Frauen und Karriere Ein Wirtschaftspotenzial liegt brach

Weltweit sind weniger Frauen als Männer erwerbstätig. Dafür leisten sie mehr unbezahlte Arbeit. Eine Studie des IWF untersucht den Wert der Frauenarbeit.

Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert

Ein Wirtschaftspotenzial liegt brach

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Foto: Kzenon/Fotolia.com

Die Weltwirtschaft könnte kräftiger wachsen, wenn mehr Frauen erwerbstätig wären und besseren Zugang zu Bildung und Krediten hätten. Noch immer liege weltweit ein enormes wirtschaftliches Potenzial brach. Das ist das Fazit einer neuen Studie des Internationalen Währungsfonds, die untersucht, zu welchen makroökonomischen Auswirkungen der Geschlechterunterschied führt.

Der Studie zufolge könnten weltweit mehr als 1,6 Milliarden Frauen stärker in den Arbeitsmarkt integriert sein.

Zumindest müsste die größtenteils unbezahlte Haus- und Erziehungsarbeit der Frauen in den ökonomischen Berechnungen stärker berücksichtigt werden.

Nichts als Quote

Noch immer liegt die Frauenerwerbsquote unter der der Männer, je nach Weltregion variieren die Zahlen stark. Weltweit gesehen liegt die Quote knapp über 50 Prozent.

Am geringsten ist die Erwerbstätigkeit der Frauen im Nahen Osten und Nordafrika. Hier ist gerade einmal ein Fünftel der Frauen berufstätig. In Ostasien und im Pazifik ist die Quote am höchsten, dort gehen 63 Prozent der Frauen einer Beschäftigung nach.

Zu wenig Anerkennung

In den Industrienationen liegt es vor allem an fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten, dass Frauen weniger zum Wirtschaftswachstum beitragen.

In Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Beschränkungen dagegen viel größer: Hier mangelt es Frauen an Zugang zu Bildung, Gesundheit und Krediten und auch Grundrechte würden ihnen vorenthalten, die ihnen ermöglichen würden, eine größere wirtschaftliche Rolle zu spielen, stellen die Autoren fest.

Überall auf der Welt lasse sich außerdem beobachten, dass Frauen vor allem in schlecht bezahlten und weniger anerkannten Berufen arbeiten. Besonders hoch ist ihr Anteil im Dienstleistungssektor, in Erziehung und Bildung und in Pflegeberufen.

Wie die IWF-Studie zeigt, spielt die Frauenerwerbstätigkeit für das Bruttoinlandsprodukt eine wichtige Rolle. Wenn ebenso viele Frauen wie Männer erwerbstätig wären, könnte den Berechnungen zufolge das Bruttoinlandsprodukt der USA um fünf Prozent wachsen. In Japan würde das Wachstum neun Prozent betragen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten zwölf Prozent und in Ägypten sogar 34 Prozent.

Die Ökonomen schreiben, dass die Erwerbstätigkeit der Frauen häufig in Ländern mit hohen Sozialstandards sinke, wenn die Frauen in einem Haushalt mit hohen Einkommen leben. Dann wirken offenbar traditionelle Rollenaufteilungen: Die Frau bleibt zu Hause und verrichtet unbezahlte Hausarbeit und Kindererziehung, der Mann geht arbeiten.

Ein entscheidender Teil der Frauenarbeit erfolgt somit immer noch unbezahlt, schreiben die Studienverfasser. Im Durchschnitt verbringen sie doppelt so viel Zeit mit Hausarbeit wie Männer und viermal so viel mit Kindererziehung.

Domäne Haus- und Teilzeitarbeit

In den Mitgliedsstaaten der OECD beträgt die Dauer der unbezahlten Arbeit, die Frauen täglich leisten, 2,4 Stunden – und zwar unabhängig davon, wie stark der Partner im Beruf eingespannt ist oder ob sie selbst einen Job haben oder Hausfrau sind.

Aber nicht nur die Hausarbeit ist eine Frauendomäne. Auch die Teilzeitarbeit ist es weltweit, stellt das Papier fest.

In vielen Ländern ist Teilzeit für Frauen die einzige Lösung, wie sie Familie und Beruf miteinander vereinbaren können. Besonders für Industrienationen mit einer alternden Bevölkerung sehen die Autoren hier eine entscheidende Stellschraube für mehr Wachstum.

Empfehlungen an die Politik

Frauen müssten noch stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden, fordern die Forscher. Um das zu erreichen, plädieren sie für eine Politik, die auf eine bessere Vereinbarkeit abzielt: Ein Recht auf Jobrückkehr nach einer bezahlten Elternzeit für Mütter und Väter hat in vielen europäischen Ländern zu einer spürbaren Verbesserung der Erwerbstätigkeit von Frauen geführt.

Auch empfehlen die Autoren, Steuermodelle wie das Ehegattensplitting abzuschaffen. Wenn der einkommensschwächere Partner stärker besteuert wird, fördere das besonders die Altersarmut der Frauen und setze einen falschen Anreiz.

Ebenso empfehlen die Autoren, die Erziehungsarbeit von Frauen stärker in den Rentensystemen zu berücksichtigen. Die unbezahlte Arbeit der Frauen sei ebenso wichtig für die Wirtschaft in einem Land wie die bezahlte Erwerbsarbeit.

Die Verfasser der Studie sprechen sich außerdem für mehr Frauen in Entscheidungspositionen in der Wirtschaft aus. Der Studie zufolge agieren Unternehmen, die Frauen an ihrer Spitze und in den Kontrollgremien haben, zwar finanziell etwas vorsichtiger, wirtschaften aber nachhaltiger.

Noch keine gleichen Rechte

Allerdings verweisen die Autoren auch darauf, dass von Frauen geführte Unternehmen weniger produktiv und auch weniger wert seien. Einer Untersuchung der Weltbank zufolge liege dieser Unterschied darin begründet, dass es von Frauen geführten Unternehmen häufiger der Zugang zu wichtigen Ressourcen mangele.

Die Studie berücksichtigt auch Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben. In einigen Ländern dürfen Frauen nicht einmal ein eigenes Bankkonto besitzen, geschweige denn Kredite für ein Unternehmen bekommen. In immerhin noch 15 Ländern auf der Welt dürfen sie ohne Zustimmung des Ehemannes keinem Beruf nachgehen.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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