Ferienzeit Müssen Arbeitnehmer im Urlaub für den Chef erreichbar sein?

Ferienzeit – Erholungszeit. Doch was, wenn der Chef plötzlich anruft und zur Arbeit ruft. Rechte und Pflichten rund um den Urlaub.

karriere.de | , aktualisiert


Bild: Stefan Bayer/Pixelio

1. Wann müssen Mitarbeiter im Urlaub arbeiten?

Urlauber sind nicht verpflichtet, auf den alltäglichen E-Mail-Tsunami ihres Chefs einzugehen. „Der Mitarbeiter muss ausschließlich in Notfällen aktiv werden. Nur dann, wenn Wohl und Wehe des Unternehmens von seinem Anruf oder seiner E-Mail abhängen, muss ein Arbeitnehmer in seinem Urlaub aushelfen“, sagt Henning Timm, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

"Ist der urlaubende Arbeitnehmer beispielsweise die einzige IT-Fachkraft des Unternehmens, die das Passwort für den Zentralrechner kennt, meldet er sich besser zurück, wenn ohne besagtes Passwort dringende und unvorhersehbare Wartungsarbeiten nicht erledigt werden können".


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2. Muss der Vorgesetzte den Einsatz unter Palmen zahlen?

Wenn ein Mitarbeiter in den Ferien arbeitet, kann er verlangen, dass ihm ein zusätzlicher Urlaubstag gut geschrieben wird – selbst dann, wenn sein Einsatz nicht den kompletten Tag andauerte.

Eine Zahlung kann er allerdings in der Regel nicht erwarten, es sei denn, er scheidet kurz nach dem Urlaub aus dem Unternehmen aus und hat deshalb keine Gelegenheit mehr, den Ersatzurlaub auch noch zu nehmen.


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3. Müssen Reisende dem Chef mitteilen, wie sie während des Urlaubs erreichbar sind?

Bei kommunikationsfreudigen Chefs kann es clever sein, wenn Urlauber ihre Kontaktdaten für sich zu behalten. Denn ein Mitarbeiter muss dem Vorgesetzten keineswegs mitteilen, wie er im Urlaub erreichbar ist.

Außerdem müssen während der Auszeit weder Handys eingeschaltet noch E-Mails abgefragt werden.


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4. Darf der Vorgesetzte einen bereits bewilligten Urlaub zurückziehen?

Auch das ist nur möglich, wenn die Existenz der Firma auf dem Spiel steht – wenn etwa bei einem insolvenzbedrohten Unternehmen der rettende Auftrag eingeht und dieser nicht ohne den betreffenden Mitarbeiter abgewickelt werden kann.

Falls der Arbeitnehmer seinen Urlaub bereits gebucht hat, kann er von seinem Arbeitgeber Ersatz der Stornokosten verlangen.

5. Wann darf der Chef einen bereits genehmigten Urlaub widerrufen?

Ein bereits genehmigter Urlaub, der noch nicht angetreten ist, kann nur bei betrieblichen und nicht vorhersehbaren Notfällen widerrufen werden.

Dabei hat ein Arbeitgeber alle Mehrkosten zu ersetzen, die dem Mitarbeiter infolge der Änderung entstehen, wie beispielsweise Stornierungskosten für eine geplante Reise.


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6. Darf der Chef einen Urlauber zurückholen?

Um seinen Arbeitnehmer vorzeitig aus einem bereits angetretenen Urlaub zurück zu beordern, muss der Chef schon auf einen Notfall in seiner Firma verweisen. Die Kosten für Abbruch und Rückreise trägt in diesen Fällen das Unternehmen.

Dies gilt aber zunächst nur für den Mitarbeiter selbst. Häufig wird der Arbeitnehmer aber gemeinsamen mit Frau und Kindern verreist sein. "Wenn ein Arbeitgeber Vater oder Mutter aus dem Familienurlaub an den Arbeitsplatz zurück ruft, muss das Unternehmen nur dann die Heimreise der gesamten Familie zahlen, wenn eine Fortsetzung des Urlaubs ohne das am Arbeitsplatz unabkömmliche Familienmitglied unzumutbar ist", sagt Fachanwalt Timm.

Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Ehepartner anderenfalls allein mit einem Neugeborenen am Urlaubsort zurückbliebe.


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7. Wie viel Urlaub steht Arbeitnehmern zu?

Arbeitnehmer haben jedes Kalenderjahr einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von 24 Werktagen, wobei das Gesetz von einer Sechs-Tage-Woche ausgeht. Bei der üblichen Fünf-Tage-Woche beträgt demnach der gesetzliche Urlaubsanspruch 20 Werktage oder vier Wochen.

Einige Tarifverträge garantieren längere Zeiten, meist 30 Tage. "Der Urlaub muss während des laufenden Kalenderjahres möglichst zusammenhängend genommen werden", sagt Jochen Keilich, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Beiten Burkhardt.


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8. Muss der Chef die Terminwünsche des Arbeitnehmers akzeptieren?

Das Bundesurlaubsgesetz spricht zwar von einer "Urlaubnahme", eine Selbstbeurlaubung durch den Mitarbeiter ist aber ein arbeitsvertraglicher Verstoß und kann zu einer Kündigung führen. "Der Urlaub muss daher grundsätzlich in Abstimmung und mit Zustimmung des Arbeitgebers genommen werden", sagt Keilich.

Allerdings haben Unternehmen bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs die Wünsche der Arbeitnehmer zu berücksichtigen. Ein beantragter Urlaub muss also gewährt werden, wenn dem Urlaubsbegehren nicht dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Mitarbeiter entgegenstehen.

Bei Urlaubswünschen anderer müsste geprüft werden, welchem Arbeitnehmer unter sozialen Gesichtspunkten der Vorzug zu geben ist.


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9. Was passiert, wenn der Arbeitnehmer krank wird?

Zu Missverständnissen kommt es immer wieder, wenn der Angestellte während des Urlaubs erkrankt. Die Mitarbeiter sind auch während eines Urlaubs verpflichtet, eine Erkrankung nachzuweisen.

Weist ein Arbeitnehmer durch eine ärztliche Bescheinigung die Krankheit nach, so werden die Krankheitstage nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet.

Im Ausland sollten Mitarbeiter einen seriösen Arzt für diese Bescheinigung auswählen. In einigen südlichen Urlaubsrevieren bieten vermeintliche Doktoren Krankmeldungen gegen Bargeld an. Wenn so ein Schwindel auffliegt, droht eine verhaltensbedingte Kündigung.


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10. Wann verfällt der Resturlaub?

Der Urlaub muss eigentlich während des laufenden Kalenderjahres gewährt und genommen werden. Urlaubsjahr ist das Kalenderjahr, so dass ein etwaiger Resturlaub am 31. Dezember eines jeden Jahres ersatzlos verfällt.

"Die Urlaubsübertragung ist nach der gesetzlichen Regelung die Ausnahme, auch wenn dies in der Praxis anders ist", sagt Burkhardt-Anwalt Keilich. Ein Ausnahmefall für eine Übertragung des Urlaubes in das kommende Jahr liegt dann vor, wenn dringende betriebliche Gründe oder Krankheit dazu führen, dass ein Urlaub nicht genommen werden kann.

Ein übertragender Resturlaub verfällt endgültig am 31. März des kommenden Jahres ersatzlos. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sehen vielfach Regelungen vor, wonach Resturlaub auch über den 31. März des Folgejahres hinaus übertragen werden kann.

Besonderheiten bestehen bei Arbeitnehmern, die sich im Erziehungsurlaub befinden. "In diesem Fall kann Urlaub, der vor dem Beginn der Elternzeit nicht oder nicht vollständig genommen werden konnte, uneingeschränkt für die Zeit nach der Beendigung der Elternzeit übertragen werden", sagt Keilich.


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11. Verfällt der Resturlaub bei Krankheit?

Bei einer dauerhaften Erkrankung galt bislang, dass der nicht genommene Resturlaub nach Übertragung in das Folgejahr, ersatzlos verfiel. Das galt auch, wenn der Urlaub bis zum Jahresende wegen der Erkrankung nicht genommen werden konnte. "Dieser Grundsatz wurde jetzt durch den Europäischen Gerichtshof aufgehoben", sagt Keilich.

Hat ein Arbeitnehmer krankheitsbedingt nicht die Möglichkeit, seinen Urlaub zu nehmen, so verfällt der gesetzliche Mindesturlaub nicht zum 31. März des Folgejahres. Vielmehr kann der "Dauerkranke" seinen nicht genommenen gesetzlichen Mindesturlaub bei Wiederaufnahme der Arbeit als Resturlaub verlangen oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine finanzielle Abgeltung fordern.


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12. Was müssen Mitarbeiter bei einer drohenden Kündigung beachten?

Eine finanzielle Abgeltung des Urlaubs kommt nur ausnahmsweise in Betracht, wenn der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden kann. Arbeitnehmer müssen beachten, dass während der Kündigungsfrist grundsätzlich auch noch der bestehende Resturlaub genommen werden muss. Nur wenn eine Inanspruchnahme des Urlaubs aus dringenden betrieblichen Gründen nicht möglich ist oder bei einer fristlosen außerordentlichen Kündigung ausgeschlossen ist, kann generell eine Abgeltung erfolgen.

Die Höhe des Abgeltungsanspruches entspricht der nach dem Bundesurlaubsgesetz zu berechnenden Urlaubsvergütung. Danach bemisst sich das Urlaubsentgelt nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst in den letzten 13 Wochen vor dem Beginn des Resturlaubs.


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13. Welche Auswirkung hat eine mögliche Arbeitslosigkeit?

Wer nach der Kündigung nicht direkt einen neuen Job findet, sollte den Resturlaub strategisch planen. Entschließt sich ein Arbeitnehmer dazu, bis zur Beendigung der Kündigungsfrist zu arbeiten und sich seinen Urlaubsanspruch finanziell abgelten zu lassen, so ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld für die Zeit des abgegoltenen Urlaubs.

Der Betroffene erhält kein Arbeitslosengeld bis zu dem Tag, an dem das Arbeitsverhältnis bei einer Urlaubsgewährung im Anschluss an den letzten Tag des Arbeitsverhältnisses gedauert hätte. Da auf den gesetzlichen Urlaubsanspruch und damit auch auf die Urlaubsabgeltung nicht wirksam verzichtet werden kann, kann es sich im bestimmten Fällen für den Mitarbeiter empfehlen, bei einer drohenden anschließenden Arbeitslosigkeit seinen Resturlaub innerhalb der Kündigungsfrist anzutreten. Das gilt etwa bei einer geplanten Selbstständigkeit nach einigen Monaten.

Für Gekündigte, die mit einer langen Arbeitslosigkeit rechnen kann es finanziell vorteilhafter sein, sich den Urlaub abgelten zu lassen. Denn das Arbeitslosengeld entspricht nur 60 beziehungsweise 67 Prozent des Nettoentgeltes bis zur Beitragsbemessungsgrenze  also in der Regel weniger als die Urlaubsabgeltung. Zudem wird die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld durch die abgegoltenen Urlaubstage nicht verkürzt.


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14. Was müssen Arbeitnehmer während einer Freistellung beachten?

Viele Unternehmen stellen Mitarbeiter nach einer Kündigung von der Arbeit frei. Betroffene Arbeitnehmer erhalten dann mit der Kündigung eine Freistellung bis zum Ablauf der Kündigungsfrist. Der Resturlaub wird in diesem Falle angerechnet.

Die Folge: Der Arbeitgeber ist bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses zur Lohnzahlung ohne Gegenleistung verpflichtet, kann aber die ohne Urlaubsgewährung zu zahlende Urlaubsabgeltung umgehen. "Eine Anrechnung von Resturlaubsansprüchen bei einer Freistellung ist nur zulässig, wenn die Freistellung ohne den Vorbehalt eines Widerrufs erfolgt und der Arbeitnehmer keinen abweichenden Wunsch äußert", sagt Keilich.

Die Freistellung unter Anrechnung von Resturlaub ist auch bei einer fristlosen Kündigung, die vorsorglich "ordentlich" unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist ausgesprochen wurde, möglich.

Arbeitnehmer können gegen eine fristlose Kündigung juristisch vorgehen. Sollte die Kündigung dann zwar nicht als fristlose, aber als fristgerechte Kündigung Bestand haben, so ist nach Ablauf der Kündigungsfrist wenigstens der Urlaubsanspruch erfüllt und keine Urlaubsabgeltung zu zahlen.

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