Erfolg 2015 Die besten Karrieretipps von Top-Managern

Was muss ich können, um im Job voranzukommen? Welche Studienfächer versprechen den besten Einstieg? Und wie überwinde ich Hindernisse? Deutsche Top-Manager verraten ihre wichtigsten Karrieretipps.

Kristin Schmidt, wiwo.de | , aktualisiert

Die besten Karrieretipps von Top-Managern

Foto: Sondem/Fotolia.com

"Suche kommunikativen, sozial engagierten Digitalexperten mit Auslandserfahrung, der keine Angst davor hat, mit ambitionierten Projekten auch mal zu scheitern." So könnte eine Wunschanzeige aussehen, mit der Unternehmen 2015 nach neuen Mitarbeitern fahnden.

Neue Arbeitsanforderung

Natürlich: Um ein Flugzeug sicher von Berlin nach Boston zu steuern, braucht es andere Fähigkeiten als beim Optimieren einer Produktionsstraße. Und sicher erwartet der Chef vom altgedienten Abteilungsleiter etwas anderes als vom Berufseinsteiger.

Dennoch: Die Arbeitswelt ist im Wandel – und mit ihr ändern sich die Anforderungen, mit denen sich Unternehmen und Mitarbeiter konfrontiert sehen und mit denen sie in einer digitalisierten, sich in immer kürzeren Abständen erneuernden Wirtschaftsordnung bestehen wollen und müssen. 

Kompetenzen für die Zukunft

Welche das sind, hat das Institute of the Future aus dem Silicon Valley in seiner Studie "Future Work Skills 2020" ermittelt: eine rasant wachsende Datenmenge, auf deren Basis künftig immer mehr Entscheidungen gefällt werden, und die zunehmende Anzahl intelligenter Maschinen, die so manchen Job gleich ganz übernehmen.

Schon heute fahren U-Bahnen, wie etwa in Nürnberg, ohne dass ein Mensch im Führerhäuschen sitzt. Aus solchen Entwicklungen leiten die Forscher zehn Kompetenzen ab, die für den Mitarbeiter im Jahr 2020 unerlässlich sein werden: etwa das Herausfiltern der wichtigsten Infos aus dem Datenwust und das Übersetzen dieser in strategische Konzepte.

Aber auch das Arbeiten in virtuellen Teams sowie ein hohes Maß an sozialer Intelligenz. Denn auch künftig basieren die meisten Geschäftsbeziehungen nicht nur auf Kosten-Nutzen-Berechnungen – Vertrauen ist ebenso wichtig.

"Weil Computer immer mehr Basisaufgaben übernehmen werden", sagt Jan Müller, Europachef des Recruitingspezialisten Futurestep, "sind besonders die Mitarbeiter wertvoll, die soziale Kompetenzen wie Empathie, Begeisterungsfähigkeit und Innovationskraft mitbringen."

Top-Manager suchen echte Menschen

Auf diese Kombination aus Technikverständnis und sozialen Fähigkeiten setzt auch die große Mehrheit der Top-Manager, die für uns die wichtigsten Fragen zur Karriere 2015 beantwortet haben. Während Facebook-Manager Martin Ott Abiturienten rät, programmieren zu lernen, pocht BASF-Personalchefin Margret Suckale auf ehrenamtliches Engagement: "Wer einmal eine Jugendmannschaft trainiert hat, der weiß, wie man führen und motivieren kann."

Kurz: Der ehrgeizige Karrierist ist nicht länger gefragt. "In unserer schnelllebigen und komplexen Wirtschaft braucht es Persönlichkeiten, die eigene Vorstellungen von der Welt haben und neugierig auf Neues sind", sagt Personalexperte Müller. "Gute Noten und glattgebügelte Lebensläufe sind keine Karrieregarantie mehr."

Scheitern als Weiterentwicklung

Wer etwa beim Konsumgüterkonzern Henkel aufsteigen will, soll mindestens in zwei Abteilungen, zwei Geschäftsbereichen und zwei Ländern gearbeitet haben. Rewe-Chef Alain Caparros überzeugen Mitarbeiter, die in der Lage sind "über den Tellerrand ihrer eigenen Karriere hinauszublicken".

Das gilt umso mehr, wenn sich die Arbeitsstrukturen in den Unternehmen ändern. "Bis 2025 werden 40 Prozent der Arbeitnehmer in Projekten arbeiten, die im Schnitt zwei Jahre dauern", sagt Trendforscher Sven Janszky. "Danach müssen sie sich wieder auf etwas ganz Neues einstellen."

Selbst Scheitern gilt inzwischen als Form der Weiterentwicklung: "Ich frage Bewerber immer nach Rückschlägen und wie diese gemeistert wurden", sagt Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges. "Wir suchen Mitarbeiter, die Herausforderungen engagiert annehmen und bereit sind, ein Leben lang dazuzulernen."

Was muss ein Bewerber können, um Sie zu überzeugen?

Er muss seine Motivation für den Job authentisch begründen und auch außerhalb seines Berufslebens ein glaubwürdiges Engagement für zum Beispiel ein soziales, ökologisches oder kulturelles Anliegen nachweisen. Wir wollen mit Menschen arbeiten, die in der Lage sind, über den Tellerrand ihrer Karriere zu blicken.

Teamfähig, kommunikativ, belastbar – das liest man in jeder Stellenbeschreibung. Welche Fähigkeiten halten Sie für überbewertet?

Selbstverständlich müssen Mitarbeiter belastbar sein. Aber die Vorstellung, dass nur Menschen Top-Performer sein können, die immer erreichbar sind und auch abends um 22 Uhr noch 110 Prozent Leistung bringen, ist aus meiner Sicht Blödsinn.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Die Fähigkeit, Komplexität zu bewältigen, indem man sie, wo immer möglich, weitestgehend reduziert – das ist aus meiner Sicht die entscheidende Qualifikation der Zukunft.

Wie lautet Ihre wichtigste Frage im Vorstellungsgespräch?

Die wichtigste Frage an einen Bewerber am Vormittag ist: Haben Sie heute gefrühstückt? Denn wenn nicht, dann ist er sehr wahrscheinlich gehetzt und unentspannt zum Vorstellungsgespräch gekommen. Und eine Tageszeitung hat er vermutlich auch noch nicht gelesen. Beides keine guten Voraussetzungen für ein langes, erfolgreiches Berufsleben.

Was muss ein Bewerber können, um Sie von sich zu überzeugen?

Neben dem fachlichen Wissen interessieren mich Eigenschaften wie Neugierde, Zielstrebigkeit oder soziale Kompetenzen. Hat er oder sie bereits im Ausland gearbeitet oder sich ehrenamtlich engagiert, beispielsweise in Vereinen? Wer einmal eine Jugendmannschaft trainiert hat, der weiß, wie man führen und motivieren kann.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Teamfähigkeit – Bewerber sollten Freude daran haben, etwas gemeinsam mit anderen zu erreichen, über Fach- und Ländergrenzen hinweg.

Welchen Studiengang würden Sie Abiturienten jetzt empfehlen?

Ich habe Jura studiert. Eigentlich wollte ich mich auf Wirtschaftsrecht spezialisieren und Richterin werden – fand die Arbeit in einem Unternehmen aber so spannend, dass ich nicht mehr aus der Wirtschaft in die Justiz wechseln wollte. Vor allem ist es wichtig, offen zu sein. Sich nicht auf einen Karriereweg festzulegen.

Was muss ein Bewerber können, um Sie zu überzeugen?

Insbesondere in Zeiten, in denen sich ein Unternehmen in einem Veränderungsprozess befindet und sich neue Ziele setzt, muss ein Bewerber neben dem nötigen fachlichen Hintergrund überzeugend vermitteln können, dass er oder sie diesen Prozess mitgestalten und eigene, konstruktive Ideen einbringen wird. Dazu gehören Mut und persönliche Leidenschaft.

Teamfähig, kommunikativ und belastbar – diese Attribute findet man in jeder Stellenbeschreibung. Welche Fähigkeiten halten Sie für überbewertet?

All diese Attribute haben keine große Aussagekraft mehr. Sie sind selbstverständlich geworden. Deshalb kann man in Stellenbeschreibungen auch zunehmend darauf verzichten. Wichtiger ist es, dass Bewerber ihre Persönlichkeit, ihre Stärken und Fähigkeiten kennen und diese mit den inhaltlichen Anforderungen der Stelle abgleichen können.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

In dieser sich immer schneller verändernden Welt ist Flexibilität zunehmend von Bedeutung. Es geht dabei nicht um reaktive Anpassungsfähigkeit, sondern aktive Gestaltungsfreude, welche eine gewisse Risikobereitschaft erfordert. Nur so kann Innovation und Weiterentwicklung funktionieren. Wer den Mut und den Willen hat, Veränderungen aktiv voranzutreiben, und Begeisterung für Neues mitbringt, hat heute sehr gute Chancen.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit, unabhängig vom Berufsfeld, sind der Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Darüber hinaus brauchen wir in Deutschland dringend mehr IT-Fachkräfte – es fehlen vor allem weibliche Programmierer in unserem Land. Daher meine Bitte: Liebe Abiturient(inn)en, lernt programmieren! Dann braucht ihr euch um eure berufliche Zukunft nicht zu sorgen.

Wie lautet Ihre wichtigste Frage im Vorstellungsgespräch?

Ich frage sie nach dem einen Projekt, bei dem etwas richtig schiefgelaufen ist. Anhand der Antwort kann man viel über Menschen lernen: zur Motivation und Grundeinstellung, dem Umgang mit Stresssituationen und der Bereitschaft, Neues zu lernen. Innovation und Fortschritt finden meines Erachtens nur selten den Ursprung in Gradlinigkeit.

Was muss ein Bewerber können, um Sie zu überzeugen?

Als globales Unternehmen mit drei sehr unterschiedlichen Unternehmensbereichen erwarten wir Offenheit gegenüber Neuem – zum Beispiel für eine Job-Rotation oder einen Aufenthalt im Ausland.

Teamfähig, kommunikativ und belastbar – diese Attribute findet man in jeder Stellenbeschreibung. Welche Fähigkeiten halten Sie für überbewertet?

Gerade diese Eigenschaften sollte man nicht unterschätzen: In vielen Unternehmen arbeiten globale Teams virtuell und projektbezogen zusammen. Die Fähigkeit, in immer wieder neuen Teams zu arbeiten und mit Kollegen rund um den Globus zu kommunizieren, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Welchen Studiengang würden Sie Abiturienten jetzt empfehlen?

Wenn man von einer Sache begeistert ist, hat man in der Regel auch Erfolg. Dennoch rate ich jungen Menschen, sich bei der Ausbildungswahl nicht allein von Neigungen leiten zu lassen. Es ist durchaus sinnvoll, die Bedarfe der Wirtschaft im Blick zu haben – und sich zum Beispiel auch für technische und naturwissenschaftliche Richtungen zu öffnen.

Wie lautet Ihre wichtigste Frage im Vorstellungsgespräch?

Ich frage immer nach Rückschlägen und wie diese gemeistert wurden. Die Antwort verrät viel über die Persönlichkeit: Wie setzt sich der Kandidat mit Misserfolgen auseinander? Wie reflektiert und auch wie belastbar ist jemand?

Was muss ein Bewerber können, um Sie zu überzeugen?

Wir suchen keine Mitläufer, sondern Menschen, die über den Tellerrand blicken und ihre Meinung mit guten Argumenten vertreten. Das wünsche ich mir auch von allen meinen direkten Mitarbeitern – gerade, wenn ich eine andere Meinung habe.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Die Digitalisierung ist für Versicherer eine Riesenchance der Kundenorientierung. Vor diesem Hintergrund halte ich Medienkompetenz nicht nur für Digital Natives, sondern auch für Mitarbeiter meiner Generation, die die zweite Hälfte des Arbeitslebens noch vor sich haben, für unverzichtbar.

Welchen anderen Top-Manager würden Sie gerne einstellen?

Wir sind ein tolles Team, aber eine Initiativbewerbung vom Tesla-Chef Elon Musk als Chief Innovation Manager wäre eine tolle Sache.

Was raten Sie jemandem, der seit einigen Jahren denselben Job macht, um der Karrieresackgasse zu entkommen?

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, fit zu sein für einen internen oder externen Wechsel oder den Sprung in die Selbstständigkeit.

Was rechtfertigt aus Ihrer Sicht einen deutlichen Gehaltssprung?

Ein Gehaltssprung ist in der Regel durch besondere Leistungen zu rechtfertigen. Das können beispielsweise zusätzliche Aufgaben oder erfolgreich abgeschlossene Projekte sein.

Teamfähig, kommunikativ und belastbar – diese Attribute findet man in jeder Stellenbeschreibung. Welche Fähigkeiten halten Sie für überbewertet?

Auch wenn diese Attribute abgedroschen klingen, beschreiben sie das, worauf es in meinen Augen ankommt. Um erfolgreich zu sein, müssen wir gut im Team zusammenarbeiten, uns intensiv austauschen und auch in Stresssituationen den Überblick bewahren.

Welchen Studiengang würden Sie Abiturienten jetzt empfehlen?

Jeder sollte sich gut überlegen, wo seine Neigungen, Talente und Potenziale liegen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es manchmal guttut, Umwege zu gehen und Sachen auszuprobieren. Auch wenn es danach einen neuen Anlauf braucht, hat man wichtige Erfahrungen für das Leben gesammelt.

Wie lautet Ihre wichtigste Frage beim Vorstellungsgespräch?

Eigentlich höre ich bei Vorstellungsgesprächen lieber zu...

Was raten Sie jemandem, der seit fünf Jahren denselben Job macht, um der Karrieresackgasse zu entkommen?

Längere Zeit auf einer Position zu bleiben bedeutet nicht automatisch Stillstand. Wer fünf Jahre denselben Job macht, sammelt enorm viel Wissen. Und eine Karriere als Fachexperte einzuschlagen ist ein guter Weg. Denn nicht jeder kann und will Führungsverantwortung übernehmen. Wichtig ist, dass Mitarbeiter neugierig bleiben und es im Unternehmen gute Angebote zur Weiterentwicklung gibt.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Das Internet der Dinge hat das Potenzial, alle Gegenstände der Welt zu vernetzen – dazu braucht es Softwarekompetenz. Wir sehen außerdem Bewerber im Vorteil, die eine starke Problemlösungsorientierung mitbringen – Produkte für eine vernetzte Welt erfordern die Verknüpfung vorhandenen Wissens für kreative Lösungen. Aber auch räumliche und inhaltliche Flexibilität müssen Mitarbeiter zeigen, weil etwa das Arbeiten in agilen Teams oder in Start-up-ähnlichen Strukturen alltäglicher wird.

Welchen Studiengang würden Sie Abiturienten jetzt empfehlen?

Beste Chancen auf einen Berufseinstieg haben Abiturienten, die sich für IT-Studiengänge entscheiden. Um internetfähige Produkte und Services für die vernetzte Welt zu entwickeln, ist aber auch ein Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen nötig. Ein Maschinenbauer muss etwa Kenntnisse von Elektrotechnik und Informationstechnologien haben.

Welchen anderen Top-Manager würden Sie gerne einstellen?

Robert Bosch. Eine Spitzenkraft mit unternehmerischer Weitsicht und sozialer Verantwortung, der in seinen Fehlern ein Zugewinn an Erfahrung sah. Robert Bosch war ein Start-up-Unternehmer, noch bevor es den Begriff gab.

Welche Schlüsselqualifikationen werden in den nächsten Jahren wichtig?

Für mich zählt dazu die Fähigkeit, zu erkennen, anzuerkennen und zu nutzen, dass die kollektive Intelligenz immer größer sein wird als die eines einzelnen Menschen. Also dass es zielführender ist, produktiv und in verschiedenen Rollen miteinander zu arbeiten statt nebeneinander. Dafür brauchen wir Menschen, die Beziehungen aufbauen und pflegen können, die auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Konflikte anzusprechen – am besten mit Humor. Kurz: beobachten, zuhören und reflektieren zu können.

Welchen Studiengang würden Sie Abiturienten jetzt empfehlen?

Wir würden jedem raten, nach dem Abi den Schritt zu gehen, für den derjenige die größte Leidenschaft verspürt, egal, ob Ausbildung, Studium oder andere Alternativen. Wenn die Richtung noch nicht so ganz klar ist, lieber den Mut haben, etwas auszuprobieren, als nichts zu tun. Generell entwickeln sich Berufsbilder in unserer Zeit so schnell, dass die Fähigkeiten, zu reflektieren und zu lernen, den Berufsalltag oft erfolgreicher machen als viel Wissen.

Wie lautet Ihre wichtigste Frage im Vorstellungsgespräch?

Ich frage gern nach der Motivation für eine bestimmte Veränderung. Wir suchen ja Menschen, die Entscheidungen treffen können und die durch eigene Entscheidungen Erfahrungen gemacht haben. Das ist wichtiger als ein Muster-Lebenslauf wie im Personaler-Lehrbuch. Um jemanden kennenzulernen, sind für mich Fragen besonders wertvoll, die zum Reflektieren anregen und nicht wie aus der Pistole geschossen beantwortet werden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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