten Firmen im Lande könne sie ohne Raumnot zur Vollversammlung in ihr Büro einladen, konstatierte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). n den Vorständen der 100 umsatzstärksten Unternehmen sackte der Frauenanteil im vergangenen Jahr sogar unter ein Prozent, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelte. In den Aufsichtsräten waren es demnach immerhin zehn Prozent. Frauen sitzen aber überwiegend für die Arbeitnehmerseite im Kontrollgremium.

Dass Frauen für Spitzenjobs bestens qualifiziert sind, beteuert die Wirtschaft seit langem. Absolventinnen machen oft bessere Examen und bringen weibliche Kompetenzen ein.

Die bisherigen Bemühungen der Unternehmen um Führungsfrauen hätten aber beschämenderweise nicht gereicht, gestand Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, als er im März eine Quote vorstellte. Bis 2015 will der Konzern weltweit 30 Prozent der oberen und mittleren Leitungspositionen mit Frauen besetzen - derzeit sind es in Deutschland zwölf Prozent.

Wirtschaft setzt auf Selbstregulierung

Starre gesetzliche Quoten will die Wirtschaft aber vermeiden. Und vorerst soll die Selbstregulierung auch eine Chance bekommen. Die Expertenkommission der Bundesregierung für gute Unternehmensführung („Corporate Governance“) hat dafür neue Empfehlungen in ihren Kodex für börsennotierte Firmen aufgenommen. Aufsichtsräte sollen demnach konkrete Ziele für die angemessene Berücksichtigung von Frauen nennen und über die Umsetzung öffentlich berichten. Dies solle bewirken, dass Frauenförderung „nicht bloßes Lippenbekenntnis bleibt“, sagte der Kommissionsvorsitzende, Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller.

Einige prominente Personalien hat die Regierung schon aufmerksam registriert. Als erster Dax-Konzern hat der Waschmittelriese Henkel seit dem Herbst eine Frau an der Aufsichtsratsspitze. In der ersten Börsenliga präsentierten inzwischen auch SAP und Eon erste weibliche Vorstandsmitglieder, Siemens sogar eine zweite Spitzenfrau.

Es dauert

Bis es deutlich mehr Frauen in Führungsposten gibt, bräuchten die Konzerne „etwas Zeit“, sagte Leutheusser-Schnarrenberger. „Allen Beteiligten muss aber klar sein: Wenn die Wirtschaft die Zeit jetzt nicht nutzt, wird sie dafür später vielleicht teuer zu bezahlen haben.“Dass anschwellender Ärger am Ende unerwünschte Konsequenzen haben kann, haben die Bosse nämlich schon erlebt: Nachdem nicht genügend Firmen im Dax freiwillig die Managerbezüge einzeln offen legten, schritt die Politik zur Tat - inzwischen steht dies im Gesetz.

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