Ergonomie am Arbeitsplatz Endlich rückenfrei!

Wer den ständigen Rückenschmerzen den Kampf ansagen möchte, der sollte einen Blick auf die zahlreichen Tipps der Experten werfen. Sie geben Auskunft, wie Sie Rückenleiden vertreiben oder vermeiden können. Vom Bürostuhl bis zur Gymnastikübung.

Katja Köllen, wiwo.de | , aktualisiert

Endlich rückenfrei!

Foto: Nadezda Postolit/Fotolia.com

Rund 20 Millionen PC-Arbeitsplätze gibt es in Deutschland, an denen rund 30 Milliarden Stunden jährlich sitzend gearbeitet wird. Das bedeutet für einen sogenannten "Dauersitzer" im Beruf, dass er im Laufe seines Arbeitslebens rund zehn Jahre sitzend verbringt. Eine häufige Ursache von Rückenschmerzen ist deshalb der Bewegungsmangel im Arbeitsalltag.

Immer mehr Menschen verbringen die meiste Zeit des Tages sitzend am Arbeitsplatz und das hinterlässt gesundheitliche Spuren. Muskeln verkürzen sich, durch eine gleichbleibende Haltung entstehen Verspannungen. Die können im gesamten Bereich des Rückens zu Schmerzen führen.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch Fehlzeiten und Behandlungskosten wird von Experten auf etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. 460 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage sind das jährlich. Davon geht etwa jeder Fünfte auf Erkrankungen des Rückens zurück. Bewegungsarme Tätigkeiten und Fehlhaltungen an Bildschirmarbeitsplätzen zählen zu den verursachenden Faktoren dieser Beschwerden und Erkrankungen.

Volkskrankheit Rückenleiden

Erhebungen der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zufolge klagen 25 Prozent der Arbeitnehmer über Rückenschmerzen. Weitere 23 Prozent geben an, unter Muskelschmerzen zu leiden. "Der Mensch ist für die Bewegung geschaffen und nicht für das Sitzen", sagt Arbeitsmediziner Dr. Jens Petersen. 
 
Langes Sitzen und noch schlimmer, vor dem Bildschirm lümmeln bei der Arbeit und in der Freizeit, schadet dem Rücken, sagt auch Ergotherapeutin Connie Koesling. Doch an der schmerzhaften Volkskrankheit Rückenleiden seien verschiedene Faktoren schuld. Dass die wenigsten Menschen in körperlicher Hinsicht perfekt sind, ist eine Ursache: Zu kurze Beine, zu lange Arme, leichte Schieflage – fast jeder hat mehr oder weniger ausgeprägt ungünstige Proportionen.

So kommt eines zum anderen und das Leiden ist quasi vorprogrammiert. Dabei könnte sich jeder auch im Vorfeld gut schützen – bevor Schmerzen beispielsweise eine Fehlhaltung oder -belastung verursachen.

"Menschen, die beruflich häufig Lasten heben und sich bücken müssen, wie das beispielsweise in Pflegeberufen der Fall ist, sind besonders gefährdet. Ebenso alle, die im Büro sozusagen Dauersitzer sind oder wie Zahnärzte, Chirurgen, Therapeuten & Co. länger in einer gebeugten oder ungesunden Haltung arbeiten", so Koesling. Die Ergotherapeutin plädiert dafür, sich am besten vorsorglich zu informieren, den passenden Sport zu treiben und sich beraten zu lassen.

Ein weiterer Faktor: falsch eingestelltes Büromobiliar. Erfahrungen zeigen, dass über 95 Prozent der Bürostühle falsch eingestellt sind. Folgen davon können Fehlhaltungen und Fehlbelastungen sein.

Stuhl, Tisch und Arbeitsmittel müssen in der richtigen Reihenfolge an die individuellen Bedürfnisse des Benutzers angepasst werden, also an Größe und Gewicht, aber auch an die zu erledigenden Aufgaben. "Die meisten Fehler werden gemacht, weil nicht systematisch vorgegangen wird", weiß Petra Stehle, Physiotherapeutin und Ergonomie-Expertin. Sie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Ergonomie und berät Unternehmen bei der Einrichtung von Arbeitsplätzen.

Bewegung trägt den Rücken

Sie empfiehlt: Erst muss der Stuhl angepasst werden, dann die Tischhöhe. Zuletzt werden die Arbeitsmittel wie Maus, Tastatur, Bildschirm und Telefon korrekt ausgerichtet und angeordnet. Gemeinsam mit Dr. Christian Erhard hat Stehle jetzt ein Leitfaden herausgebracht, der erklärt, wie man in wenigen Schritten seinen PC-Arbeitsplatz an die individuellen Erfordernisse anpasst und so wirkungsvolle Prävention betreibt.

Der 72-seitige Leitfaden erklärt in 21 Kapiteln neben den grundlegenden Einstellungen und Wirkungsweisen auch die häufigsten Fehler. "Der Leitfaden hilft aber nicht gegen die Hauptursache von Rückenschmerzen, nämlich Bewegungsmangel, so Autor Dr. Christian Erhard. "Hier ist jeder einzelne gefordert. Schon zehn Minuten Gymnastik täglich sind ein hervorragende Prävention." Denn wer das Rückenproblem auf Dauer auf die leichte Schulter nimmt, dessen Anfangsbeschwerden können leicht zu behandlungsbedürftigen Leiden werden. Um das zu verhindern, bieten viele Experten Methoden zur Rückenschulung an.

So zeigt beispielsweise die im Januar 2013 von allen Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung gestartete Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken.", wie Rückenschmerzgeplagte mit wenigen einfachen Übungen vorbeugen und Beschwerden lindern können.

Die Rückenmuskulatur darf weder über- noch unterfordert werden. Zu hohe Belastungen können den Rücken überstrapazieren, langes Sitzen und passiver Lebensstil schwächen die Muskeln. Daher empfiehlt sich eine Doppelstrategie: Einerseits sollten zu hohe Belastungen bei der Arbeit vermieden werden, andererseits sollte man den Rücken kräftig und beweglich halten.

Wer sich am Schreibtisch zwischendurch lockert und bewegt, arbeitet nicht nur entspannter, sondern beugt damit auch Beschwerden und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparates vor. Dr. Ulrike Hoehne-Hückstädt, Expertin im Fachbereich Ergonomie des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sagt: "Besonders wichtig ist es, die Übungen regelmäßig durchzuführen – am besten macht man sie zu einem täglichen 'Ritual', das in den Arbeitsalltag integriert und zur 'guten' Gewohnheit wird.“

Zehn Minuten Rückenstärken

Im Büro könnten schon zehn Minuten Ausgleichsübungen, wie lockerere Kreiselbewegungen der Schultern oder Dehnung der Nackenmuskulatur durch Kopfneigung in der Mittagspause Linderung bringen, so die Expertin.

Wer also auf ergonomischen Einstellungen der Arbeitsmittel setzt, leichte Übungen in seine Mittagspause einbaut und idealerweise auch in seiner Freizeit auf rückenstärkenden Sport setzt, der dürfte nicht mehr von Rückenschmerzen geplagt werden.
 
Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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