Frauenfreundliche Unternehmen Der Mittelweg: Ich bin dann mal Chefin

Der Mittelstand lockt Frauen mit flexiblen Arbeitszeiten und guten Aufstiegschancen.

Andreas Schulte | , aktualisiert

Der Mittelweg: Ich bin dann mal Chefin

Foto: Peter Atkins/Fotolia.com

Familie und Karriere verbinden? Für Sonja Hornberger kein Problem. Als Personalchefin des Gebäudetechnikspezialisten Geze arbeitet sie auf der obersten Managementebene – und das auf einer 70-Prozent-Stelle.

Um neben dem Job genug Zeit für ihr Kind zu haben, entschied sie sich vor fünf Jahren für das Teilzeitmodell. Trotz Führungsverantwortung war das ohne Probleme möglich. "Wenn es gefordert ist, übernehme ich wieder eine volle Stelle", sagt Hornberger. Verlangt hat ihre Chefin das aber nie.

Dass Frauen bei dem Mittelständler mit ihrem Wunsch nach flexibler Arbeitszeit auf viel Verständnis stoßen, lockt zahlreiche Bewerberinnen an. "Ich werde in vielen Vorstellungsgesprächen darauf angesprochen", sagt Hornberger. "Die Toleranz, mit der die Kollegen auf meine Bedürfnisse eingegangen sind, bestärkt mich, dies auch anderen zu bieten."

Mittelständler sind flexibler

Geze legt großen Wert darauf, sich als attraktiver Arbeitgeber für hochqualifizierte Frauen zu präsentieren. Die Aufstiegschancen sind gut: Die Frauenquote unter den Führungskräften ist mit 25 Prozent überdurchschnittlich hoch. Auch die Geschäftsführung liegt in den Händen einer Frau. Das Unternehmen zeigt: Während Konzerne vielfach mit einem höheren Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten hadern, zeigen sich Mittelständler deutlich offener.

Vor allem bei der Gestaltung der Arbeitszeiten bieten mittelständische Firmen Vorteile. Denn Teilzeitlösungen sind im Topmanagement von Konzernen aus Sicht von Bernhard Walter, Berater bei der Personalberatung Rochus Mummert, in der Praxis oft nicht umsetzbar. "In den Abteilungen der Großunternehmen sind zu viele Entscheidungsträger beteiligt. Ob sich flexible Arbeitszeiten einhalten lassen, hängt davon ab, ob die Chefetage dafür einsteht."

Verbessern können sich aber auch diese Arbeitgeber noch. Ein betrieblicher Kindergarten zum Beispiel ist im Mittelstand noch die Ausnahme.

"Bei Konzernen wird er vorausgesetzt, Familienunternehmen kommen damit in die Zeitung", sagt Bernhard Walter.

Einer Studie der Wirtschaftsförderung Stuttgart zufolge betreiben erst acht Prozent der regionalen Unternehmen einen eigenen Kindergarten. Aber 85 Prozent glauben, dass Mitarbeiter durch ein solches Angebot früher wieder in den Beruf zurückkehren. "Über den Betriebskindergarten wird viel geredet, aber nur die wenigsten realisieren ihn", sagt Personalberater Walter.

Programme für den Wiedereinstieg

Nachholbedarf sieht er auch, wenn es darum geht, Frauen nach einer längeren Pause den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern. "Hier müssen sich die Betriebe innovativer zeigen und zum Beispiel ein Traineeprogramm aufsetzen, durch das Frauen wieder an die Führungsposition herangeführt werden."

Dabei hat das Thema für weibliche Führungskräfte eine hohe Bedeutung: 81 Prozent der Frauen im mittleren Management wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten von ihrem Arbeitgeber. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Rochus Mummert hervor. Und in Zukunft werden individuell planbare Einsatzzeiten generell noch wichtiger. Denn bedingt durch den demografischen Wandel werden Arbeitnehmer mehr Zeit brauchen, um etwa Angehörige zu pflegen.

Diese Themen stehen bei Mittelständlern wie dem Messgerätehersteller Testo in Lenzkirch schon heute auf der Agenda. "Wenn es nötig ist, kann ich zwischendurch immer nach Hause", sagt Sabine Machlitt.

Die Einkaufsleiterin ist Stiefmutter eines behinderten Kindes. Bevor sie zu Testo wechselte, hatte sie elf Jahre lang für Konzerne gearbeitet.

Nicht nur die starren Zeiten haben sie bei ihrem vorherigen Arbeitgeber gestört. "Ich konnte dort nicht gestalten", sagt sie. So habe es etwa bei der Auswahl von Lieferanten Restriktionen gegeben. "Die Entscheidungen wurden in den USA gefällt und waren so nicht immer umsetzbar", sagt sie. 2009 entschied sie sich für den Wechsel zu einem Mittelständler in der Hoffnung, sich hier besser weiterentwickeln zu können. "Ich hatte die Vorstellung von kurzen Entscheidungswegen und mehr Transparenz." Diese Erwartungen hätten sich mehr als erfüllt.

Ab durch die Mitte!

Dass nicht nur die Gestaltungsmöglichkeiten, sondern auch die Karrierechancen im Mittelstand besonders hoch sind, zeigt eine Studie der Commerzbank: Jedes fünfte Unternehmen wird schon von einer Frau geführt, ergab die im vergangenen Jahr durchgeführte Befragung, an der 4 000 Unternehmen teilgenommen haben.

Zum Vergleich: Bei den Top-200-Konzernen waren 2011 laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur drei Prozent der Vorstände weiblich. Personalberater Walter nimmt an, dass Frauen auch künftig den Mittelstand bevorzugen.

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