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Ernährung Supper Clubs erobern Deutschland

Shane McMahon kocht exklusiv für Mitglieder seines Supper Clubs und bringt so einen internationalen Trend nach Deutschland. Clubmitglieder können dem Experten einen Abend lang über die Schulter schauen und sich gleichzeitig bekochen lassen.

Annina Reimann | , aktualisiert

Kaum sind die Besucher durch die Tür, halten sie ein Glas Prosecco mit selbstgemachtem Holunderblütensirup in Händen, dazu hausgebackenes Kartoffelbrot. Der Duft von asiatischem Fischcurry zieht vom Herd herüber. Der ein oder andere streckt neugierig seinen Kopf über die überdimensionale graue Titanpfanne. "Schenkt's euch selber schon mal Wein ein, ihr wisst ja wo die Gläser sind", ruft Shane McMahon im irisch-bayerischen Akzent seinen Gästen zu. Genauer gesagt seinen Kunden. Denn die lockere Küchenrunde besteht ausnahmslos aus Mitgliedern des von ihm gegründeten Münchener Supper Clubs.

Dort kreiert der Ire jeden ersten Sonntag im Monat private Restaurant-Atmosphäre. Er kauft ein, zaubert ein Vier-Gang-Menü und beseitigt am Ende das Chaos. Die Gäste schauen dem 38-Jährigen beim Kochen über die Schulter, lernen den ein oder anderen Kniff, zusätzlich verrät ein kulinarischer Gastreferent den Besuchern Tricks aus seinem Fachgebiet: mal zerlegt ein Sushimeister kunstvoll Fische, dann setzt eine Kräuterfrau Duftmarken oder ein Winzer erklärt, welcher Wein zu welchem Gang passt.

In Deutschland entwickeln sich Supper Clubs erst noch

"Supper Clubs liegen bereits in vielen Ländern im Trend, in Deutschland sind sie aber noch nicht so verbreitet", sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Wer heute als Gastronom bestehen wolle, müsse seine Gäste ständig überraschen. "Ein Supper Club trifft da den Nerv der Zeit, Kurzurlaube im Alltag sind gerade jetzt gefragt."

Seit Dezember setzt Shane McMahon sein Konzept nun in München um. Die ersten Kochkniffe hat er im Restaurant seiner Eltern gelernt, mit zwölf. Neun Jahre später kam er nach München, arbeitete unter anderem in den Sternerestaurants Königshof und Tantris. Seit 2007 kocht er sein eigenes Süppchen und eröffnet die Kochschule Shane's Kitchen in der Münchner Maxvorstadt. Privatleute und Firmen mieten ihn als Event- Koch und er tritt in Kochsendungen auf. Ein Freund aus New York brachte ihn auf die Supper-Club-Idee. Im Dezember 2008 fiel der Startschuss.

Der Supper Club ist zwar Teil der Kochschule. Doch bei seinem neuen Angebot kommen die Kunden schneller als gewöhnlich auf den Geschmack. Vorher wollten viele Leute einen Tisch bestellen, aber er musste immer sagen: Geschlossene Gesellschaft. "Jetzt kann ich den Kunden endlich etwas anderes außer Kochkursen und -events anbieten", sagt McMahon.

Die Plätze sind stets rar

Zehn Euro Beitrag zahlen neue Mitglieder für die erste Anmeldung. Mittlerweile buhlen über 120 Mitglieder um die 20 Plätze pro Clubabend. Wer zuerst kommt, speist mit, 60 Euro kostet es pro Person, Getränke inklusive. Schon drei Wochen im Voraus sind alle Plätze vergeben.

Zum Beispiel an Jörg Linke. Der 47-Jährige ist jedes zweite Mal dabei. "Durch das Clubkonzept sind viele kommunikative Leute dabei, ich gehe auch gerne alleine hin", sagt er. Er genießt den Barcharakter im Supper Club - und natürlich das "allerfeinste Essen". Rhabarbersorbet mit Thai-Basilikum gehört genauso zum Repertoire des Iren wie Kartoffel-Brennessel-Ravioli mit steirischem Kernöl. "McMahon spielt mit der Exotik von Aromen und Gewürzen", sagt Linke. Für ihn und die anderen Club-Mitglieder hat der Koch jederzeit Tipps auf Lager: "Das was am längsten dauert, wird als erstes vorbereitet", lässt er zum Beispiel wissen.

Die Abende werden von Programm begleitet

Bis zu 70 Stunden arbeitet der Gründer jede Woche. Von Banken hat er sich nie abhängig gemacht. Wie viel Eigenkapital er investiert hat, bleibt jedoch sein Geheimnis. Seinen prominenten Sponsor verschweigt er aber nicht. Die Firma Bosch stellt einen Teil der etwa 40 000 Euro teuren Küchenausrüstung.

Glück hat er auch mit seinem Programm für die Supper Club-Abende. Bei seinen Auftritten in Wellnesshotels oder TV-Shows trifft er immer wieder interessante Menschen, die er als Gast in den Club einlädt. Zum Beispiel einen Messerschleifer. "Auch ich kann jetzt noch besser mit dem Messer umgehen", sagt McMahon.

An den Nagel hängen wird McMahon seine Schürze wohl noch lange nicht. Im Gegenteil: Den Supper Club möchte er demnächst zweimal im Monat anbieten. Der letzte Gang ist also noch lange nicht serviert.

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