Familie und Beruf Zeit für die Familie hat Priorität

Über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird viel diskutiert. Doch was wünschen sich die Mütter und Väter? Der „Ravensburger Elternsurvey“ zeigt, jungen Eltern ist die gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs wichtiger als ein hohes Einkommen.

dpa | , aktualisiert

Gemeinsame Zeit für die Familie ist den meisten jungen Eltern in Deutschland wichtiger als Geld. Das geht aus der repräsentativen Studie „Ravensburger Elternsurvey“ 2010 hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Während Eltern von kleinen Kindern eine noch bessere Vereinbarkeit von Familie und Arbeit in Form verschiedener Teilzeitmodelle wichtig ist, wollen Männer wie Frauen vor und nach der „heißen“ Kinderphase ökonomisch selbstständig sein. Sie wünschen sich ein dynamisches Modell, das auch nach einer Kinder-Auszeit ein berufliches Weiterkommen ermöglicht, heißt es in der Erhebung, bei der 2000 Mütter und Väter befragt wurden.

Die Vorstellungen der jungen Eltern haben sich in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie und auch beim partnerschaftlichen Umgang mit Finanzen und gemeinsamer Zeit mit den Kindern im Vergleich zur eigenen Elterngeneration stark verändert. Andere Einstellungen sind überraschend traditionell geblieben: So glauben 40 Prozent der Mütter und Väter mit Kindern unter drei Jahren, dass die Mutter in dieser Zeit zu Hause bleiben solle. Eltern von Kindergartenkindern befürworten das nur noch zu acht beziehungsweise zehn Prozent. Wichtig ist Unterstützung bei Kinderbetreuung.

Flexibles Zeitmanagement gewünscht 

„Zunächst mag es erstaunen, dass junge Eltern so eindeutig meinen, die Mutter solle zugunsten der Fürsorge ihre Berufstätigkeit einschränken. Dies ist aber durchaus eine rationale Entscheidung. Denn junge Frauen verdienen in Deutschland öfter als im europäischen Durchschnitt erheblich weniger als junge Männer“, erläuterte Prof. Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin. Bertram hat die Studie zusammen mit Prof. Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgewertet. 

Spätestens, wenn das Kind in der Schule ist, möchten die meisten Mütter wieder zurück in den Beruf - zehn Prozent als Vollzeit-, 60 Prozent als Teilzeitkraft. Um als Familie zufrieden zu sein, ist für die meisten Eltern flexibles  Zeitmanagement am wichtigsten, gefolgt von verbesserten Infrastrukturen zur Kinderbetreuung und schließlich mehr Geldleistungen. Alleinerziehenden brauchen vor allem mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Im Familienalltag spielen zudem soziale Netzwerke und dabei vor allem Großeltern eine wichtige Rolle - sie ergänzen die Betreuung nach Kindergarten, Schule oder in den Schulferien. 

„Es stellt sich allerdings die Frage, was mit den Familien ist, die nicht auf solche Unterstützung zurückgreifen können“, mahnen die Wissenschaftler an. Auf Landes- und kommunaler Ebene sollten deshalb dringend lokale Bündnisse für Familie, Mehrgenerationenhäuser oder auch Formen von Patenschaften ausgebaut werden.

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