Exklusiv und verschwiegen Treffpunkte der Macht

Einfliegen, vorsprechen, abreisen – deutsche Unternehmenschefs halten in ihren Dependancen Kontakt zur Politik. Für diskrete Treffen haben sie nirgends in Deutschland so viel Auswahl wie in der Hauptstadt.

Henning Krumrey, Max Haerder, Cordula Tutt | wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Adlon

Vertrautes Gespräch beim Lunch

Bei niedrigem Blutzuckerspiegel fallen Entscheidungen kurzfristig aus, wollen Wissenschaftler herausgefunden haben. Ohne Hungergefühl kann sich der Kopf auf das Wesentliche konzentrieren. Nur ein Grund, warum das vertraute Gespräch beim Lunch erfolgversprechender sein kann als in einem Besprechungsraum.

Aber wer trifft sich wo in Deutschland? Und warum?

Wer an der Spree die Treffpunkte der Einflussreichen sucht, trifft immer auch auf Politik. Mangels unternehmerischer Schaltstellen konzentriert sich die Macht auf Regierung, Abgeordnete, hohe Ministerialbeamte. Wer in die Hauptstadt kommt, möchte diese Entscheider treffen – mal offiziell bei Gipfeln und Kongressen, mal verschwiegen in Hinterzimmern.

Erst seit wenigen Jahren treffen sich auch Manager untereinander für Vertragsverhandlungen in der deutschen Metropole, deren Anziehungskraft wächst.

Firmenrepräsentanzen sind beliebter Treffpunkt

Unternehmer und Vorstände nutzen dazu vor allem die eigenen Firmenrepräsentanzen, die inzwischen nicht nur Konzerne, sondern auch Familienunternehmen in der Hauptstadt unterhalten. In eigenen Räumen – vom nüchternen Besprechungssaal bis zur gemütlichen Lounge – ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, gesehen zu werden.

Manche Unternehmen, wie die Deutsche Bank oder der Energieversorger EnBW, leisten sich gar fulminante Dachgärten mit Blick über Regierungsviertel und Stadt. Die Commerzbank ist stolz auf ihr historisierendes Gebäude, das dem Brandenburger Tor benachbart ist; sie hat es nicht nötig, anderswohin auszuweichen.


Foto: Adlon

Repräsentieren in herausragendem Ambiente

Kontaktpflege zur Politik ist Trumpf, direkt oder indirekt. So lädt Daimler-Chef Dieter Zetsche bisweilen Parlamentarier in die Konzernrepräsentanz im ehemaligen Weinhaus Huth ein. Und Bayerns Ex-Finanzminister Georg Fahrenschon empfing die Kollegen der unionsregierten Bundesländer und den Bundes-Kassenwart Wolfgang Schäuble nicht in der Landesvertretung des Freistaates, sondern in der BMW-Repräsentanz unter den Linden. Er wollte bei der Gelegenheit ein bayrisches Vorzeigeunternehmen präsentieren.

Wer für seine Verhandlungen neutralen Boden sucht, geht in die großen Hotels. Wie vieles in der Stadt ist auch das bekannteste ein Imitat. Das Adlon steht am Pariser Platz zwar an historischer Stelle, ist aber ein Nachbau der ursprünglichen Nobelherberge. Wer es ganz verschwiegen mag, geht hinters Haus: Dort liegt der Eingang zum exklusiven China Club.

Die Hauptstadt der kurzen Wege konzentriert sich auf die neue Mitte. "In der Berliner Anfangszeit dachten wir, die Veranstaltungen verteilen sich über die Stadt", sagt der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs, Schatzmeister der Parlamentarischen Gesellschaft.

Intime und öffentliche Schau-Plätze

Für seine Kollegen mit eng getakteten Terminen ist es anders gekommen. "Vielen ist schon der Weg ins Adlon zu weit." Wer wirklich Wichtiges will, meidet die meistgenannten Restaurants.

Für diskrete Treffen völlig ungeeignet sind inzwischen das Borchardt und das Einstein, seit die Promi-Kantine und der Linden-Laufsteg in Reiseführern als Schau-Plätze angepriesen werden. Zudem sind die Tische zur Umsatzsteigerung so eng gestellt, dass die Ohrmuschel des Nachbarn auf dem Salatteller zu liegen scheint.

Als In-Restaurant triumphiert nun das Grill Royal. Es verspricht mehr Intimität, schon weil die Preise Touristenströme abschrecken.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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