Ferienjobs Lieber nicht zu viel verdienen

Zum ersten Mal arbeiten gehen: Ferienjobs helfen Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung und Studierenden, ihre Finanzen aufzubessern. Wir zeigen, was zu beachten ist, um keine Nachteile zu erlangen.

Tina Groll / zeit.de | , aktualisiert


Foto: K. Rupp/Pixelio  
Strenge Regeln

In diesem Jahr wird die 16-jährige Lena Voss nicht mit ihren Eltern in den Urlaub fahren, sondern das erste Mal arbeiten. Die Schülerin aus Hamburg will bei einer Fast-Food-Kette jobben. Acht Stunden am Tag im Schichtdienst. Geöffnet hat das Restaurant rund um die Uhr.

Aber darf eine 16-Jährige diesem Ferienjob überhaupt nachgehen?

Eine Antwort auf diese Frage liefert der Blick ins Jugendarbeitsschutzgesetz. Das verbietet Kindern bis zum 13. Lebensjahr generell zu arbeiten. Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren dürfen demnach täglich zwei Stunden arbeiten. Allerdings sind nur kindgerechte Arbeiten erlaubt und auch nur in der Zeit zwischen 8 Uhr morgens und 18 Uhr am Abend. Babysitten, Nachhilfe geben, Zeitungen austragen oder Hunde ausführen sind etwa in Ordnung, Jobben bei der Fast-Food-Kette aber nicht.

Für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren sind die Regeln nicht ganz so streng. Sie dürfen acht Stunden am Tag und maximal 40 Stunden in der Woche arbeiten, allerdings im ganzen Jahr nicht mehr als vier Wochen am Stück. Auch Schichtdienst ist für Jugendliche erlaubt. Allerdings nur zwischen 6 und 20 Uhr und auch nur an Werktagen. Es sei denn, der Ferienjob ist in einer Gaststätte oder einem mehrschichtigem Betrieb. Dann dürfen die Jugendlichen sogar bis 22 Uhr beziehungsweise 23 Uhr tätig sein. Damit steht dem Ferienjob von Lena im Schnellrestaurant also nichts im Weg.

Genehmigung einholen

Allerdings haben Jugendliche ein Recht auf mehr Erholung zwischen den Arbeitseinsätzen: Mindestens zwölf Stunden müssen zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn liegen, für Erwachsene sieht das Arbeitsschutzgesetz nur elf Stunden Unterbrechung vor.

Schwere körperliche Arbeit, Hantieren mit Chemikalien und Akkordarbeit ist für Teenager grundsätzlich tabu. Ebenso das Bedienen von gefährlichen Maschinen wie Zentrifugen oder Sägemaschinen. Schüler dürfen keinem Lärm, keiner Hitze und auch keiner starken Kälte ausgesetzt sein. Ein Sommerferienjob im Kühlhaus ist für Minderjährige deshalb tabu. Auch dort, wo die Gesundheit gefährdet werden könnte, etwa an Orten mit erhöhter Infektionsgefahr wie in Krankenhäusern, dürfen Minderjährige nicht jobben.

Den Arbeitsvertrag sollten die Eltern unterschreiben, denn Minderjährige sind nur beschränkt geschäftsfähig. Alle Verträge mit ihnen sind schwebend ungültig, sofern sie nicht mit der Einwilligung der Erziehungsberechtigten geschlossen werden. Arbeitsrechtler raten Arbeitgebern deshalb, unbedingt zu prüfen, ob die Eltern dem Nebenjob ihrer Kinder zustimmen. Im Fall der 16-jährigen Schülerin aus Hamburg haben die Eltern den Vertrag mit der Fast-Food-Kette unterzeichnet. Schriftlich ist darin auch fixiert, wie das Mädchen versichert ist. Denn natürlich muss der Arbeitgeber auch für jugendliche Aushilfen eine betriebliche Unfallversicherung abschließen. Sie gilt auch für den Weg zur Arbeit.


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Und was ist mit dem Verdienst? Wird der Lohn der Schülerin dem Einkommen der Eltern zugerechnet und ist damit zu versteuern?

Nein. "Für Ferienjobs ist es wichtig zu wissen, dass Beiträge zur Sozialversicherung nicht anfallen. Wenn der Lohn allerdings über 896 Euro pro Monat liegt, werden Steuern fällig. Die werden allerdings normalerweise im nächsten Jahr wieder erstattet. Ratsam ist es, eine Lohnsteuerkarte abzugeben", sagt René Rudolf, Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Doch seit Anfang des Jahres gibt es die Lohnsteuerkarte in der heutigen Form nicht mehr. Das Verfahren wird ab 2012 digitalisiert, übergangsweise ist 2011 daher die Karte aus dem Vorjahr gültig. Minderjährige, die wie die 16-jährige Lena noch nie eine Lohnsteuerkarte bekommen haben, können zusammen mit ihren Eltern eine Karte beim Finanzamt beantragen, und nicht mehr, wie früher üblich, bei der Gemeinde. Es ist allerdings auch möglich, ohne Karte einen Ferien- oder Nebenjob aufzunehmen. In diesem Jahr gilt für Jugendliche eine entsprechende Ausnahmeregelung, die übrigens auch für Ausbildungsanfänger gültig ist.

Achtung! Verdienst anrechenbar auf staatliche Leistungen

Schüler, die in den Ferien einem 400-Euro-Job nachgehen, müssen sich um Steuern und Sozialabgaben keine Gedanken machen. Diese Jobs sind nicht steuerpflichtig. Kurzfristige Arbeitsverhältnisse wie Ferienjobs sind außerdem grundsätzlich sozialversicherungsfrei, sofern sie 50 Tage im Jahr oder zwei Monate am Stück nicht überschreiten. Lena wird also ihr erstes selbst verdientes Geld behalten können.

Doch was ist, wenn die Eltern Hartz IV bekommen? Seit Juni 2010 dürfen Kinder von Hartz-IV-Empfängern, die in den Ferien nicht länger als vier Wochen jobben, bis zu 1.200 Euro verdienen, ohne dass es zu einer Leistungskürzung bei den Eltern kommt. Anders ist es, wenn die Kinder regelmäßig jobben oder der Sommerferienjob länger als vier Wochen dauert. Dann wird das Einkommen der Kinder aus dem Nebenjob angerechnet und es dürfen nur noch 100 Euro behalten werden. So oder so müssen die Eltern den Nebenjob der Kinder der zuständigen Arbeitsagentur melden. 

Bis zur Einführung des Steuervereinfachungsgesetzes war das Einkommen aus einem Nebenjob auch für das Kindergeld entscheidend. Eltern und Kinder mussten bei der Familienkasse noch belegen, dass sie die Einkommensgrenze für das Kind, von 8004 Euro pro Jahr, einhalten. Seit Januar 2012 gelten Kinder unter 25 Jahren automatisch als kindergeldberechtigt, wenn sie sich in der ersten Berufsausbildung oder im Erststudium befinden. Und selbst für das zweite Studium oder eine weitere Berufsausbildung kann noch Kindergeld gezahlt werden – solange der Nachwuchs nicht mehr als 20 Stunden pro Woche nebenbei arbeitet.


Foto: K. Rupp/Pixelio 

Studenten, die Bafög empfangen, dürfen nicht mehr als 400 Euro im Monat oder 4.800 Euro im Jahr hinzuverdienen und müssen alle Einkünfte aus Arbeitsverhältnissen im Bafög-Antrag angeben. Liegt das Einkommen darüber, muss der Student die Förderung zurückzahlen, sofern kein Härtefall geltend gemacht werden kann. Ein solcher liegt beispielsweise bei besonders hohen Studiengebühren vor. Dann dürfen Studierende noch einmal bis zu 250 Euro mehr im Monat verdienen.

Generell dürfen Studenten in der vorlesungsfreien Zeit so viel arbeiten, wie sie wollen. Das Arbeitszeitgesetz bildet mit einer zulässigen Wochenhöchstarbeitszeit von 48 Stunden den Rahmen. Während der Vorlesungszeit schreibt das Gesetz Studierenden hingegen vor, nicht mehr als 20 Stunden pro Woche zu jobben.

Trotz der komplizierten rechtlichen Regelung nutzen viele Jugendliche und junge Erwachsene die Ferienzeit zum Jobben. Gut ist das allemal. Denn die Ferienjobs dienen der beruflichen Orientierung. Lenas Eltern sind froh darüber, dass ihre 16-jährige Tochter freiwillig arbeiten gehen will. Nebenjobs qualifizieren und tragen dazu bei, dass Jugendliche bei der späteren Berufswahl realistischer sind.



Was ist BAFÖG?

Die Abkürzung BAFÖG steht für das Bundesausbildungsförderungsgesetz, auf dessen Grundlage Schüler und Studenten in Deutschland Fördergeld für ihre Ausbildung erhalten können.

Je nach Art der Ausbildung, dem Wohnort und dem eigenen Bafög-Anspruch erhalten Schüler und Studenten monatlich zwischen 200 und knapp 700 Euro. Einen Überblick gibt der Bafög-Rechner.

Wer bekommt BAFÖG?

Anspruch auf Bafög haben nicht nur Studenten an Universitäten und Fachhochschulen, sondern auch Schüler auf weiterführenden Schulen – vorausgesetzt das Einkommen ihrer Eltern überschreitet eine gewisse Grenze nicht. Bafög für ein Studium an Hochschule und Akademien wird meist als Darlehen gegeben – nach dem Abschluss muss ein Teil zurückgezahlt werden.

Was gefördert wird, wer Anspruch hat und wie das Bafög beantragt wird steht auf den Seiten des Bildungsministeriums.

Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de

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