Feedbackkultur Regeln für Führungskräfte

Kritik ist gut und hilfreich – wenn man sie richtig platziert und der Empfänger richtig damit umgeht. Damit das klappt, müssen Führungskräfte einiges beachten. Vier Regeln, damit Ihre Kritik wirkt, statt zu verletzen.

Nora Jakob, wiwo.de | , aktualisiert

Regeln für Führungskräfte

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Foto: contrastwerkstatt / Fotolia.com

Der Kollege kommt zum dritten Mal in Folge zu spät und überzieht dann noch die Mittagspause? Den Kollegen oder dem Chef kann dann schnell der Kragen platzen. Zu recht! Nur sollten Sie Ihrem Ärger möglichst nicht direkt in der Situation Luft machen. Denn Kritik ist selten angenehm, so berechtigt sie auch sein mag. Um Kritik zu äußern, muss man sich vor allem eines: Zeit nehmen.

Nur so kann Kritik dafür sorgen, dass andere ihre Fehler erkennen. Die falsche Wortwahl oder die falsche Umgebung sorgen dagegen dafür, dass der Kritisierte sich angegriffen fühlt – und sich verteidigt, anstatt sein Verhalten zu überdenken. "Die Kritikäußerung durch eine Führungskraft sollte im Rahmen eines dem Mitarbeiter im Vorfeld angekündigten, konstruktiven Gespräches, in dem auch die positiven Aspekte der Zusammenarbeit hervorgehoben werden, stattfinden", sagt Jana Völkel-Kitzmann. Sie ist Management-Coach und bietet in einer eigenen Akademie Seminare für Führungskräfte an.

Das Ziel des Gespräches sei, eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Dies könne jedoch nur mit der gemeinsamen Übereinkunft einhergehen, wie die nächsten sinnvollen Schritte sind. "Durch die Etablierung einer entsprechenden Gesprächskultur kann diese Form des Austausches für beide Seiten – Führungskraft sowie Mitarbeiter – sehr klar, direkt und auch entsprechend zielführend sein", sagt Völkel-Kitzmann.

Regel eins: Werden Sie sich klar, was Sie wirklich stört

Um das tun zu können, müssen sich die Führungskräfte gut vorbereiten – und einige Dinge beachten: Zunächst muss der Chef reflektieren, was ihn am Verhalten des Mitarbeiters stört. Dazu kann etwa ein Stichpunktzettel helfen, um im Gespräch nicht den roten Faden zu verlieren. Dieses sollte vorher terminiert werden und schließlich in ruhiger Atmosphäre stattfinden.

Regel zwei: Kritik immer unter vier Augen

Wichtig dabei ist es, das Gespräch unter vier Augen zu führen. Kritik vor anderen Kollegen wirkt oft kontraproduktiv. "Kritik vor anderen kann als entwürdigend erlebt werden, was dazu führen kann, dass dies vom Mitarbeiter später dem Vorgesetzten in irgendeiner Form " zurückgezahlt" werden könnte", sagt Helmut Hofbauer, Managementberater aus Wörthsee in Oberbayern.

"Sollte ein Mitarbeiter vor anderen kritisiert werden, ist eine wahrscheinliche Reaktion, dass dieser anfängt sich taktisch zu verhalten, weil er einerseits einen bestimmten Sachverhalt vor Kollegen nicht einräumen möchte, anderseits er sein Gesicht vor den anderen wahren möchte. Kurzum, Kritik vor anderen verhindert Offenheit und Vertraulichkeit", gibt Hofbauer zu Bedenken.

Das unterstützt auch Völkel-Kitzmann: "Es muss eine Vertraulichkeit herrschen, in der beide Seiten offen ihre Anliegen formulieren können und auch Raum gegeben wird, die menschlichen Themen der Zusammenarbeit – neben den sicherlich vielfältigen fachlichen Aspekten – zu äußern. In einem großen Plenum oder vor Dritten besteht gegebenenfalls die Gefahr, dass aufkommende Themen außerhalb des Kontextes zitiert oder benutzt werden."

Regel drei: Konkretes Verhalten kritisieren

Für Führungskräfte ist es zudem wichtig, Kritik möglichst konkret und beispielhaft an Situationen zu beschreiben. Verallgemeinerungen führen zu einer Abwehrreaktion des Kritisierten. Dazu braucht es die sogenannten ZDFs, also Zahlen, Daten und Fakten. Dabei sollten auch die möglichen Auswirkungen des Verhaltens zum Beispiel auf den Kunden oder das Team sollten beschrieben werden. "Hat die Führungskraft ihre Punkte klar dargestellt, ist wichtig, dass der Mitarbeiter Gehör für seine Sichtweise erhält", sagt Hofbauer.

Dies sei deshalb wichtig, damit die Führungskraft seine Perspektive mit der seines Mitarbeiters abgleicht, um eventuell neue Informationen zu erhalten oder auch berechtigte Gründe seines Gegenübers für sein Verhalten zu erhalten, wie beispielsweise unzureichende Informationen über Rahmenbedingungen.

Regel vier: Vereinbaren Sie Maßnahmen für die Zukunft

"Danach sollten beide Perspektiven abgeglichen und überprüft werden, inwieweit ein Konsens beziehungsweise Dissens vorhanden ist. Im letzten, besonders wichtigen, Schritt werden konkrete Ziele und Maßnahmen vereinbart, was erreicht beziehungsweise verändert werden soll, damit sich der Sachverhalt beziehungsweise das Verhalten des Mitarbeiters entsprechend verändert", sagt Hofbauer. "Die Führungskraft, also in den allermeisten Fällen der/die Kritisierende, sollte alles daran setzen, dass das Kritikgespräch im Idealfall im besten Fall motivierend, mindestens aber gesichtswahrend verläuft.

"Hierzu gehört natürlich auch eine gewisse Erfahrung und Menschenkenntnis", ergänzt Völkel-Kitzmann. Gerade wenn es um das Äußern von Kritik geht, haben viele Führungskräfte damit ein Problem – dabei zählt es unweigerlich zu ihren wichtigsten Aufgaben. Denn nur so können sich Mitarbeiter weiterentwickeln und verbessern.

Über kurz oder lang werden es die Mitarbeiter auch danken, nämlich dann, wenn sie verstehen, dass es auch vom Chef Mut erfordert, zu kritisieren. Denn letztlich ist die Situation für beide unangenehm. Umso besser, wenn das Gespräch gesucht wurde, denn das bedeutet nicht zuletzt auch, dass weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit besteht.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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