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European Business School Abwärtsspirale für EBS

Fragwürdige Buchhaltungspraktiken und interne Hahnenkämpfe treiben die einstige Vorzeige-Privathochschule EBS an den Rand des Ruins. Brisante Dokumente zeigen das ganze Ausmaß.

Christian Schlesiger, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: W. Scott/Fotolia

Alumni erwerben Uni-Anteile

Das Angebot schlug auf dem Campus in Oestrich-Winkel ein wie eine Bombe: Einen höheren einstelligen Millionenbetrag wolle er in seine frühere Ausbildungsstätte investieren, teilte Peter Rasenberger dem Stiftungsvorstand der European Business School (EBS) mit.

Kein selbstloses Unterfangen: Unternehmensberater Rasenberger ist Kopf einer Gruppe von Alumni, die mit privatem Geld Uni-Anteile erwerben will. Zwar seien noch rechtliche Fragen offen, sagt EBS-Geschäftsführer Rolf Tilmes. "Im Grundsatz ist man sich im Vorstand aber einig, das Angebot zu unterstützen."

Dass sich Ex-Studenten in dieser Größenordnung an ihrer alten Alma Mater beteiligen, wäre ein Novum in Deutschland – für die EBS aber überlebenswichtig. Seit Monaten kämpft die Privat-Uni mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten – eine Situation, die sie auch selbst zu verantworten hat.

Selbstverschuldete Probleme

Die Buchhaltung versagte, die Bewerbung um internationale Gütesiegel stockt. Vorwürfe gegen Ex-EBS-Präsident Christopher Jahns ruinieren den Ruf, gestandene Professoren überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen.

Die EBS steht vor schweren Zeiten – intime Kenner der Materie sagen: vor dem Abgrund. Nun sind neue Vorwürfe und Unterlagen aufgetaucht, die die Corporate-Governance-Praxis der privaten Hochschule in Frage stellen.


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Ex-Präsident im Visier

Im Fokus: Ex-Präsident Jahns. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden seit April wegen Untreue. Ein Haftbefehl führte im Frühjahr erst zu seiner fristlosen Kündigung, später einigte sich die EBS mit Jahns auf einen Vergleich.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft aber haben Bestand: Laut Haftbefehl soll Jahns, der sich einmal wöchentlich bei der Polizei melden muss, "seine beherrschende Stellung" an der Hochschule ausgenutzt haben, um "durch Vorlage von Rechnungen seiner BrainNet-Gruppe an die EBS Gelder aus der privaten Hochschule zu ziehen und sie seiner Firmengruppe in der Schweiz zugutekommen zu lassen".

Rechnungen, denen "keine tatsächlich erbrachten Leistungen der BrainNet-Gruppe an die EBS zugrunde lagen". Der EBS sei damit "ein Gesamtschaden in Höhe von 180.000 Euro entstanden".

Fragwürdige Geschäftspraktiken

Jahns’ Anwalt Alfred Dierlamm sagt, "dass diesen Rechnungen werthaltige Beratungsleistungen von BrainNet zugrunde lagen, die – nach üblichen Marktgegebenheiten bewertet – einen Wert von mindestens 409.000 Euro hatten. Eine Schädigung der EBS durch diese Rechnungen hat zu keiner Zeit stattgefunden."

Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, lassen aber auf fragwürdige Geschäftspraktiken schließen. Demnach wollte Jahns wohl Beträge abrechnen, die deutlich höher sind als bisher bekannt – mit Firmen, an denen er beteiligt war. Im Mittelpunkt steht eine E-Mail von Jahns an einen ehemaligen kaufmännischen Leiter von Oktober 2010, in der es um die Zukunft des Supply Chain Management Institute (SMI) der EBS geht.


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400.000 Euro für "Beratungsleistungen"

Das SMI wurde seit 2004 als wissenschaftliches Institut für Einkauf und Logistik aufgebaut und gilt inzwischen als Aushängeschild, mit Präsenzen in China, Indien und Russland. Jahns, das legt die E-Mail nahe, wollte das SMI nutzen, um ältere Leistungen abzurechnen, die Firmen, an denen er beteiligt war, zwischen 2004 und 2008 erbracht hatten.

So stellt Jahns in seiner E-Mail dem EBS-Management einen Zahlungsplan für die Jahre 2011 bis 2015 auf, der Zahlungen von rund 540.000 Euro vorsah. Laut E-Mail sollten hohe Beträge über die Schweizer Unternehmen Supply Chain Management SMI International (SMII) und The Logistics Consulting Company (LCC) abgewickelt werden, an denen Jahns beteiligt war.

Für das SMII sollten "per anno in Höhe von 82.911 Euro an die EBS gGmbH SMI Research Kostenstelle in Rechnung gestellt" werden – knapp 415.000 Euro bis 2015, begründet mit "Beratungsleistungen Ausland" oder "Angebotserstellung".

Fehlende Belege

An LCC sollte die EBS bis 2013 pro Jahr 41.900 Euro überweisen – "hier ebenso Beratungsleistungen als Ausweis vermerken", heißt es in der E-Mail. Zwar sei richtig, so Jahns-Anwalt Dierlamm, dass Jahns ab 2004 erhebliche Investitionen für das SMI erbracht habe. "Es war aber zu keiner Zeit geplant, diese Investitionen ganz oder zum Teil durch 'Scheinrechnungen' zurückzuführen." Den Rechnungen lägen "werthaltige Leistungen" zugrunde.

Doch an den behaupteten Leistungen gibt es Zweifel. Jahns verweist auf Kosten beim Aufbau des SMI in den Jahren 2004 bis 2008 wie Junior-Professoren-Gehälter und Marketingbudgets, die seine Beratungen übernommen hätten. Doch Belege und Verträge fehlen.


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Interna und Intrigen

Im Frühjahr 2011 teilt Jahns der EBS mit, dass Forderungen aus den Jahren 2004 bis 2008 nicht bestünden. Unabhängig davon gibt der Zahlungsplan auch Einblick in das Selbstverständnis, mit dem Jahns sein Amt als Präsident der EBS bekleidete. Das aber mit Jahns’ öffentlichen Äußerungen nicht vereinbar scheint. Im Interview mit der WirtschaftsWoche Ende 2009 stellte er fest, bei Managern sei die Ethik in den "vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen".

Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hält Jahns für eine Intrige mehrerer Uni-Mitarbeiter. Unterlagen seien gestreut worden, um ihn zu stürzen, heißt es von Jahns’ Anwälten. Doch an der Version gibt es Zweifel.

Bei der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden ging im Sommer eine Strafanzeige eines Kölner Anwalts gegen mutmaßliche Intriganten ein. Der Jurist lehnte auf Anfrage zu Motiven dieser Anzeige eine Stellungnahme ab. Inzwischen stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen endgültig ein.

"Jahns ist die EBS"

Ein Rückschlag für Jahns, der die EBS wie kein anderer prägte. Er überzeugte Unternehmen wie Deutsche Post, EADS und BMW, Lehrstühle mit Millionenbeträgen zu sponsern. Laut Sitzungsprotokoll einer Uni-Konferenz von Februar 2011 mit 22 Teilnehmern, in der die Untreue-Vorwürfe erstmalig diskutiert wurden, hofierten einige Teilnehmer Jahns noch als Visionär, der die EBS "von der Regionalliga in die 1. Bundesliga geführt" habe, so die Wortmeldung eines Professors.

"Jahns ist die EBS, und die EBS ist Jahns", so ein anderer. Doch inzwischen mehren sich Zweifel am einstigen Uni-Chef. Das Gründungsfest, das im Sommer 2010 stattfand, weil die Privathochschule den Rang einer Universität erhielt, soll eine Dreiviertelmillion Euro verschlungen haben. Wissenschaftliche Exzellenz geriet in den Hintergrund.


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Unklarheiten an allen Enden

Seit Jahren bemüht sich die EBS etwa um das Zertifikat Equis. Das Gütesiegel der Europäischen Akkreditierungsorganisation EFMD ist wichtiger Gradmesser internationaler Forschungsexzellenz. Zwei Bewerbungen scheiterten, die dritte ist wegen der Führungsprobleme auf 2012 verschoben.

Ungereimtheiten gibt es auch beim Aufbau der Jura-Fakultät, die das Land mit 24,7 Millionen Euro unterstützt. Die Hochschule musste knapp eine Million Euro Landesmittel zurückzahlen, weil sie 2009 und 2010 in knapp 70 Fällen Beträge fehlerhaft verbucht hatte.

Das Gutachten der beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft liest sich wie ein Pamphlet des Unvermögens: Bei Inlandsflügen erster Klasse würden "Belege fehlen". Beim Catering für eine Party gebe es keinen "Projektzusammenhang". Ausgaben für ein Strategie-Meeting in einem Schweizer Vier-Sterne-Hotel seien nicht angemessen. Chauffeurkosten entfielen auf "private Nutzung".

Missbrauch von Steuergeldern?

Bei Reisekosten sei die "vertragliche Grundlage unklar". Die Opposition im hessischen Landtag ist erschüttert: Aus Prüfberichten zur Verwendung der Steuermittel bei der EBS gehe klar hervor, dass es "keine Regelung zur Einholung von Angeboten, kein Vier-Augen-Prinzip bei Ausgaben unter 100.000 Euro, keine Gegenzeichnung bei Auftragsvergaben, keine Spesenordnung und keine zentrale Erfassung der Rechnungseingänge gab", sagt Grünen-Abgeordnete Sarah Sorge.

Kosten von mehr als 100.000 Euro seien nicht wie vorgeschrieben von zwei Geschäftsführern gegengezeichnet worden. Nun soll der Landesrechnungshof auch prüfen, ob Steuergelder missbraucht wurden.


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Businessplan soll Klarheit schaffen

"Wir kommen da nur raus, wenn wir die Dinge auch wirklich ändern", sagt der neue EBS-Präsident Rolf Cremer, der bis Ende 2010 die China Europe International Business School in Shanghai leitete. Er will eine neue Kontrollstruktur schaffen. Er wisse nicht, "welche Krabbeltiere es noch unter den Steinen gibt, die ich noch gar nicht gesehen habe".

Eines könnte bald Gestalt annehmen: Der Businessplan der EBS, der staatlichen Behörden als Argument für Zuwendungen dient, wirft Fragen auf. Der Plan veranschlagt 120 Millionen Euro für die ersten acht Jahre des Aufbaus von Law School und Universität, gedeckt durch Studiengebühren, Landesförderung, Dritt- und Eigenmittel.

Bei einem Strategietreffen zwischen Uni-Managern und Beratern im Jahr 2009 wurde der Plan besprochen. Es soll "klare Ansagen von Jahns" gegeben haben, "wie man es so darstellen kann", dass Gelder, die nur für die Law School geplant seien, "auch für die Business School mit verwendet werden könnten", sagt ein Teilnehmer der Runde.

Irreführende Vorwürfe

Laut Jahns-Anwalt Dierlamm sind diese Schilderungen "falsch und irreführend". Die Zulässigkeit des von Jahns vorgeschlagenen Modells, anfallende Gemeinkosten zu gleichen Teilen auf Law School, Business School und Universität aufzuteilen, habe sogar ein Wirtschaftsprüfer bestätigt. Auch EBS-Präsident Cremer muss sich demnächst wohl erklären – gegenüber der Post.

Der Bonner Logistikkonzern stellt jährlich 250.000 Euro zur Finanzierung eines EBS-Lehrstuhls für Einkauf und Logistik zur Verfügung. Gezahlt wird quartalsweise in vier Tranchen zu je 62.500 Euro. Die vierte Tranche, die eigentlich zum 1. Oktober fällig gewesen wäre, hat die Post vorerst auf Eis gelegt – "bis die satzungsgemäße Verwendung der Stiftungsgelder aufgeklärt ist".

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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