Fair Company | Für Praktikanten Rechte und Pflichten

Praktika gelten als berufliche Tätigkeit und dienen der Berufsfindung und der Berufsbildung. Sie können freiwillig absolviert werden oder müssen im Rahmen der Ausbildung als Pflichtpraktika geleistet werden. Diese Unterscheidung hat Konsequenzen in Sachen Sozialversicherungspflicht, staatlichen Leistungen und im Arbeitsrecht.

Anne Koschik | , aktualisiert


Foto: goodluz/Fotolia


1) Sozialversicherung


>>> Unbezahlte Praktika

Freiwillige Praktika ohne Vergütung unterliegen nicht der Sozialversicherungspflicht.

Laut Berufsbildungsgesetz haben Praktikanten im Rahmen eines freiwilligen Praktikums Anspruch auf eine angemessene Vergütung, die als finanzielle Hilfe zum Bestreiten des Lebensunterhalts zu verstehen ist. Dauert das Praktikum nicht länger als einen Monat oder wird der Praktikant nicht in den Arbeitsprozess eingebunden (passiver Betriebsbesuch), kann die Vergütung entfallen. So sieht es das Berufsbildungsgesetz vor. 

Achtung! Zum 1. Januar 2015 gelten mit Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes neue Regeln für freiwillige Praktika. 

>>> Praktika mit monatlichen Einkünfte unter 400 Euro
Für die Krankenversicherung wird ein Pauschalbetrag fällig.

>>> Praktika mit monatlichen Einkünfte über 400 Euro
Bei diesen Praktika, die außerdem länger als zwei Monaten dauern bei über 20 Wochenarbeitsstunden besteht Versicherungspflicht für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung (Letztere gilt nicht für Schüler). Die Beiträge führen die Unternehmen wie bei "normalen" Arbeitnehmern ab.


2) Unfallversicherung

Es besteht Versicherungspflicht, die Beiträge übernimmt der Arbeitgeber. 


3) Haftung für vom Praktikanten verursachte Schäden

Es gilt die Arbeitnehmerhaftung.


4) Arbeitsrecht

Es besteht Anspruch auf Urlaub und ein Zeugnis sowie auf die allgemeinen Arbeitnehmerrechte (z.B. Lohnfortzahlung bei Krankheit und Urlaub). Ausnahmen gibt es laut Berufsbildungsgesetz nur beim Kündigungsschutz. 


5) Einfluss von Praktika auf staatliche Leistungen

• Das Praktikumsentgelt gilt als Einkommen und hat Einfluss auf Bafög, Kindergeld, Wohngeld, Waisenrente und Einkommensteuer. Die dort geltenden Einkommensgrenzen müssen beachtet werden. 
• Wird das Praktikum während eines Urlaubssemesters absolviert, kann der Anspruch auf Kindergeld gänzlich entfallen.


Foto: goodluz/Fotolia

Diese Form der Praktika ist in den Studienordnungen der allgemeinbildenden, beruflichen oder akademischen Bildungsgänge beschrieben. Ihre Dauer ist dort festgelegt. Ein gesetzlicher Vergütungsanspruch besteht nicht.

1) Sozialversicherungspflicht

a) Bei Pflichtpraktika während der Schulzeit
Schüler sind von der Sozialversicherungspflicht befreit. Die Krankenversicherung wird über die Familienversicherung abgedeckt.

b) Bei Pflichtpraktika vor Studienbeginn
Kranken- und Pflegeversicherung: Praktikanten, die jünger als 25 Jahre alt sind und keine Vergütung erhalten, sind in der Regel über die Familienversicherung abgedeckt. Gibt es diese nicht, muss sich der Studierende in spe pflichtversichern, zahlt aber nur den Studierendenbeitrag (64,77 Euro plus 11,64 Euro für die Pflegeversichung bei unter 23-Jährigen bzw. 13,13 Euro bei über 23-Jährigen).

Außerdem besteht Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht. Diese Beiträge zahlt allein der Arbeitgeber.

Praktikanten, die ein Entgelt erhalten, sind als Beschäftigte in der Berufsausbildung sozialversicherungspflichtig (Kranken-, Pflege, Arbeitslosen- und Rentenversicherung). Die Regelung zur Versicherungsfreiheit wegen geringfügiger Beschäftigung zieht hier also nicht. Bei einer Entlohnung von 325 Euro oder weniger muss das Unternehmen alle Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Zahlt der Arbeitgeber eine höhere Vergütung, teilen sich Unternehmen und Praktikant die Kosten. Den Sonderbeitrag der Versicherten zur KV von 0,9 Prozent muss der Praktikant alleine aufbringen. Ab dem 23. Lebensjahr zahlen Kinderlose darüber hinaus einen Sonderbeitrag von 0,25 Prozent.

Bafög-Anspruch besteht, wenn ein dem Studium vorgelagertes Praktikum zwingend erforderlich ist. Erhält der Praktikant eine Vergütung, wird diese auf den Bedarf angerechnet und der Bafögbetrag sinkt. Das Bafög ist am Hochschulort zu beantragen.

c) Während des Studiums
Mit Vergütung: Komplette Versicherungsbefreiung – unabhängig von Entgelthöhe und Arbeitsdauer

Ohne Vergütung: siehe b)

d) Pflichtpraktika nach Studienende
Zur Anerkennung bestimmter Studienabschlüsse (Lehrer, Ärzte, Juristen) ist eine Praxiszeit nachzuweisen. Hier gelten die Bedingungen von b)

2) Unfallversicherung

Schüler sind in der Regel über die Schule gesetzlich unfallversichert, nämlich dann, wenn das Praktikum im organisatorischen und inhaltlichen Verantwortungsbereich der Schule liegt. Gleiches gilt für Studierende, die über die (Fach-)Hochschule abgesichert sind. Erhalten diese Studierenden allerdings eine Vergütung, wird das Unternehmen versicherungspflichtig.

Ob die Praktikanten im Einzelfall wie Beschäftigte anzusehen sind, muss das Unternehmen klären. Etwaige Beiträge sind vom Unternehmen zu leisten.

3) Urlaub und Krankheit

Anspruch auf Urlaub besteht nicht, ebenso entfällt auch der gesetzliche Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, da Vergütungen von Pflichtpraktika auf freiwilliger Basis geleistet werden können und nicht vorgeschrieben sind.


Foto: goodluz/Fotolia

Praktikumsvertrag

Das Bundesarbeitsministerium rät dazu, einen Praktikumsvertrag abzuschließen. Aus ihm können Praktikanten deutlich den Zeitraum ihres Einsatzes, die Wochenarbeitsstunden, Aufgabenbereiche, erwartete Leistungen und die Entlohnung ablesen.

Vorgeschrieben ist die schriftliche Fixierung des Praktikumsverhältnisses weder für Pflichtpraktika noch für freiwillige Praktika. Auf sie kann laut Berufsbildungsgesetz verzichtet werden.

Besonderheit:
Wenn der Praktikant beabsichtigt, ein vorab definiertes Arbeitsvorhaben zu erledigen (z.B. eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben), oder wenn innerhalb des Praktikums die Möglichkeit besteht, dass der Studierende Vorschläge oder Erfindungen macht, die für das Unternehmen wichtige Verbesserungen bedeuten, so empfiehlt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB-Jugend) folgende Vereinbarung für den Praktikumsvertrag:

Der Praktikant/Die Praktikantin fertigt während ihres/seines Praktikums folgende wissenschaftlich-technische Arbeit an: (Thema der Arbeit)
Für während des Praktikums bei dem Praktikumsbetrieb gemachte Erfindungen und technische Verbesserungsvorschläge gilt das Arbeitnehmererfindungsgesetz mit den ergänzenden Bestimmungen und Regelungen des Urheberrechts-, Patent- und Gebrauchsmustergesetzes. Für während dieser Praktikumszeit gefertigte Arbeiten wird dem Praktikumsbetrieb ein einfaches Nutzungsrecht eingeräumt, soweit sie urheberrechtlich geschützt sind.

Praktikumszeugnis

Ein einfaches Zeugnis beschreibt Art und Dauer des Praktikums und ist ein Beleg über die geleistete Arbeit. Dieser Nachweis ist vorgeschrieben für Pflichtpraktika. 

Ein qualifiziertes Zeugnis gibt darüber hinaus Auskunft über das Arbeitsverhalten, über Sozialkompetenzen und erlernte Fähigkeiten des Praktikanten. Es kann sowohl für Pflicht- als auch für freiwillige Praktika ausgestellt werden.

(Quellen: Sozialgesetzbuch, DGB, Praktika-Leitfaden des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales)

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...