European Business School "Ich stehe für einen Kulturwandel"

Seit Juni ist Rolf Cremer Präsident der EBS Universität in Wiesbaden, die 2011 vor allem durch Skandale auffiel. Im Interview erklärt er, wie er Vertrauen und Glaubwürdigkeit in der Hochschule wieder herstellen und somit ihren Ruf retten will.

Interview: Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: Nikolai Sorokin/Fotolia

Lädiertes Image der EBS

Ein Traumstart hätte für Rolf Cremer, Präsident der privaten EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden, anders ausgesehen. Ursprünglich sollte er mit seinem Vorgänger Christopher Jahns eine Doppelspitze bilden.

Stattdessen muss Cremer seit Juni vergangenen Jahres die Hochschule alleine führen – und allerlei Vorwürfe bekämpfen, die seinem Vorgänger und der Hochschule gemacht werden.

Jahns selbst wurde entlassen: Gegen ihn besteht ein Untreue-Verdacht, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die EBS und Jahns haben zwar mittlerweile einen Vergleich geschlossen. Doch die Querelen gehen weiter.

Anfang September forderte das Land Hessen fast eine Million Euro Fördergelder zurück, im November stoppte die Deutsche Post zugesagte Gelder.


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Herr Cremer, zu beneiden sind Sie mit dem Job nicht.

Es ist in der Tat ein schweres Erbe, das ich hier angetreten habe. Aber dennoch kann man mich um den Job beneiden. Für mich liegt ein großer Reiz darin, eine Universität zu führen, die solch eine Tradition, Stärke und Reputation hat wie die EBS.

Ein Ruf, der durch die Jahns-Affäre sehr gelitten hat.

Ich habe die EBS von meinem Vorgänger in einem Zustand übernommen, in dem man eine Hochschule eigentlich nicht übernehmen möchte. Die Trennung von Christopher Jahns war richtig und gut für die EBS. 

Ist der Image-Schaden überhaupt reparabel? 

Ein klares Ja. Der Schaden ist begrenzt, wie bei einem Haus, das einen Wassereinbruch hatte. Das starke Fundament ist ja noch immer intakt, auch wenn das Haus an wesentlichen Ecken renoviert werden muss. Hier ist in den vergangenen sechs Monaten schon viel passiert. 

Bisher ist davon nicht viel zu merken. 

Ich bin nicht der Typ für Paukenschläge, sondern bevorzuge die leisen Töne. Niemand sollte dies als fehlenden Veränderungswillen missinterpretieren. Ich stehe für einen Kulturwandel an der EBS. Wir sind dabei, eine eindeutige Abgrenzung zu dem herzustellen, was vorher war. Es ist klar, dass sich viel ändern muss. Wir werden Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Transparenz schaffen. 


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Die GovernanceProbleme wollen Sie mithilfe einer Kommission lösen. Wie weit ist die gekommen? 

Die Kommission hat Empfehlungen ausgesprochen und wir haben begonnen, diese umzusetzen. Als ersten Schritt haben wir unser Kontrollsystem verbessert: Kein Geschäftsführer kann künftig allein Beschaffungen anordnen, die Rechnungen müssen zwei unabhängige Geschäftsführer unterzeichnen und wer das Unterschriftsrecht hat, muss schriftlich erklären, mit welchen ihm nahestehenden Personen die EBS eine geschäftliche Beziehung hat. 

Großer Kritikpunkt sind aber die Verflechtungen bei Ihrer Weiterbildungstochter und deren Dienstleistern. Diese werden von Professoren der EBS oder deren Ehefrauen geführt und haben langfristige Exklusivverträge mit der Hochschule. 

Die EBS ist in der Vergangenheit nicht immer ihren eigenen Grundsätzen gerecht geworden. Das bedaure ich, auch wenn ich es nicht zu verantworten habe. Die neue Führung der Universität hat aus den früheren Fehlern gelernt und wir sind dabei, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Struktur der Weiterbildung muss grundlegend reformiert werden. 

Das dürfte schwer sein, weil einige der betroffenen Professoren Kontroll- oder Führungsfunktionen an der EBS haben. 

Dass wir etwas ändern müssen, haben alle verstanden. Allen Professoren ist selbstverständlich daran gelegen, an einer Hochschule zu lehren und zu forschen, deren Governance-Strukturen transparent und zukunftsfähig sind. Diese zu schaffen hat für mich oberste Priorität. Ich möchte auf Details nicht eingehen, solange die Tinte nicht trocken ist. Aber glauben Sie mir, ich werde dafür sorgen, dass die Tinte trocken wird. 

Wann? 

Sagen wir es so: Ich werde auch daran gemessen, was ich bis Juni, wenn ich ein Jahr im Amt bin, erreicht habe. 


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Die Weiterbildung ist ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells der EBS. Ist der Umsatz wegen der Affäre eingebrochen? 

Wir haben unsere Ziele in der Weiterbildung 2011 voll erreicht. Der Bereich trägt 15 bis 20 Prozent zum Gesamthaushalt von etwa 35 Millionen Euro bei. Langfristig können wir uns hier deutlich steigern. 

Bisher ziehen Sie wenig Gewinn aus der Weiterbildung, im Jahr 2009 laut der veröffentlichten Bilanz nicht einmal 3000 Euro. Der größte Teil bleibt also bei den Dienstleistern und damit bei den genannten Professoren. 

Daran arbeiten wir – mit Erfolg. 2011 haben wir in der Weiterbildung nach vorläufigen Zahlen einen Gewinn im deutlich sechsstelligen Bereich erzielt. Aus der Weiterbildung wollen wir einen Deckungsbeitrag von 15 bis 20 Prozent erzielen. Da sind wir noch nicht, das halte ich aber für möglich. 

Eine Gruppe von Absolventen um Peter Rasenberger will einen Millionenbetrag in die Universität investieren. Wie viel genau? 

Wir reden hier über eine erhebliche Kapitalerhöhung. 


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Warum stockt das Vorhaben? Es wurde ja schon im Herbst 2011 bekannt. 

Es stockt nicht. Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Stiftungsvorstand haben die Idee im Kern positiv aufgenommen. Neue Ideen benötigen allerdings immer ein festes, umsichtig ausgearbeitetes Rahmenwerk, um zu funktionieren. Die Alumni wollen nicht nur Geld geben, sondern auch mitwirken... 

...einen Platz im Aufsichtsrat und Gesellschaftsanteile? 

Das diskutieren wir intern. Und dabei sind eine Reihe rechtlicher Aspekte zu beachten. So etwas macht man nicht von heute auf morgen. 

Wie dringend braucht die EBS das Geld? 

Wir sind völlig solide aufgestellt und brauchen das Geld nicht, um den Haushalt auszugleichen, sondern als strategischen Wachstumsbeschleuniger. Ohne die Initiative von Herrn Rasenberger würden wir natürlich auch weiter wachsen, aber eben nicht so schnell, wie wir das mit zusätzlichen Mitteln können. 


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Aber die EBS schrieb in den vergangenen Jahren auch Verluste. 

Zunächst: Die EBS ist eine gemeinnützige Organisation. Das heißt, wir können und dürfen dauerhaft keinen Gewinn machen. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Sofern Verluste angefallen sind, haben wir diese aus Rücklagen ausgeglichen. Bedenken Sie, dass wir in den Aufbau der Universität und der juristischen Fakultät auch eigenes Geld investiert haben. Für dieses Jahr erwarten wir ein positives Ergebnis. 

Die EBS hat in den vergangenen Jahren einige spezialisierte MBA-Programme entwickelt, die mit 10 oder 20 Studenten sehr klein sind. Es heißt, dass Sie einen Teil davon aufgeben wollen. 

Wir haben kein Programm geschlossen. Die EBS orientiert sich an den internationalen Business-Schools, wir wollen ja unter die besten 100 der Welt kommen und da ist der MBA nun einmal Standard. Wir überlegen aktuell, ob wir beim MBA mehr in Richtung generelles Managementwissen gehen. 

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