Finanztipps So können Sie Steuern sparen

Wenn das Finanzamt ans Gehalt will - wir zeigen Ihnen, welche Abgaben gemacht werden müssen und wie Berufseinsteiger Steuern sparen.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Ein neuer Job, ein üppiges Gehalt - da fällt einem der Abschied vom Studentenleben nur halb so schwer. Leider hält dieses Hochgefühl meist nur bis zur ersten Abrechnung an. Denn an die Tatsache, dass von beispielsweise 4000 Euro Monatsbrutto gut 1800 Euro für Steuern und Sozialabgaben abgezogen werden, muss man sich als Berufseinsteiger erst mal gewöhnen. Willkommen im Club!

Ausgangspunkt aller Steuern ist für Berufstätige die Steuerkarte. Fürs kommende Jahr erhält man die von der Stadt- oder Gemeindeverwaltung zugestellt, bei der man bis zum Stichtag 20. September 2007 seinen Hauptwohnsitz gemeldet hatte. Wer danach umgezogen ist, muss möglicherweise noch dort die Karte beantragen. Wer zu Studienzeiten in größerem Umfang gejobbt hat, dürfte bereits eine Karte haben und kann die weiter benutzen, sobald er sie vom alten Arbeitgeber zurückgefordert hat.

Auf der Steuerkarte sind unter anderem die Konfession - wegen der Höhe der Kirchensteuer - und die Steuerklasse vermerkt. Absolventen starten in der Regel mit der KlasseI, die für die Ledigen ohne Kind. Die Klassen II bis V sind Eltern und Ehepaaren vorbehalten, und Klasse VI erhalten Arbeitnehmer, die weitere Karten für ihre Zweit- und Drittjobs benötigen. Für jede dieser Steuerklassen und Gehaltsstufen ist in der so genannten Lohnsteuertabelle ausgewiesen, wie viel der Arbeitgeber bei jeder Gehaltsabrechnung für den Fiskus abzweigen muss. Diese monatlichen Überweisungen sind aber nur ein Vorschuss auf die endgültige Steuerschuld. Diese wird immer am Ende eines Kalenderjahres ermittelt. Dann steht zum Beispiel auch fest, in welcher Höhe ein Arbeitnehmer Ausgaben zum Beispiel für den Job oder für seine Altersvorsorge gehabt hat, die er steuermindernd ansetzen kann. In so einem Fall gäbe es eine Steuerrückzahlung.

Gewisse Freibeträge sieht der Staat schon pauschal vor, zum Beispiel den Grundfreibetrag von 7664 Euro, unterhalb dessen man gar keine Steuern zu zahlen hat. Oder den Arbeitnehmerpauschalbetrag von 920 Euro, der allen Berufstätigen pauschal zugestanden wird, egal, ob sie so viel für Weiterbildung, Fachbücher oder Bewerbungen ausgegeben haben oder nicht. Wer mehr investiert hat, hat natürlich ein Interesse daran, am Jahresende eine Steuererklärung zu machen und seine zusätzlichen Kosten aufzulisten.

Absolventen profitieren besonders von der Rubrik Werbungskosten. Gerade zwischen dem Hochschulabschluss und den ersten Monaten im neuen Job fallen ordentlich Kosten an, die sich steuermindernd ansetzen lassen: Von Bewerbungsfotos und Porto über Umzugskosten, Maklergebühren und doppelte Miete bis hin zu den Kosten fürs zurückliegende Studium. Deshalb sollten Absolventen akribisch alle Belege sammeln, die irgendetwas mit dem neuen Job zu tun haben. Auch wenn man beim Finanzamt heute längst nicht mehr jeden Beleg einreichen muss, sollte man schon in der Lage sein, bei späteren Rückfragen die entsprechenden Nachweise vorzulegen. Wir führen hier die wichtigsten Werbungskosten-Positionen auf:

Arbeitsmittel: Darunter fällt alles, was man privat gekauft hat, aber in nennenswertem Umfang für den Beruf nutzt: Fachzeitschriften und -bücher, PCs, Laptops, Handys, Schreibutensilien oder Aktentaschen. Berufsbekleidung wird nur recht selten durchgewunken, etwa bei Spezialarbeitsschuhen oder Baustellenhelmen. Anzüge und Kostüme gehen nicht durch, auch wenn man noch so sehr beteuert, dass Hemd und Krawatte nach Dienstende in die Ecke wandern. Wird ein Arbeitsmittel nur teilweise für den Job genutzt, wie etwa ein Computer, können die Kosten auch nur anteilig angesetzt werden. Den beruflichen Link muss man dem Finanzamt glaubhaft machen können, sonst setzt es den Rotstift an. Bei Fachliteratur sollte besser immer der genaue Titel auf der Rechnung stehen. Für private PCs kann ein "Fahrtenbuch" nützlich sein, in dem notiert wird, wann man wie viel Zeit an welchen dienstlichen Projekten gearbeitet oder wie lange man privat gesurft hat. Wie gesagt: Der dienstliche Anteil muss sehr hoch ausfallen, denn sonst mauert das Finanzamt.

Weiterbildung: Die Kosten für jede Fortbildung, die man aus beruflichen Gründen macht, lassen sich steuermindernd absetzen. Auch Umschulungen in einen neuen Beruf fallen darunter, ebenso wie ein Zweitstudium (siehe Kasten). Nicht selten möchte das Finanzamt sehr genau erklärt haben, warum der jeweilige Kurs für den Job wichtig und kein reines Privatvergnügen ist. Deshalb sollte man das schon in der Steuererklärung ordentlich erläutern, besonders bei teuren oder bei Auslandsseminaren. Bei solchen Auslandstrips darf der Freizeitanteil nur sehr klein sein, sonst vermutet der Fiskus eine Alibi-Veranstaltung.

Doppelter Haushalt: Wer sich an seinem Arbeitsort nur eine kleine Wohnung oder ein Zimmer gönnt, seinen Lebensmittelpunkt inklusive eigener Wohnung aber woanders hat, kann die Kosten für die Zweitwohnung, die Wochenendpendelei und für die ersten Monate auch die Verpflegungskosten absetzen. Da kann über die Jahre einiges zusammenkommen. Bedingung für die Anerkennung bei der Steuer: Es müssen bei Haupt- und Zweitwohnung echte Kosten anfallen. So zählt zum Beispiel die abgetrennte Einliegerwohnung bei den Eltern als eigener Haushalt, wenn man ihnen mindestens 75 Prozent der ortsüblichen Miete dafür zahlt, betont Harald Hafer, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL). Das alte Kinderzimmer gegen ein bisschen Kostgeld zu nutzen, geht dagegen beim Finanzamt nicht als eigener Haushalt und damit als Hauptwohnung durch. Auch beim Lebensmittelpunkt fragt der Fiskus gerne nach. Paaren mit gemeinsamer Hauptwohnung gelingt der Nachweis naturgemäß leichter als Singles, aber auch diesen werden mittlerweile doppelte Haushalte anerkannt. Ein Sportverein inklusive dem Vorstandsposten, Ehrenämter oder Betreuungsaufgaben können hilfreich für den Nachweis sein.

Fahrtkosten: Nach derzeit gültiger Gesetzeslage können nur noch Fernpendler - die, die täglich mehr als 20 Kilometer zu fahren haben - ab dem 21. Kilometer jeweils die Kosten für eine einfache Fahrt (nicht hin und zurück) in der Steuererklärung angeben. Pauschal 30 Cent pro Kilometer werden berücksichtigt, egal ob man per Auto, Bahn oder Fahrrad unterwegs ist. Da die vom Gesetzgeber gewählten 20 Kilometer von den Gerichten als zu willkürlich eingestuft wurden, kommt die Pendlerpauschale wieder vor den Kadi. In diesem September soll eine klärende Entscheidung fallen.

Wer im Laufe des Jahres schon absehen kann, dass er künftig größere Ausgaben hat, die er bei seiner Steuererklärung eh wieder steuermindernd ansetzen würde, kann sich dafür entsprechende Freibeträge auf der Steuerkarte eintragen lassen. Der Vorteil: Schon bei jeder Monatsabrechnung bleibt netto mehr übrig, man muss nicht erst auf die Steuerrückerstattung warten. Solche Freibeträge gibt es zum Beispiel für die Fahrtkosten ins Büro, für teure Weiterbildungen, für Alleinerziehende oder für Kinder. Für den Eintrag genügt ein Antrag beim Finanzamt, bei dem man plausibel nachweist, was an Kosten so entstehen wird. Am Jahresende wird dann Kassensturz gemacht und die geschätzten Kosten werden mit den real entstandenen abgeglichen.

Damit Berufseinsteiger nicht ganz alleine durch diese Anträge und Erklärungen beim Finanzamt irren müssen, gibt es diverse Unter-die-Arme-Greifer. Wer ein ganz unkomplizierter Fall ist, wird schon mit einem der gängigen, in Tests geprüften Steuerprogrammen zurechtkommen. Die Hilfetexte sind in der Regel recht verständlich, die Programme helfen einem Laien gut durch die Erklärung. Ein bisschen Übung reicht. Wem eine Beratung sowie Fragemöglichkeiten und die aktive Steuergestaltung wichtig sind, ist bei Lohnsteuerhilfevereinen gut aufgehoben. Diese gibt es in jeder Stadt. Sie dürfen Arbeitnehmer, aber keine Selbstständigen beraten. Der Vereinsbeitrag ist einkommensabhängig und schwankt von Verein zu Verein. Dafür ist die Beratungen kostenlos.

Eine dritte Möglichkeit ist der Besuch beim Steuerberater. Dieser wird in der Regel nach Aufwand bezahlt. Es ist also sinnvoll, sich bereits vorher über die Kosten zu informieren. Tipp: Alle Kontoauszüge und Quittungen sollten vorab selbst gesichtet und sortiert werden. Das senkt die Kosten. Zum Teil kann mann den Berater von der Steuer absetzen: Die Kosten, die er für die Ermittlung von Werbungskosten und Betriebsausgaben berechnet.

Lohnsteuer-Infos: www.bdl-online.de und www.steuertipps.de

Bonus zum Jobstart 
Wer Kosten aus dem Studium ins Berufsleben überträgt, zahlt weniger Steuern.

Dass Studenten die Kosten für ihr Studium von der Steuer absetzen können, ist nicht neu, aber gerade zum Jobstart zeigt diese Möglichkeit Wirkung. Berufseinsteiger können damit einige Hundert, eventuell sogar einige Tausend Euro sparen. Um zu zeigen, wie das funktioniert, zunächst ein Blick zurück. Während eines Studiums läuft es für gewöhnlich so: Der Studierende listet am Jahresende alles auf, was ihn das Studium in den vergangenen zwölf Monaten gekostet hat: Uni- und Kursgebühren, Kopien für den Seminarordner, Blöcke, Stifte, Laptop, Schreibtisch, Fahrtkosten zum Studienort, Miete, Verpflegung. Die Summe setzt er dann in seine Steuererklärung ein.

Handelt es sich um das Erststudium, hat er also vorher noch keine andere Ausbildung oder kein anderes Studium abgeschlossen, wertet das Finanzamt die Kosten als Sonderausgaben und akzeptiert bis zu 4000 Euro (§ 10 Absatz 1, Nr. 7 EStG). Der Rest fällt unter den Tisch. Steckt der Student im Zweitstudium - also zum Beispiel im Master- oder im Diplomstudium nach einem FH- oder Bachelor-Abschluss - darf das Finanzamt die Ausgaben als Werbungskosten werten und in voller Höhe berücksichtigen (§ 9 EStG). Achtung: Das, was der Fiskus unter Zweitstudium versteht, ist nicht deckungsgleich mit dem, was die Hochschulen bei der Ermittlung der Studiengebühren darunter verstehen.

Egal, ob als Sonderausgabe oder als Werbungskosten, in beiden Fällen werden diese Ausgaben von dem Einkommen abgezogen, das der Student in dem einen Jahr zusammengejobbt hat. Und nur auf den Rest sind Steuern zu zahlen - wenn es denn überhaupt einen gibt. Meistens sind die Kosten des Studiums ja erheblich größer als der Verdienst. Studenten im Zweitstudium können dieses Minus - einfaches Beispiel: 10000 Euro aus dem Nebenjob minus 15000 Euro Ausgaben fürs Studium = 5000 Euro restliche Werbungskosten - durch eine so genannte Verlustfeststellung beim Finanzamt in die nachfolgenden Jahre übertragen. Sie bauen so bis zum Abschluss einen attestierten Ausgabenberg auf.

Erststudenten dürfen ihre Restkosten dagegen leider nicht in das nächste Steuerjahr transportieren. Sonderausgaben gelten nur für das Jahr, in dem sie entstanden sind. Zum Jobstart entfalten die Studienausgaben in beiden Fällen eine viel größere steuersparende Wirkung als zur Uni-Zeit: Der aus einem Zweitstudium stammende Werbungskostenberg kann in den folgenden Steuererklärungen per Verlustvortrag dem neuen regelmäßigen Gehalt entgegengesetzt werden, bis er abgetragen ist. Solche Berufseinsteiger werden zu Beginn der Karriere kaum Steuern zu zahlen haben. Wer hingegen wegen eines Erststudiums nur Sonderausgaben anerkannt bekommt, kann sein erstes zu versteuerndes Jahresgehalt immerhin voll um bis zu 4000 Euro mindern. Das kann je nach Einkommenshöhe und Steuersatz auch ein- bis zweitausend Euro ausmachen. Auf eines sollten Absolventen dabei achten: Da der Fiskus die Kosten fürs Studium nachgewiesen haben möchte, sollte man alle Belege aus dieser Zeit sammeln.

Der Tipp zum Schluss: Studenten und Absolventen, die es bislang verschlafen haben, dem Finanzamt ihre Studienkosten per Steuererklärung zu melden und somit keine Verlustfeststellungsbescheide für die Vorjahre vorliegen haben, können das teilweise rückwirkend nachholen. Das funktioniert für die letzten sieben Jahre, sofern die Studenten in dieser Zeit überhaupt keine Steuererklärung gemacht haben. Für diese Jahre können sie dann noch Verluste feststellen lassen. Haben sie dagegen für diese Zeiten schon Steuererklärungen abgegeben und schlicht den Posten Studienkosten vergessen, haben sie Pech. Dann hat das Finanzamt den Fall abgehakt.

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...