Flexible Arbeitszeiten "Recht auf Log off"

Arbeitsministerin Nahles hat mehr Flexibilität bei der Arbeit gefordert. Selbst die IG Metall will flexible Arbeitszeiten – auch in der Produktion. Doch damit das klappt, muss sich das Arbeitszeitgesetz ändern.

wiwo.de, dpa | , aktualisiert

"Recht auf Log off"

Das Recht auf ein "Log off"

Foto: D.aniel / fotolia.com

Mehr Flexibilität wagen: Auf der CeBIT sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), dass die Deutschen arbeiten können sollen, wann und wo sie wollen, um Privatleben und Berufliches besser vereinen zu können. Überraschung: Bei der Industrie rennt sie mit diesem Vorstoß offene Türen ein.

So werden flexible Arbeitsmodelle nach Einschätzung des bayerischen IG-Metall-Chefs Jürgen Wechsler auch in der produzierenden Industrie immer wichtiger für die Beschäftigten. Um im Wettstreit um Fachkräfte mithalten zu können, müssten die Firmen auch für Beschäftigte in Werkshallen oder an Fließbändern neue Angebote schaffen, sagte Wechsler der Deutschen Presse-Agentur in München. "Es geht um die Frage: Wer bestimmt über die Zeit?"

Mehr als Home-Office

Natürlich seien flexible Modelle wie die Arbeit im Home-Office für viele Berufsgruppen in der Industrie nicht möglich. Denkbar seien aber beispielsweise Modelle, in denen sich intensive Arbeitsphasen mit längeren Freizeitblöcken abwechselten oder auch das Teilen einer Stelle (Job-Sharing).

Auch ständig wechselnde Schichten nach einem festgelegten Rhythmus Früh-Spät-Nachtschicht seien für viele Beschäftigte unattraktiv und könnten durch neue Schichtmodelle abgelöst werden. Die IG Metall will das Thema "Lebensphasenorientierte Arbeitszeit" nach dem Ende der aktuellen Tarifrunde vorantreiben. Derzeit würden Ideen und Konzepte in den Bezirken gesammelt, sagte Wechsler.
 
Flexibleres Arbeitszeitgesetz

Und auch der Verband der Arbeitgeber hat nichts gegen flexible Arbeitszeiten – wenn auch das Arbeitszeitgesetz modernisiert wird. "Es sollte zum Beispiel möglich sein, auch einmal über zehn Stunden hinaus zu arbeiten und den Ausgleich hierfür an anderen Tagen zu nehmen", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dies wolle man bei einem Dialog zum Thema einbringen, den Nahles für die kommenden Monate angekündigt hatte.

Die Ankündigung der Koalition, ein Recht zur Rückkehr von einer Teil- in eine Vollzeitstelle schaffen zu wollen, kritisierte Kramer heftig. Die betrieblichen Möglichkeiten könnten nur jeweils individuell geregelt werden, sagte er. Das Arbeitszeitgesetz müsse mehr Raum für tarifliche und betriebliche Regelungen lassen. "Mindestens genauso wichtig ist, dass der Gesetzgeber nicht noch mehr als bislang schon in betriebliche Arbeitszeitgestaltungen hineinregiert."

Arbeitszeiten flexibler verteilen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, mehr Flexibilität dürfe nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen. "Mehr Selbstbestimmung, größere Freiräume ja – aber dafür brauchen wir klare Regeln und einen Schutzrahmen", forderte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Kramer betonte: "Ein wichtiges Anliegen der Arbeitgeber ist ein flexibles Arbeitszeitgesetz." So sollte das Arbeitszeitrecht von einer Tageshöchstarbeit auf eine Wochenarbeitszeit umgestellt werden. "Es geht nicht darum, die Arbeitszeiten pauschal zu verlängern, sondern flexibler auf die Wochentage verteilen zu können."

Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung sagte Kramer: "Wir können nicht mit den Regulierungen der dritten industriellen Revolution die Wirtschaft 4.0 regulieren." Buntenbach forderte ein "Recht auf Log off". "Jeder muss die Möglichkeit haben, sich aus der Arbeit auch wirklich in Freizeit auszuklinken", sagte sie der dpa. Nötig seien auch bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten. Beschäftigte bräuchten einen rechtlichen Anspruch, die Lage der Arbeitszeit mitzubestimmen. Nahles will im Zuge eines von ihr initiierten Dialogprozesses zur Zukunft der Arbeit in diesem Jahr konkrete Vorschläge vorlegen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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