FAQ Ab in den Bildungsurlaub

Das Jahr hat gerade begonnen und Sie sind schon wieder urlaubsreif? Wie wäre es mit Bildungsurlaub? Ihr Chef muss dem zustimmen – außer in Bayern und Sachsen. Was Sie sonst noch wissen müssen.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Ab in den Bildungsurlaub

Foto: Astarot / fotolia.com

2016 hat sich für Verbraucher viel geändert. Arbeitnehmer in Thüringen haben seit Januar zum Beispiel einen Anspruch auf Bildungsurlaub. Fünf Tage im Jahr dürfen die Thüringer ab jetzt ihrem Arbeitsplatz fern bleiben und sich weiterbilden. Dabei geht es jedoch nicht ausschließlich um fachliche, sondern auch um gesellschaftspolitische Weiterbildung. Wer in einem Kleinstbetrieb mit weniger als fünf Mitarbeitern angestellt ist, hat allerdings keinen Rechtsanspruch. Geregelt wird diese sogenannte Bildungsfreistellung im Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz (ThürBfG).

Die Thüringer sind damit allerdings Nachzügler – in anderen Bundesländern gibt es das Recht auf Bildungsurlaub schon lange. Welcher Kurs als Bildungsurlaub zählt – und was Sie bei der Anerkennung beachten müssen:

Woher kommt die Idee des Bildungsurlaubs?

Auf die Idee, Angestellte und Arbeiter bezahlt freizustellen, damit sie sich weiterbilden können, kam die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) Anfang der 1970er Jahre. Am 24. Juni 1974 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland, "einen bezahlten Bildungsurlaub zum Zwecke der Berufsbildung, der allgemeinen und politischen Bildung sowie der gewerkschaftlichen Bildung einzuführen."

Da Bildung in Deutschland Ländersache ist, gibt es den Anspruch Bildungsurlaub jedoch noch immer nicht überall. In Bayern und Sachsen gibt es kein derartiges Gesetz, hier sind Mitarbeiter vom guten Willen ihres Vorgesetzten abhängig.

Was fällt unter Bildungsurlaub?

Wer nach zum Sonnen nach Mallorca fliegt, kann das nicht als Bildungsurlaub deklarieren. Auch nicht, wenn er dabei sein Mallorquinisch auffrischt. Sprachkurse zu besuchen, kann dagegen sehr wohl unter Bildungsurlaub fallen. Selbst wenn ein solcher Sprachkurs nicht an der örtlichen Fachhochschule, sondern an der Costa del Sol stattfindet. Es muss aber eben ein explizit ausgewiesener Sprachkurs sein.

Wichtig ist bei allen Kursen und Veranstaltungen, dass sie als Bildungsurlaub anerkannt sind und von einem entsprechenden Träger veranstaltet werden. Die Weiterbildungsmaßnahme mindestens sechs Stunden pro Tag umfassen. Für einen zweistündigen Kurs in Business-Englisch wird man nicht fünf Tage bezahlt freigestellt, um nach London zu düsen.

Grundsätzlich muss der Bildungsurlaub aber nicht explizit berufs- oder unternehmensbezogen sein, dies ist Aufgabe der betrieblichen Weiterbildung.

Ein Schreiner kann also guten Gewissens Russisch lernen oder "Politik, Praxis und Philosophie des tibetischen Buddhismus in Nord-Indien" studieren. Auch Rhetorik-Kurse oder "Entspannt durch den Berufsalltag mit Yoga" können ein Seminarangebot sein.

Wer sind anerkannte Veranstalter von Bildungsurlaub?

Im Aus- und Weiterbildungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen heißt es beispielsweise, dass "Volkshochschulen oder anerkannte Einrichtungen der Weiterbildung in anderer Trägerschaft, Bund, Land oder andere juristische Personen des öffentlichen Rechts" solche Träger sein können.

Was muss ich bei der Anerkennung beachten?

Nicht in allen Bundesländern sind alle Kurse anerkannt. Was in Hamburg ein anerkannter Träger ist, muss in Rheinland-Pfalz noch lange nicht gelten. Außerdem gibt es mitunter geographische Einschränkungen: So darf ein Bildungsurlauber aus Nordrhein-Westfalen nur an Weiterbildungen teilnehmen, die maximal 500 Kilometer von der Landesgrenze entfernt stattfinden. Wer in Düsseldorf wohnt, kann sein Spanisch also nicht in Madrid aufpolieren, ein Kurs in Berlin wäre dagegen durchaus drin. Eine gute Übersicht über mögliche Kurse finden Sie auf den Seiten des DGB-Bildungswerks.

Und: Für die Beantragung des Bildungsurlaubs ist immer der Arbeitsort und nicht der Wohnort entscheidend. Wer in Koblenz wohnt, aber in Bonn arbeitet, für den gelten die Bedingungen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wie viele freie Tage stehen mir zu?

In der Regel sind es fünf Tage pro Jahr. Im Saarland sind es sechs, allerdings muss hier der Arbeitgeber das Gehalt nur für drei Tage Bildungsurlaub bezahlen. In manchen Ländern lassen sich auch alle zwei Jahre zehn Tage am Stück nehmen.

Wie funktioniert das mit dem Antrag?

Arbeitnehmer müssen ihren Bildungsurlaub vier bis sechs Wochen vor Beginn des jeweiligen Kurses beim Vorgesetzten beantragen. Geht ein Antrag später ein, kann der Arbeitgeber ihn ablehnen.

Der Antrag muss schriftlich eingereicht werden und es muss ganz klar sein, dass der gewählte Kurs anerkannt ist. Also nicht: "Hiermit beantrage ich fünf Tage Bildungsurlaub in Spanien", sondern: "Hiermit beantrage ich die Freistellung im Zeitraum von x bis y, um am Kurs Spanisch im Beruf der Fachhochschule abc teilzunehmen." Musteranträge gibt es beim Kursanbieter oder bei den Gewerkschaften. Und hier wird es kniffelig: Wer Bildungsurlaub machen will, braucht die Unterlagen des Kursanbieters. Also muss er sich für einen Kurs anmelden, noch bevor er den Antrag bei seinem Arbeitgeber einreicht.

Deshalb bietet es sich an, schon vor der Anmeldung und dem formellen schriftlichen Antrag einmal mit Kollegen und Vorgesetzten über das Vorhaben zu sprechen, bevor man den Kurs letztlich doch stornieren muss. Im Zweifelsfall sollte man schon bei der Wahl des Kurses ein Auge auf die Stornierungsbedingungen haben.

Kann der Chef den Bildungsurlaub ablehnen?

In Bundesländern, in dem es einen Rechtsanspruch auf Bildungsurlaub gibt, darf der Vorgesetzte nur aus dringenden, betrieblichen Gründen ablehnen. Wie beim normalen Urlaub gilt: Haben im gewünschten Zeitraum schon zu viele Kollegen frei, darf der Chef nein sagen, muss die Weiterbildung aber zu einem anderen Zeitpunkt gewähren. Arbeitnehmer können in diesem Fall auch verlangen, dass der Anspruch ins nächste Jahr übertragen wird. In Bayern oder Sachsen kann der Chef dagegen den Bildungsurlaub komplett ablehnen.

Ist es den Kollegen gegenüber nicht unfair, Bildungsurlaub zu nehmen und sie mit der Arbeit allein zu lassen?

Mitarbeiter haben genauso einen Rechtsanspruch auf diese Bildungsmaßnahme, wie sie auch einen Rechtsanspruch auf Erholungsurlaub haben. Den lässt ja auch niemand sausen, weil die Daheimgebliebenen darunter leiden könnten. "Es ist liegt in der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, den Beschäftigten Weiterbildung zu ermöglichen, sei es durch entsprechende Arbeitsorganisation oder sei es – bei ständigem Auftragsdruck und Personalmangel – durch Einstellung weiterer Mitarbeiter(innen)", heißt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Und was ist mit der Familie?

Einige Seminarhäuser bieten professionelle Kinderbetreuung an. Außerdem bieten viele Träger auch Seminare in den Ferienzeiten mit Übernachtung an, an denen alle Familienmitglieder teilnehmen können.

Wer trägt die Kosten?

In manchen Bundesländern gibt es Bildungsprämien oder Förderprogramme. Da der Arbeitgeber während der Freistellung das Gehalt weiter bezahlt, müssen Arbeitnehmer jedoch im Normalfall die Kursgebühren sowie eventuelle Kosten für Anfahrt und Übernachtung selbst tragen.

Sind die Kosten steuerlich absetzbar?

Ja, Weiterbildungsmaßnahmen, die Arbeitnehmer selbst bezahlt haben, können von der Steuer abgesetzt werden. Dafür müssen die Ausgaben bei der Steuererklärung im Bereich "Aufwendungen für Weiterbildung" geltend gemacht werden. Die Belege über die Seminargebühren, sowie Fahrt- und Unterbringungskosten sollte man entsprechend aufheben.

Was passiert, wenn ich nicht zum Kurs gehe?

Wer sich für einen Bildungsurlaub anmeldet und dann stattdessen eine Woche Zusatzurlaub mit der Liebsten verbringt, riskiert die fristlose Kündigung, wenn er sich erwischen lässt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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