Facebook-Nutzung Neidisch auf das Image des Anderen

Eine neue US-Studie zeigt: Wer bei Facebook zu viele Unbekannte als Freund hinzufügt, macht sich selbst unglücklich – weil er fälschlicherweise davon ausgeht, dass seine Kontakte ein glücklicheres Leben führen.

Daniel Rettig, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: James Peragine/Fotolia

Negativ fürs Seelenheil

Den meisten Menschen ist es wichtig, was andere von ihnen halten – nicht nur im vermeintlich "wahren" Leben, sondern auch bei Facebook. Der eine denkt darüber nach, wen er als Freund hinzufügt, wie er seine Status-Updates formuliert oder was in seinem Profil steht.

Der Sinn der Sache: Man will seinen Freunden und Bekannten gefallen, oder irgendein Image transportieren, sei es als Casanova, Klassenclown oder Küchenphilosoph.

Das Problem ist nur: Unsere Freunde und Bekannten verfolgen dieselbe Strategie – und das wiederum kann sich negativ auf unser Seelenheil auswirken.

Mehr Face, mehr Glück?

Häufiges Facebooken kann nämlich unglücklich machen. Zu diesem Ergebnis kommen Grace Chou und Nicholas Edge von der Utah Valley Universität in einer neuen Studie.

425 Studenten beantworteten darin Fragen zu ihrer Lebenseinstellung: Glaubten sie, dass ihre Freunde glücklicher waren als sie selbst? Dass die ein besseres Leben führten? Dass das Leben gerecht sei? Zum anderen fragte Chou nach den Lebensumständen: Waren die Probanden ledig oder verheiratet? Waren sie religiös?


Foto: James Peragine/Fotolia

Außerdem sollten sie Angaben zu ihrer Facebook-Nutzung machen: Seit wann nutzten sie das Netzwerk? Wie viel Zeit verbrachten sie dort täglich? Wie viele Freunde hatten sie?

Etwa 95 Prozent der Befragten waren Mitglied bei Facebook, im Schnitt hielten sie sich dort knapp fünf Stunden pro Woche.

Nun berechnete Chou den Zusammenhang zwischen der wöchentlichen Facebook-Nutzung und der Lebenseinstellung. Und dabei bemerkte sie: Je länger die Studenten Facebook nutzten und je mehr Zeit sie dort verbrachten, desto stärker gingen sie davon aus, dass andere Menschen glücklicher waren und ein besseres Leben führten – und dass das Leben ohnehin nicht gerecht sei.

Überdosis Kontakte

Mehr noch: Dieses Gefühl war umso stärker, je mehr Menschen sie als Facebook-Freunde hatten, die sie im wahren Leben noch nie gesehen hatten.

Eine Überdosis Facebook-Kontakte kann sich also negativ auf unsere Stimmung auswirken. Wir bilden uns ein, schlechter dran zu sein als unsere digitalen Freunde, und werden unglücklich.


Foto: James Peragine/Fotolia

Wie kommt das? Dafür verantwortlich sind laut Chou so genannte Heuristiken. Dahinter verbergen sich gedankliche Prozesse, die uns eigentlich dabei helfen sollen, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen oder eine Meinung zu bilden.

Doch nicht selten führen diese Heuristiken in die Irre. Da wäre zum einen die Verfügbarkeitsheuristik (availability heuristic). Vereinfacht gesagt: Bei Facebook haben wir häufig mehr Freunde als im wahren Leben.

Dennoch wollen wir uns über diese Masse einen Eindruck bilden – und dabei greifen wir zwangsläufig auf jene Informationen zurück, die diese Personen bei Facebook hinterlassen. Diese Informationen jedoch sind, wie bereits erwähnt, zumeist positiv.

Digitaler Zeuge von Lebensfreude

Der eine postet Urlaubsfotos, der andere Bilder der letzten Party.

Und wer ständig digitaler Zeuge dieser Lebensfreude wird, der bildet sich irgendwann ein, dass ebenjene Personen ein schönes Leben führen – anders als man selbst.


Foto: James Peragine/Fotolia

Zum anderen spielt auch der Attributionsfehler (correspondence bias) eine Rolle In Kurzform: Häufig davon wir fälschlicherweise davon aus, dass die Worte und Taten einer Person ihre tatsächliche Persönlichkeit reflektieren.

Wer also die glücklichen Urlaubsfotos eines Facebook-Freundes sieht, nimmt an, dass der- oder diejenige auch wirklich glücklich ist.

"Der Attributionsfehler ist umso wahrscheinlicher, je mehr seiner Facebook-Kontakte man im wahren Leben noch nie gesehen hat", sagt Grace Chou.

Späte Erkenntnis

Bei echten Freunden tappe man seltener in diese gedankliche Falle.

Bei ihnen beachte man auch die äußeren Faktoren, nämlich dass Glück immer nur eine Momentaufnahme sei – erst recht auf Facebook.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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