Fair Company Knigge fürs Praktikum

Wann darf ich die Kollegen duzen? Was tun, wenn ich mich verzettelt habe? Ist eine Flasche Sekt zum Ausstand angemessen? Während eines Praktikums gibt es eine Menge Stolperfallen. Wie man Fettnäpfchen vermeidet.

Dorothee Fricke | , aktualisiert

Montagmorgen, erster Tag im Praktikum. Soll ich mich selbst vorstellen oder darauf warten, dass ich vorgestellt werde?
Bei einem perfekt organisierten Praktikum sollte sich diese Frage eigentlich nicht stellen. Oft ist eine Vorstellungsrunde bei den Kollegen und ein Rundgang im Unternehmen einer der ersten Tagesordnungspunkte. Darum kümmert sich in vielen Fair Companies der feste Betreuer des Praktikanten. "Über die Vorstellung muss sich der Praktikant keine Gedanken machen. Sein Mentor führt ihn am ersten Tag in die Abteilung ein und stellt ihn allen Kollegen persönlich vor", sagt Andrea Juchems, die bei Henkel für die Praktikanten zuständig ist. Man muss also nicht gleich jeden Kollegen sofort an der Tür begrüßen, sondern darf erst einmal abwarten, ob eine Vorstellungsrunde geplant ist. Wenn nicht, dann heißt es: Offen und selbstbewusst auf die Kollegen auf Zeit zugehen und sich kurz, aber präzise vorstellen. Etwa so: "Hallo, mein Name ist Norbert Pasulke. Ich studiere BWL an der Fachhochschule Pusemuckel und werde die nächsten drei Monate als Praktikant die Marketing-Abteilung unterstützen." Das gilt natürlich auch, wenn man auf Kollegen trifft, die bei der offiziellen Vorstellung nicht dabei waren.

Anscheinend ist es in meiner Abteilung üblich, dass man sich untereinander duzt. Darf ich die Kollegen ungefragt duzen oder soll ich bei jedem einzelnen abwarten, bis er oder sie mir das Du anbietet?
Vorsicht, selbst wenn offenbar eine Duz-Kultur herrscht und die Mitarbeiter kaum älter sind als man selbst, kann man sich bei dieser Frage ordentlich in die Nesseln setzen. "Nie ungefragt Duzen", warnt Franziska Doderer von der Kommunikationsagentur Gruppe Drei, "nach wie vor gilt die Regel, dass der Ältere dem Jüngeren das Du anbietet." Im Arbeitsleben ist es im Zweifelsfall der Ranghöhere, der das Duz-Angebot macht. Wenn man selbst geduzt wird, ist dies auf jeden Fall die Gelegenheit, die Frage zu klären. Wer unsicher ist, sollte lieber beim "Sie" bleiben oder nachfragen anstatt mit komplizierten Passivkonstruktionen die direkte Ansprache zu vermeiden. Eine Ausnahme machen Firmen wie Ikea, in denen das Duzen zur Unternehmenskultur gehört: "Jeder Bewerber erfährt das bereits im Vorstellungsgespräch und kann somit ungefragt damit beginnen", sagt Ikea-Personalerin Pia Palmu.

Im Vorstellungsgespräch war besprochen, dass ich in konkrete Projekte eingebunden werde. Jetzt ist davon keine Rede mehr und ich bewache das Telefon oder stehe am Kopierer. Wann und wie spreche ich an, dass ich mit meinen Aufgaben nicht zufrieden bin? Wie viel Routinetätigkeit ist in Ordnung?
"Falls abgesprochene Dinge nicht eingehalten werden, sollte das offen mit dem Praktikumsbetreuer besprochen werden", rät Rainer Schmidt-Rudloff, der sich bei Infineon als University Relations Manager um Praktikanten kümmert, "aber auch die spannendsten Projekte kommen nicht ohne Routinetätigkeiten aus". Telefondienst, Kopieren, das Pflegen von Listen oder Datenbanken oder andere Hilfstätigkeiten gehören eben nicht nur zu jedem Praktikum, sondern in der Regel auch zu einem normalen Arbeitsplatz. "Routinetätigkeiten sind ok, soweit sie für das Erlernen der Funktion beziehungsweise für einen Gesamtblick nützlich sind", sagt Pia Palmu von Ikea. Sollte ein Praktikant den Eindruck haben, dass Hilfstätigkeiten überhand nehmen, empfiehlt sie, schnell aktiv zu werden: "Respektvoll aber selbstbewusst sollte man eigene Kompetenzen, Ideen und Vorschläge beim Vorgesetzten anbieten." Sinnvoll ist ein gemeinsam vereinbarter Ablaufplan zu Beginn der Praktikumszeit. Bei Abweichungen gibt es dann für beide Seiten eine neutrale Diskussionsgrundlage. Bei Henkel etwa formuliert jeder Praktikant gemeinsam mit seinem Mentor eine klare Zielvereinbarung, "Target Dialog" genannt. In der sind alle Projekte definiert, an denen er mitarbeitet oder für die er selbst verantwortlich ist. "Sollte ein Praktikant mit seinen Aufgaben grundsätzlich unzufrieden sein, wird er immer ein offenes Ohr finden. Gemeinsam sucht man dann nach Lösungen und Alternativen", verspricht Andrea Juchems von Henkel. Grundsätzlich sollten Probleme immer erst in der Abteilung angesprochen werden. Wenn sich nichts ändert, kann man auf die Personalabteilung zugehen.

Das Praktikum entspricht überhaupt nicht meinen Erwartungen. Darf ich es vorzeitig abbrechen?
Aufgeben sollte immer die letzte Möglichkeit sein. Enttäuschungen können vermieden werden, indem man bereits im Vorstellungsgespräch Aufgaben und Einsatzbereiche klar bespricht. Sollten Probleme auftreten: Niemals gleich das Handtuch werfen, sondern mit dem Betreuer darüber sprechen. In einer Fair Company wird man versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Erst wenn alle Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, ergebnislos ausgeschöpft sind, kann man eine Kündigung erwägen. Achtung: Auch für Praktikanten gelten Kündigungsfristen. Wenn nichts anderes vereinbart ist, gilt die gesetzliche Frist von vier Wochen zum Monatsende. Selbst wenn man enttäuscht ist, sollte man auf einen würdigen Abgang achten. Man sieht sich schließlich oft zweimal im Leben.

In einem Meeting wird über ein Projekt gesprochen, an dem ich nicht direkt beteiligt bin. Ich habe aber eine Idee. Soll ich mich trotzdem einbringen?

"Wenn man Sie zum Meeting eingeladen hat, können Sie Ihre Ideen auch einbringen", sagt Karin Görl aus dem Personalmarketing der Schaeffler KG. Dem stimmen alle befragten Fair Companies zu. "Ideen von außen haben immer eine besondere Qualität", sagt etwa Franziska Doderer von Gruppe Drei. "Manchmal ist gerade die Ansicht von nicht direkt am Projekt Beteiligten wertvoll", ergänzt Rainer Schmidt-Rudloff von Infineon. "Doch auch hier gilt: Der Ton macht die Musik." Das heißt: Nicht die Vorschläge der anderen schlechtmachen, andere Teilnehmer ausreden lassen und keine Vorträge unterbrechen. "Im Zweifelsfall kann man die Kollegen am Ende des Meetings oder eines Vortrages auf seine Idee aufmerksam machen", sagt Elke Brücher von der Citibank.

Übereifrig habe ich alle Aufgaben angenommen, die von verschiedenen Mitarbeitern an mich herangetragen wurden. Jetzt merke ich, dass ich mich total verzettelt habe und nicht alle Zusagen einhalten kann. Was nun?
Keine Angst, Sie sind garantiert nicht der erste Neuling, dem so etwas passiert. "Das kann natürlich vorkommen, gerade weil man als Praktikant oder Praktikantin noch nicht so recht einschätzen kann, wie viel Aufwand mit welcher Aufgabe verbunden ist", sagt Karin Görl von der Schaeffler KG. Jetzt heißt es: offen ansprechen, dass man mit seinen Aufgaben überfordert ist. Am besten wendet man sich an seinen Mentor, um gemeinsam einen Plan zur Abarbeitung auszuarbeiten. Alternativ kann man auch direkt auf die betroffenen Mitarbeiter zugehen. Auf keinen Fall sollte man bis zur Deadline warten und erst dann zugeben, dass man es nicht geschafft hat. "Einsicht ist der beste Weg zur Besserung und nichts ist schlimmer, als versteckte Fehler", sagt Franziska Doderer.

Ein Kollege weiht mich während der Mittagspause in den Firmentratsch ein und möchte mit mir über andere Kollegen lästern. Wie gehe ich damit um? 
Irgendwie neugierig ist man ja schon auf die Geschichte, wie Herr X aus dem Vertrieb mit Frau Y vom Empfang nach der Weihnachtsfeier abgestürzt ist. Oder dass Herr Z letztens ein wichtiges Projekt in den Sand gesetzt hat, weil er den Termin beim Kunden einfach verschwitzt hat. Doch auch wenn es schwer fällt: Als Praktikant sollte man möglichst direkt zu erkennen geben, dass man an dieser Art von Informationen nicht interessiert ist und sich da lieber heraushalten will. Lästereien niemals kommentieren: "Darauf sollte man nicht eingehen und sagen, dass man noch nicht lange genug dabei ist, um sich ein Bild von bestimmten Personen zu machen", rät Nikolaus Heiszensberger, Personaler bei Audi. Noch schlimmer: selbst damit anfangen, über Kollegen zu lästern. Vielleicht ist der Gesprächspartner mit der betreffenden Person befreundet. 

Vor welchen Fettnäpfchen muss ich mich sonst noch hüten?
Keine Angst, Fehler machen darf jeder. Von Praktikanten wird nicht erwartet, dass sie schon alles können. "Scheuen Sie sich nicht zu fragen, wenn Sie sich unsicher sind, dann kann eigentlich nichts passieren", rät daher Karin Görl von Schaeffler. Manchmal, so erklärt Franziska Doderer von der Gruppe Drei, kämen Praktikanten mit vorgefertigten Haltungen. Wer glaubt, er wisse schon alles, wird auch nichts neues Lernen. Manchmal vermisst Doderer auch Eigeninitiative und Neugier. Ansonsten, so sagt Rainer Schmidt-Rudloff von Infineon, seien es weniger Fettnäpfchen als mangelnde soziale Umgangsformen, die negativ auffielen.

Das Ende des Praktikums naht: Soll ich zum Ausstand etwas mitbringen? Was ist angemessen?
Wer backen kann, ist fein raus: Alle befragten Personaler finden, dass ein selbstgebackener Kuchen das ideale Abschiedsmitbringsel für die Abteilung ist. "Es ist immer nett, sich nach einer guten gemeinsamen Zeit auch gut zu verabschieden. Daher wird es gern gesehen, wenn Praktikanten an ihrem letzten Arbeitstag eine Kleinigkeit mitbringen", sagt Andrea Juchems von Henkel, "Die ‚Zehn-Gänge Party' wäre aber definitiv übertrieben." Wer nicht zum Backen kommt, kann alternativ auch ein paar Brezeln oder eine Runde Eis mitbringen. Achtung: Alkohol ist in vielen Unternehmen tabu. Deshalb besser auf die Flasche Sekt oder den Kasten Bier verzichten, zumindest aber nachfragen, ob dies in Ordnung geht. Wichtiger als das Kulinarische ist aber, dass man sich mit Worten bedankt: Ein herzliches Danke und eine Rundmail, in der man auch seine Kontaktdaten hinterlassen kann, kommen immer gut an.

Nach dem Praktikum: Wie halte ich am besten Kontakt zu einem Unternehmen, das mich auch als potentieller Arbeitgeber interessiert? Wie kann ich mich am besten in Erinnerung halten, ohne aufdringlich zu wirken?
Nach einem erfolgreichen Praktikum hat nicht nur der Praktikant, sondern auch das Unternehmen Interesse, den Kontakt zu halten. "Am besten ist es, wenn Sie schon im Abschlussgespräch auf Ihr Interesse aufmerksam machen und bei dieser Gelegenheit das weitere Vorgehen abstimmen", sagt Elke Brücher von der Citibank. "Danach ist es nicht aufdringlich, hin und wieder einmal nachzufragen. Im Gegenteil, wir freuen uns darüber." Gute Anlässe für eine E-Mail oder einen Anruf sind die Rückkehr vom Auslandsemester, die Begegnung auf Messen und Kongressen oder das nahende Studienende. Eine tolle Möglichkeit, mit einem Unternehmen im Kontakt zu bleiben, sind Praktikantenbindungsprogramme, wie etwa "Career Track" von Henkel oder "Schaeffler Top Studenten". In solchen Programmen werden ehemalige Praktikanten zum Beispiel zu Firmenveranstaltungen, Seminaren oder Exkursionen eingeladen. Wer ein solches Programm angeboten bekommt, sollte es auf jeden Fall nutzen.

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