Fach- und Führungskäfte Arbeit in China: Uncle Hu wants you

Sowohl die chinesische Regierung als auch ausländische Firmen haben Bedarf an Fach- und Führungskräften aus dem Ausland. Doch es geht nicht nur um Arbeit - viele kommen, um zu bleiben.

Kirstin von Elm | , aktualisiert

Nudelsuppe statt Butterbrot und Karaoke-Bar statt Biergarten - wer Lust auf Exotik hat, dem bieten sich in China berufliche Chancen. Gerade wurde unter Regierungschef Hu Jingtao das "Nationale Programm für die mittel- und langfristige Personalentwicklung" beschlossen. Damit sollen rund 2 000 im Ausland ausgebildete Chinesen und westliche Fachkräfte angeworben werden.

"Die chinesische Regierung sucht gezielt gut ausgebildete ausländische Arbeitskräfte, weil das angestrebte Wirtschaftswachstum nicht allein mit einheimischem Personal erzielt werden kann", sagt Andreas Opitz, Geschäftsführer des Bundes der Auslands-Erwerbstätigen (BDAE). Denn bald schon soll die Volksrepublik zur zweitgrößten Ökonomie der Erde hinter den USA aufrücken; schon jetzt ist das Riesenreich mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern die umsatzstärkste Maschinenbaunation und der weltgrößte Automarkt.

Fördern statt gängeln

Ausländer sollen künftig von langfristigen Aufenthaltsgenehmigungen und Steueranreizen sowie durch mehr Unterstützung für ihre Familien profitieren, die sich bislang oft wie im Ghetto oder von den Staatsdienern gegängelt fühlen. Beste Einstiegschancen haben Projekt- und Qualitätsmanager, Produktionsleiter oder Vertriebsprofis aus Fahrzeug-, Anlagen- und Maschinenbau sowie aus Umwelt-, Medizin- und Energietechnik.

Da sich gleichzeitig immer mehr deutsche und westliche Firmen in China ansiedeln, die ebenfalls händeringend versierte Kräfte suchen, haben zum Beispiel Ingenieure die Qual der Wahl beim Surfen durch die Stellenbörse der deutsch-chinesischen Außenhandelskammer: Soll es ein Posten bei Conti, ThyssenKrupp oder Volkswagen sein oder lieber beim chinesischen Telekommunikationsmulti Huawei oder dem Solartechnologieriesen Himin Solar? Allein die Zahl deutscher Unternehmen in China liegt schon bei über 3 700 und gerade erst hat die Expo einen neuen Schwung ins Land gebracht. Sie alle suchen qualifiziertes Personal - vorzugsweise mit deutscher Arbeitsmoral und chinesischen Sprachkenntnissen.

Schon halten Wirtschaftsregionen Ausschau nach Verstärkung. So offeriert das Industriezentrum Ningbo über die Bundesarbeitsagentur freie Positionen. Ein Treffen von 20 deutschen Bewerbern mit chinesischen Arbeitgebern hat Jun Zuo, Inhaber der Aachener Agentur Chima, jüngst in Köln arrangiert. Zuo, der im Regierungsauftrag chinesische Reisegruppen betreut, sagt über die Einstellungspraxis seiner Landsleute: "Chinesische Unternehmen arbeiten lieber mit staatlichen Partnern zusammen und nicht mit privaten Personalvermittlern wie in Europa."

Denn gute Kontakte - Guanxi - sind das wichtigste Gut im China-Geschäft. Das weiß auch Eugen-Carsten Rothermel. Der 37-jährige Rheinland-Pfälzer kam als Student in das Reich der Mitte, heute leitet der Diplom-Betriebswirt in Shanghai das wachsende China-Geschäft des holländischen Chemikalien-Händlers IMCD. Als er 2000 bei der Fernost Handels- und Beratungsgesellschaft in Schanghai einstieg, wollte er nur drei Jahre bleiben, doch dann warb ihn ein Kunde ab und seine Karriere verlief so gut, dass er blieb.

Ohne Vitamin B läuft nichts

Vom Praktikum bis zum Geschäftsführer-Posten hat Rothermel seine Stellen über sein persönliches Netzwerk gefunden. "Die Jobfluktuation ist hoch, drei Jahre auf demselben Posten gelten als lang", sagt Rothermel, der fließend Chinesisch sprich. "Beziehungen bei der Jobsuche einzusetzen, ist in Deutschland verpönt. Das riecht nach Vetternwirtschaft und Küngelei", sagt er. In China dagegen laufe ohne Vitamin B nichts.

Kontakt knüpfen für die Karriere lässt sich zum Beispiel bei den Festen der deutschen Gemeinschaft - beim Karneval der Botschaft oder dem Weihnachtsmarkt der Außenhandelskammer. Bei Glühwein und Lebkuchen hat auch Florian Krauthoff seinen Chef kennengelernt. Nach seinem Abschluss in Wirtschaftschinesisch und Internationaler Unternehmensführung arbeitet der 26-Jährige seit August 2009 als Assistent des deutschen Geschäftsführers bei Ameco in Peking. Das Unternehmen von Air China und Lufthansa ist der größte Instandhaltungsbetrieb für Flugzeuge in China. "Der deutsche Arbeitsvertrag und die Rückkehr-Option waren mir sehr wichtig", sagt Florian Krauthoff. Gegen das Heimweh fliegt er zweimal jährlich nach Hause. "Nach einer Woche Deutschland weiß ich aber, dass ich zuhause nichts verpasse."

Das sagen sich immer mehr entsandte Deutsche. Auch Eugen-Carsten Rothermel gehört zu denjenigen, die ihre Zukunft dauerhaft in der aufstrebenden Wirtschaftsnation sehen. Das ist für Christian Sommer nicht verwunderlich. Denn "gute Karrierechancen und sichere Arbeitsplätze gibt es in China ebenso wie in Deutschland", sagt der Jurist aus Kiel. Er leitet das German Center in Shanghai, das Mittelständlern den Weg in die Volksrepublik ebnet. Für Deutschland-Rückkehrer sei eine adäquate Position in der Zentrale aber nicht mehr garantiert.

Der Trend zu bleiben wird auch beim Rundgang durch die deutsche Schule in Shanghai sichtbar: Nicht nur, dass sich die Schülerzahl in den letzten zehn Jahren von knapp 200 auf über 1 000 verfünffacht hat.

In den unteren Jahrgängen stammt bereits über die Hälfte der Kinder aus deutsch-chinesischen Beziehungen. "Viele meiner Freunde haben hier eine Familie gegründet", sagt auch Carsten-Eugen Rothermel, der mit seiner deutschen Frau selbst einen einjährigen Sohn hat. Den Entschluss sesshaft zu werden fällen Deutsche inzwischen sogar, wenn es bedeutet, den luxuriösen Arbeitsvertrag samt Auslandszulage und Rückkehrgarantie zu kündigen. Laut einer Studie der Personalberatung Hewitt hat bereits mehr als jeder zweite, bei einer westlichen Firma beschäftigte Ausländer seinen Vertrag in China unterschrieben - vor fünf Jahren betrug der Anteil dieser "China Hires" erst ein Viertel.

Gehälter ziehen an

Ein Grund dafür ist, dass die vor Ort ausgehandelten Gehälter anziehen. Im Schnitt verdient eine mittlere Führungskraft aus dem westlichen Ausland knapp 129 500 Dollar - ein im Ausland ausgebildeter Chinese dagegen nur 81 800 Dollar. "Schlüsselpositionen wie Geschäftsführer, Finanzchef, Qualitäts- oder Entwicklungsleiter werden von westlichen Firmen nach wie vor meist mit Gefolgsleuten aus der Heimat besetzt", sagt Hewitt-Experte Marco Reiners.

Doch sie zuhause loszueisen ist schwierig. Die Vorurteile gegenüber China wie "Masse Mensch, gesteuert von roten Kadern" halten sich hartnäckig. Und auch die kulturellen Differenzen beschränken sich nicht auf unterschiedliche Essgewohnheiten oder Feierabend-Gestaltung. China-Koller? "Den kriegt jeder Ausländer mal - aber das geht auch wieder vorbei", sagt Rothermel. Daran gewöhnt man sich offenbar wie an Nudeln in der Frühstückssuppe.

STELLENMARKT

Die Chinesische Außenhandelskammer listet Stellenangebote deutscher, internationaler und chinesischer Unternehmen unter http://china.ahk.de auf

Staatliche Jobbörse, die Vakanzen in China für Ausländer anzeigt, findet sich unter www.chinajob.com

Private chinesische Stellenbörse unter www.chinaHR.com/english

Die deutsche Bundesagentur für Arbeit bietet vakante Stellen in China unter http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Verzeichnis deutscher Firmen in China mit Ansprechpartner unter www.germancentre.com

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