FAQs Wer nicht fragt, bleibt dumm

Die Regeln für einen guten Start ins Berufsleben ändern sich kontinuierlich. Junge Karriere beantwortet die gängigsten Fragen von Absolventen der Wirtschaftswissenschaften rund um den Jobeinstieg.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Wie viele Praktika sollte ein Wiwi-Absolvent mitbringen, um Chancen auf eine gute Stelle zu haben?
Im Laufe eines Diplom- oder Masterstudiums sollten schon drei, vier Praktika zusammenkommen. Mindestens eines, besser noch zwei davon im Ausland. Am liebsten hätten die Unternehmen jeweils mindestens halbjährige Praxiseinsätze, aber da muss jeder selber schauen, ob er das in sein Studium eingebaut bekommt.

Braucht man unbedingt ein Semester oder ein Praktikum im Ausland?
Ja, grundsätzlich schon. „Wer keines macht, ist selber schuld“, stellt Arne tom Woerden, Leiter der Personalberatung der Access AG, zu diesem Thema fest. „Auslandserfahrung gehört für Wiwi-Absolventen mittlerweile zur Grundausstattung.“ Insbesondere, wenn man zu international tätigen Konzernen oder Beratungen möchte. Aber auch Mittelständler mit großem Auslandsgeschäft achten mehr und mehr auf diese Qualifikation. Ob Studium oder Praktikum ist weitgehend egal, Hauptsache Ausland. Ein Praktikum hat aber den Vorteil, dass man auch noch wichtige Berufspraxis sammelt.

Sollte man die Praktika thematisch breit streuen oder sich lieber spezialisieren?
Wer noch nicht weiß, ob es ihn später ins Marketing, Controlling oder Personal zieht, kann sich gerne erst mal durchprobieren. Es geht ja in erster Linie um Praxiserfahrung. Im Laufe der Zeit wäre eine gewisse Spezialisierung aber sinnvoll. Wer zum Beispiel schon mal die Zahlen für sich entdeckt hat, kann sich dann in Praktika als Wirtschaftsprüfer, Risk Manager oder Finanzbuchhalter ausprobieren. Ein werbeaffiner Student schaut sich bei Bedarf die Marketingabteilungen mehrerer Branchen an. Unterm Strich sollte die Mischung in Bezug auf die angepeilte Richtung schlüssig sein. Dabei sind gute Praktikumsinhalte sehr viel wertvoller als große Unternehmensnamen. Im Idealfall erwischt man beides.

Was tun, wenn vor lauter Nebenjobs und Sich-über-Wasser-halten-müssen keine Zeit für Praktika bleibt?
Dann sollte man zunächst mal alle in Frage kommenden Stiftungen abklappern, um eine Finanzspritze aufzutreiben (Infos zum Beispiel unter: www.stipendiumplus.de). Sörge Drosten, Partner bei der Personalberatung Kienbaum, empfiehlt darüber hinaus, wenigstens die Nebenjobs so zu wählen, dass man dort Relevantes für den späteren Job lernt. Also statt Kassenjob an der Tanke oder kellnern gehen lieber eine freie Mitarbeit in einer Werbe- oder Eventagentur ausprobieren oder einen Bürojob in der Industrie suchen.

Was ist, wenn es nicht für eine Auslandsstippvisite gereicht hat?
Konnte man sich früher durch einen Auslandsaufenthalt noch positiv hervortun, fällt man jetzt negativ auf, wenn man nicht fort war. Ingenieuren verzeiht man wegen des herrschenden Bewerbermangels dieses Defizit derzeit eher, aber ein Wiwi sollte schon sehr gute Gründe anführen können. Das könnten zum Beispiel private Verpflichtungen sein oder superattraktive Alternativen im Inland. Auf die Finanzen sollte man es dabei aber nicht schieben – auch wenn es stimmen sollte –, da die Fördermöglichkeiten derzeit recht gut sind. Unternehmen erwarten, dass man dann eben entsprechende Prioritäten hätte setzen müssen. Bei den großen internationalen Konzernen und Beratungen wird man wegen dieses Mankos ziemlich wahrscheinlich durchs Raster fallen, deshalb beim Bewerben lieber verstärkt auf Unternehmen fokussieren, die Auslandserfahrung nicht als absolutes Must fordern.

Die eigene Uni rangiert in den Rankings unter ferner liefen. – Ist das schlimm?
Es ist kein K.O.-Kriterium wie in manchen anderen Ländern. „Aber viele Firmen bewerten es zumindest positiv, wenn ein Bewerber von einer der Elite-Hochschulen kommt oder an einem für das Unternehmen wichtigen Lehrstuhl studiert hat“, berichtet Access-Personaler tom Woerden. So etwas erhöht das Interesse. An diesen Universitäten präsentieren sich die Firmen auch öfter und suchen den Kontakt zu Studenten.

Wie groß sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wenn man nicht zu den Besten eines Jahrgangs gehört?
Je nach Firma und Position spielen Abi- und Uninoten eine wichtige Rolle. Bei den großen Unternehmensberatungen geht ohne eine Eins vor dem Komma tatsächlich nichts. Für Controller oder Finanzjobs muss es mindestens die Zwei davor sein, weiß tom Woerden. Dort ist man dann schon beim ersten Screenen der Bewerbung draußen. Aber: Keine Panik, man bekommt auch mit einer Drei noch eine Stelle. Wer sich die McKinseys und PWCs dieser Welt gleich mal aus dem Kopf schlägt und andere Arbeitgeber beispielsweise aus dem Mittelstand anpeilt, bekommt die Gelegenheit, mit anderen Qualifikationen und Stärken zu punkten. Es kann sich auch lohnen, Jobs eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick nicht den Hochglanz-Vorstellungen entsprechen. Oft entpuppen die sich als spannender und verantwortungsvoller, als es von außen scheint. Und wer dann noch zu den Großen will, schafft das möglicherweise über diesen Zwischenschritt. Denn nach ein paar Jahren wiegt Berufserfahrung schwerer als Zeugnisnoten.

Wie wichtig ist außeruniversitäres Engagement?
Ziemlich. Denn damit kann ein Bewerber die bei Unternehmen so geschätzten Soft Skills wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Führungsstärke belegen – abgesehen davon, dass einen solche Aktivitäten persönlich tatsächlich weiter bringen. Wer nur begrenzt Zeit hat, kann sich auch etwas Unaufwändiges suchen, wie etwa im Kindergarten oder im Altenheim vorlesen oder kurzzeitige Ferienprojekte. Falsch wäre es, aus rein opportunistischen Gründen ein Helfersyndrom zu entwickeln. Wer nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, fliegt spätestens im Bewerbungsgespräch auf.

Kann sich ein VWLer auch auf BWL-Stellen bewerben?
Ja, wenn man sich während des Studiums betriebswirtschaftliche Zusatzkenntnisse zum Beispiel über die Wahl der Schwerpunktfächer zugelegt hat. So wird ein rein in VWL-ausgebildeter Absolvent kaum in einer Marketing-Abteilung landen können – da wäre die BWL-Konkurrenz ohnehin zu groß –, ein VWLer mit zusätzlichen Controlling- oder finanzmathematischen Kenntnissen hätte dagegen gute Chancen auf eine BWL-Stelle zum Beispiel im Risk Management. Vielfach wird  auch weniger ein genauer Abschluss gesucht, sondern eine bestimmte Schlüsselqualifikation, stellt Kienbaum-Partner Drosten fest. So benötigen Strategieberatungen analytisch denkende, gut strukturierende Mitarbeiter. Das muss man nachweisen können. Die Fachrichtung ist dann zweitrangig. 

Wie lange sucht ein Wiwi derzeit nach einer Stelle?
Mit einem viertel bis einem halben Jahr Suchzeit kann man derzeit schon rechnen, stellt Raimund Schouren, Berater beim Hochschulteam der Arbeitsagentur Düsseldorf, fest. Die Firmen nehmen sich Zeit, Kandidaten genau zu prüfen. Deshalb ist es nicht verkehrt, schon vor dem Abschluss mit den Bewerbungen loszulegen. Wer länger erfolglos sucht, kann sich auch von einem Zeitarbeitsunternehmen anheuern lassen. Die entsenden einen dann für qualifizierte Jobs in verschiedene Unternehmen. Der Vorteil: Berufspraxis und ein Gehalt, das deutlich über einer Praktikumsvergütung liegt. Erfahrungsgemäß werden Wiwi-Absolventen ziemlich flott von den Unternehmen abgeworben. Zeitarbeit ist darüber hinaus eine gute Alternative für Orientierungslose. Innerhalb eines Jahres kann man drei, vier Unternehmen testen und sich umschauen, bevor die Entscheidung fällt.

Sollte man mit einer Traineestelle oder im Direkteinstieg ins Berufsleben starten?
Das kommt ganz drauf an, wie genau man sich schon festlegen kann oder möchte. Viele Unternehmen haben beide Varianten im Angebot. Wer seinen Traumjob schon identifiziert hat, kann den Direkteinstieg wählen und gleich Verantwortung für seinen Bereich übernehmen. Trainee-Programme bieten dagegen den Vorteil, dass man sich vieles ansehen kann und das Unternehmen auch sehr viel breiter kennen lernt. Ein Wissen und ein Netzwerk, die einem im späteren Berufsweg sehr nützlich sein können. Wer sich Trainee-Programme ansieht, sollte erfragen, ob ein schon recht spezialisiertes Programm geboten wird – zum Beispiel Trainee im Marketing oder Trainee im Controlling – oder ob der Jobeinsteiger wirklich alle Bereiche durchläuft und in Personal, Produktion, Finanzwesen und Markting reinschnuppern kann, bevor er sich für seinen Weg entscheidet. Diese Programme sind eher selten, können aber auch ihren Reiz haben, wenn man noch nicht genau weiß, wohin.

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