Florian Heinemann "Eine Insolvenz ist kein Drama"

Insolvenzen stehen in der Krise an der Tagesordnung. Gerade junge Unternehmen haben es besonders schwer. Aber das muss nicht das Ende sein. Florian Heinemann erklärt, was Gründer in der Krise falsch machen und welche Chancen eine Insolvenz bietet.

Tanja Könemann | , aktualisiert

Welche Fehler machen Gründer in Krisenzeiten? 
Gründer ignorieren oft die Notwendigkeit, auf eine Krisensituation zu reagieren, oder erkennen diese zu spät. Wenn sie Einschnitte vornehmen, fallen diese oft zu gering aus, oder es wird an der falschen Stelle gespart. Die meisten Start-ups sind noch nicht profitabel. Sie können mit ihrem Eigenkapital eine gewisse Zeit überleben. Wer zu wenig oder zu spät spart, dem können bis zur nächsten Finanzierungsrunde entscheidende Monate fehlen. Wer unter Zeitdruck neue Kapitalgeber sucht, der bringt sich in eine schlechte Verhandlungsposition. Auch Gründer, die an der Produktentwicklung beziehungsweise an der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells sparen, tun sich keinen Gefallen. Denn nur mit guten Angeboten können Start-ups später wieder durchstarten.

Wann müssen Gründer einen Insolvenzantrag stellen?
Wenn sie wissen, dass sie ihre Forderungen nicht begleichen können. Allein das Wissen darum genügt, die entsprechenden Rechnungen müssen nicht auf dem Tisch liegen, schließlich existieren viele absehbare Forderungen wie Miete und Gehalt. Alles andere entspricht dem Straftatbestand der Insolvenzverschleppung. Gründer sollten den Antrag lieber zu früh stellen als zu spät: Wer wegen Insolvenzverschleppung verurteilt wird, dürfte als Unternehmer sobald kein Bein auf die Erde bekommen. Eine ordentlich eingeleitete Insolvenz ist dagegen kein totales Drama.

Welche Chancen birgt eine Insolvenz? 
Die Gründer gewinnen Zeit, weil sie ihre Forderungen zunächst nicht bedienen müssen. Während des Zahlungsaufschubs können sie versuchen, ihre Liquiditätsprobleme zu lösen. Sie können bisherige Geldgeber oder potenzielle neue davon überzeugen, dass es sich um ein kurzfristiges Problem handelt, aber nicht um eine fundamentale Schwäche des Geschäftsmodells. Denn auch für Investoren kann die Situation reizvoll sein: Sie können günstig bei einem Unternehmen einsteigen, das sich - ist es einmal saniert - erfolgreich entwickeln kann.

Eine Insolvenz muss nicht das Ende sein. Wann kann eine Sanierung gelingen? 
Das Geschäftsmodell muss grundsätzlich intakt sein. Das heißt: Das Unternehmen muss - gegebenenfalls nach einigen Veränderungen - pro Kunde mehr Geld einnehmen können als es ausgibt, um ihn zu gewinnen. Die Gründer müssen in der Regel ihr Liquiditätsmanagement verbessern. Sie brauchen außerdem Durchhaltevermögen und Überzeugungskraft. Schließlich müssen sie das Vertrauen ihrer Lieferanten, Kunden und Investoren zurückgewinnen.

Lesen Sie zum Thema:

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...