Fair Company | Für Unternehmen Gute Rahmenbedingungen geben Sicherheit

Um die notwendigen Rahmenbedingungen für ihre Praktikanten zu schaffen, müssen Unternehmen nicht nur die Fair Company-Regeln einhalten, sondern auch einige versicherungstechnische Lösungen beachten, die bei den unterschiedlichen Praktikumsformen zum Tragen kommen. Zudem hilft ein guter Praktikumsvertrag, das Arbeitsverhältnis verlässlich zu untermauern.

Anne Koschik | , aktualisiert

 
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Praktika kosten – Engagement, Ressourcen und Zeit. Optimal eingesetzt, gewinnen aber zwei Seiten: Unternehmen und Praktikanten, die beide in gleicher Weise investieren müssen. Im Idealfall entsteht eine nachhaltige Bindung zum Unternehmen, Talente können identifiziert und Nachwuchskräfte gesichert werden.
 
Den Schutz der Praktikanten hat sich der Gesetzgeber zur Aufgabe gemacht – obwohl es keine speziellen gesetzlichen Regelungen für Praktikanten gibt, wohl aber grundlegende Rechtsnormen innerhalb des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das Praktikumsrecht lässt sich zudem eingrenzen durch das Berufsbildungsrecht sowie durch Urteile des Bundesarbeitsgerichts.

Diese Form der Praktika ist in den Studienordnungen der allgemeinbildenden, beruflichen oder akademischen Bildungsgänge beschrieben. Auch ihre Dauer ist dort festgelegt. Ein gesetzlicher Vergütungsanspruch besteht nicht.

a) Sozialversicherungspflicht bei Pflichtpraktika während der Schulzeit:
Schüler sind von der Sozialversicherungspflicht sowie von der Beitragspflicht befreit. Die Krankenversicherung wird über die Familienversicherung abgedeckt.

b) Sozialversicherungspflicht bei Pflichtpraktika vor Studienbeginn:
Kranken- und Pflegeversicherung: Praktikanten, die jünger als 25 Jahre alt sind und keine Vergütung erhalten, sind in der Regel über die Familienversicherung abgedeckt. Gibt es diese nicht, muss sich der Studierende in spe pflichtversichern, zahlt aber nur den Studierendenbeitrag (64,77 Euro plus 11,64 Euro für die Pflegeversichung bei unter 23-Jährigen bzw. 13,13 Euro bei über 23-Jährigen). Außerdem besteht Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht. Die Beiträge zahlt allein der Arbeitgeber.

Praktikanten, die ein Entgelt erhalten, sind als Beschäftigte in der Berufsausbildung sozialversicherungspflichtig (Kranken-, Pflege, Arbeitslosen- und Rentenversicherung). Die Regelung zur Versicherungsfreiheit wegen geringfügiger Beschäftigung zieht hier also nicht.

Bei einer Entlohnung von 325 Euro oder weniger muss das Unternehmen alle Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Zahlt der Arbeitgeber mehr, teilen sich Unternehmen und Praktikant die Kosten. Den Sonderbeitrag der Versicherten zur KV von 0,9 Prozent muss der Praktikant alleine aufbringen. Ab dem 23. Lebensjahr zahlen Kinderlose darüber hinaus einen Sonderbeitrag von 0,25 Prozent.

 
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c) Pflichtpraktika während des Studiums:
Mit Vergütung: Komplette Versicherungsbefreiung – unabhängig von Entgelthöhe und Arbeitsdauer
Ohne Vergütung: siehe b)

d) Pflichtpraktika nach Studienende:
Zur Anerkennung bestimmter Studienabschlüsse (Lehrer, Ärzte, Juristen) ist eine Praxiszeit nachzuweisen. Hier gelten die Bedingungen von b)

e) Unfallversicherung:
Schüler sind in der Regel über die Schule gesetzlich unfallversichert, nämlich dann, wenn das Praktikum im organisatorischen und inhaltlichen Verantwortungsbereich der Schule liegt. Gleiches gilt für Studierende, die über die (Fach-)Hochschule abgesichert sind. Erhalten diese Studierenden allerdings eine Vergütung, wird das Unternehmen beitragspflichtig.

Ob die Praktikanten im Einzelfall wie Beschäftigte anzusehen sind, muss das Unternehmen klären. Etwaige Beiträge sind vom Unternehmen zu leisten.

f) Anspruch auf Urlaub...
...besteht nicht, ebenso entfällt auch der gesetzliche Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, da Vergütungen von Pflichtpraktika auf freiwilliger Basis geleistet werden können und nicht vorgeschrieben sind.

 
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Im Gegensatz zu Pflichtpraktika sind freiwillige Praktika wie normale Arbeitsverhältnisse bei Studierenden zu sehen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass damit "das Erbringen einer Arbeitsleistung" im Vordergrund stehen muss. Wie auch bei den Pflichtpraktika kann es sich in dem Arbeitsverhältnis primär um den Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen handeln. Die grundsätzliche Arbeitspflicht des Praktikanten bleibt davon unbenommen.

a) Unbezahlte Praktika
Befreiung von der Sozialversicherungspflicht. In der Regel muss der Arbeitgeber jedoch eine Pauschale für die Rentenversicherung entrichten, die sich auf circa 25 Euro pro Monat beläuft.

Laut Berufsbildungsgesetz haben Praktikanten im Rahmen eines freiwilligen Praktikums zwar Anspruch auf eine angemessene Vergütung, die als finanzielle Hilfe zum Bestreiten des Lebensunterhalts zu verstehen ist. Dauert das Praktikum nicht länger als einen Monat oder wird der Praktikant nicht in den Arbeitsprozess eingebunden (passiver Betriebsbesuch), kann die Vergütung entfallen. So sieht es das Berufsbildungsgesetz vor.

b) Monatliche Einkünfte unter 400 Euro
Für die Krankenversicherung wird ein Pauschalbetrag fällig.

c) Monatliche Einkünfte über 400 Euro...
...bei einem Praktikum von mehr als zwei Monaten Dauer und mit mehr als 20 Wochenarbeitsstunden: Es besteht Versicherungspflicht für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung (Letztere gilt nicht für Schüler). Die Beiträge werden wie bei "normalen" Arbeitnehmern abgeführt.

Überwiegt in der Praktikumszeit das Studium, d.h. werden im Rahmen eines Zwischenpraktikums weniger als 20 Wochenarbeitsstunden geleistet, besteht – unabhängig von der Vergütung – weder Sozialversicherungs- noch Beitragspflicht.

d) Unfallversicherung
Es besteht Versicherungspflicht, die Beiträge übernimmt der Arbeitgeber.

e) Haftung für vom Praktikanten verursachte Schäden
Es gilt die Arbeitnehmerhaftung.

f) Urlaub, Krankheit, Kündigung 
Für die Praktikanten besteht Anspruch auf Urlaub und ein Zeugnis sowie auf die allgemeinen Arbeitnehmerrechte (z.B. Lohnfortzahlung bei Krankheit und Urlaub). Ausnahmen gibt es laut Berufsbildungsgesetz nur beim Kündigungsschutz.


Praktikumsvertrag

Der Abschluss eines Praktikumsvertrages wird angeraten. Darin können Zeitraum, Wochenarbeitsstunden, Aufgabenbereiche, erwartete Leistungen sowie Entlohnung festgeschrieben werden. Für Pflichtpraktika ist er in der Regel nicht vorgeschrieben. Bei freiwilligen Praktika wird er empfohlen, um die konkreten Bedingungen eines Praktikums zu fixieren. Auf die schriftliche Niederlegung kann laut Berufsbildungsgesetz aber auch verzichtet werden.

Achtung: Beachten Sie die Sonderregelungen, die sich mit Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes am 1. Januar 2015 ergeben:

Fair Company Service-Paket "Mindestlohn:
>>> Zusätzliches Auskunftsformular für Praktikanten

>>> Juristischer Wegweiser
>>> Checkliste für Arbeitgeber

Besonderheit:
Wenn der Praktikant beabsichtigt, ein vorab definiertes Arbeitsvorhaben zu erledigen (z.B. eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben), oder wenn innerhalb des Praktikums die Möglichkeit besteht, dass der Studierende Vorschläge oder Erfindungen macht, die für das Unternehmen wichtige Verbesserungen bedeuten, so empfiehlt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB-Jugend) folgende Vereinbarung für den Praktikumsvertrag:

Der Praktikant/Die Praktikantin fertigt während seines/ihres Praktikums folgende wissenschaftlich-technische Arbeit an: (Thema der Arbeit)
Für während des Praktikums bei dem Praktikumsbetrieb gemachte Erfindungen und technische Verbesserungsvorschläge gilt das Arbeitnehmererfindungsgesetz mit den ergänzenden Bestimmungen und Regelungen des Urheberrechts-, Patent- und Gebrauchsmustergesetzes. Für während dieser Praktikumszeit gefertigte Arbeiten wird dem Praktikumsbetrieb ein einfaches Nutzungsrecht eingeräumt, soweit sie urheberrechtlich geschützt sind.


Praktikumszeugnis
Ein einfaches Zeugnis gibt Auskunft über Art und Dauer des Praktikums und ist ein Beleg über die geleistete Arbeit. Dieser Nachweis ist vorgeschrieben für Pflichtpraktika.

Ein qualifiziertes Zeugnis gibt darüber hinaus Auskunft über das Arbeitsverhalten, über Sozialkompetenzen und erlernte Fähigkeiten. Es kann sowohl für Pflicht- als auch für freiwillige Praktika ausgestellt werden.


Quellen: Sozialgesetzbuch, DGB, Praktika-Leitfaden des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
 

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