Fehlerlose Ferien Das Recht auf den Traumurlaub

Wie viele Urlaubstage stehen mir zu? Kann mein Chef Urlaub ablehnen? Die wichtigsten juristischen Fragen zum Thema beantwortet Arbeitsrechtlerin Katrin Scheicht.

Claudia Tödtmann, wiwo.de | , aktualisiert

Das Recht auf den Traumurlaub

Foto: haveseen/Fotolia.com

Wie viel Urlaub haben Arbeitnehmer pro Jahr?

Bei einer Fünf-Tage-Woche stehen jedem Mitarbeiter mindestens 20 Tage, bei einer sechs-Tage Woche mindestens 24 Tage Urlaub pro Jahr zu, das sagt das Gesetz. Schwerbehinderte mit mindestens 50-Grad-Behinderung haben fünf Tage mehr Urlaub. Jedoch: In etlichen Arbeits- und Tarifverträgen sind mehr Urlaubstage vorgesehen, so dass in Deutschland die meisten Arbeitnehmer auf 25 bis 30 Tage Urlaub pro Jahr kommen.

Wann darf ein Arbeitgeber den Urlaubswunsch seiner Angestellten ablehnen?

Der Grundsatz heißt: Arbeitnehmer können den Zeitpunkt ihres Urlaubs frei wählen. Arbeitgeber dürfen den Urlaub nur ablehnen, wenn dringende betriebliche Belange vorliegen oder Urlaubswünsche mit denen von Kollegen kollidieren, die Vorrang haben.

"Dringende betriebliche Belange" sind beispielsweise: die Unterbesetzung der Abteilung wegen hohen Krankenstands, ein großes Arbeitsaufkommen wegen eines zusätzlichen Auftrags oder branchenspezifische Hochphasen wie etwa das Vorweihnachtsgeschäft im Einzelhandel.

Im Kollisionsfall: Was gilt, wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig in Urlaub gehen möchten?

Entscheidet der Chef über kollidierende Urlaubswünsche, geben soziale Gesichtspunkte den Ausschlag. Nicht vorrangig ist die Hierarchie: Auch der Chef muss beispielsweise als Single zurückstecken, wenn seine Mitarbeiterin Kinder hat und auf die Schulferien angewiesen ist.

Wer den Wunschurlaub kriegt, hängt von sozialen Gründen ab. Muss ein Vorgesetzter eine Abteilung koordinieren, sind dies die Kriterien, die er beachten muss:

  • Höheres Alter
  • lange Betriebszugehörigkeit
  • schulpflichtige Kinder
  • Erholungsbedürftigkeit sowie
  • berufstätige Ehepartner von Mitarbeitern.



Die Entscheidung, wer Vorrang hat, hängt immer vom konkreten Fall ab. Als Faustregel gilt: Während der Schulferien dürfen vorrangig Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern Urlaub nehmen. Vorfahrt hat, wer gesundheitliche Gründen vorweisen kann. Zum Beispiel: Wenn ein starker Allergiker vor der Pollenflugzeit ans Meer flüchten will.

Urlaubswünsche älterer, kinderloser Arbeitnehmer mit langer Betriebszugehörigkeit haben Vorrang vor denen ihrer jüngeren, kinderlosen Kollegen mit kürzerer Betriebszugehörigkeit. Aber auch ein jüngerer, alleinstehender oder kinderloser Arbeitnehmer muss nicht immer im November seinen Urlaub nehmen, vor allem wenn Fernreisen aus finanziellen Gründen ausscheiden.

Um den Urlaubswünschen aller Mitarbeiter gerecht zu werden, bietet sich oft – ggf. in Abstimmung mit dem Betriebsrat – ein rollierendes System bzw. eine frühzeitige Planung und Koordination an.

Wie viel Zeit darf sich der Arbeitgeber beim Genehmigen oder Ablehnen eines Urlaubsantrags lassen?

Arbeitgeber müssen in angemessener Zeit über den Urlaubsantrag entscheiden. Dabei spielt es eine Rolle, ob ein einziger Mitarbeiter kurzfristig Urlaub nehmen möchte oder ein Großteil der Belegschaft bereits im Januar den Sommerurlaub plant. Wichtig ist: Schweigen heißt nicht Zustimmen. Schweigt der Arbeitgeber auf einen Urlaubsantrag, gilt er deshalb nicht als genehmigt. Gibt es einen Betriebsrat, gibt es meist auch Vereinbarungen im Unternehmen, die das Verfahren und die Gründe der Urlaubserteilung oder -ablehnung detailliert regeln.

Was passiert, wenn der Arbeitnehmer im Urlaub krank wird?

Wird der Mitarbeiter in seinen Ferien krank, kann er diese Tage retten, indem er sich am Urlaubsort ein Attest vom Arzt geben lässt. Dann kann er kann diese Tage später nachholen. Dies gilt auch, wenn er schon vor dem Urlaub krank wird und die Ferien daher gar nicht erst antreten kann.

Müssen Arbeitnehmer im Urlaub für ihren Chef erreichbar sein?

Laut Gesetz muss das Unternehmen den Urlaub unwiderruflich und "unter Freistellung von der Arbeitspflicht" gewähren. Daher sind Arbeitnehmer im Urlaubs nicht verpflichtet, gegen ihren Willen über Smartphone & Co erreichbar zu sein.

Darf die Firma Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückbeordern?

Solange Arbeitnehmer nicht ausdrücklich zustimmen, können Arbeitgeber nicht erzwingen, dass er ihn abbricht oder unterbricht. Ausnahme: In echten Notfällen wie Gefahr in Verzug, Brand- oder Überschwemmungskatastrophen oder das drohende Verderben größerer Warenmengen. In einer existenziellen Krise der Firma kann auch ein rettender Großauftrag ein Grund sein, Mitarbeiter ausnahmsweise aus dem Urlaub zurückzuholen zu dürfen.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter zu spät aus dem Urlaub zurück kommt?

Dann kommt es darauf an, ob er den Grund selbst verschuldet hat: Er riskiert eine Abmahnung und – wenn es mehrmals vorkommt – sogar seine Kündigung, wenn er am Urlaubsort zu spät abgereist ist oder sich selbst eigenmächtig Urlaub nimmt. Kommt ein Mitarbeiter allerdings deshalb zu spät zurück aus dem Urlaub, weil er Opfer eines Fluglinienstreiks oder einer Vulkanwolke über Europa wurde, braucht das Unternehmen ihm für diese Tage kein Gehalt zahlen.

Dürfen Arbeitnehmer im Urlaub andere Jobs ausüben?

Während des Urlaubs darf der Mitarbeiter keine Arbeit leisten, die dem Urlaubszweck widerspricht – er soll sich erholen. Bezahlte Tätigkeiten, die ihn anstrengen, sind daher in der Regel ausgeschlossen. Allerdings ist beispielsweise bei Büroangestellten ein gewisses Maß an körperlicher Ausgleichsarbeit wie etwa in der Landwirtschaft möglich. Arbeitsgerichte haben auch schon entschieden, dass körperliche Ausgleichsarbeiten bei einem Geistesarbeiter durchaus Erholung darstellen können und damit zulässig sind. Was in jedem Fall verboten ist: Jede Form der Tätigkeit für einen Konkurrenten des Arbeitgebers während der Urlaubszeit.

Müssen Arbeitnehmer Betriebsferien akzeptieren, die der Arbeitgeber vorschreibt?

In Unternehmen ohne Betriebsrat können Arbeitgeber bei dringenden betrieblichen Gründe – etwa um den Betrieb ganz oder teilweise vorübergehend schließen. Etwa weil ihre Zulieferer oder Kunden ebenfalls Urlaub machen. Dann haben alle Arbeitnehmer in dieser Zeit einheitlich Urlaub. Ein anderes Beispiel: In Arztpraxen sind abgestimmte Anwesenheitszeiten vom Chef und den Mitarbeitern erforderlich. Alleine kann die Arzthelferin keine Patienten verarzten. Ärzte sind daher berechtigt, den Betriebsurlaub anzuordnen. Sie müssen nur beachten, dass den Angestellten rund die Hälfte ihrer Urlaubstage noch frei wählen dürfen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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