Erfahrungsberichte So war mein erster Arbeitstag

Das Ausbildungsjahr 2010 hat begonnen. Tausende junge Erwachsene machen ihre ersten Schritte in Richtung Arbeitsleben. Wie war das damals bei Ihnen? Der Sternekoch Hans-Peter Wodarz, die Kolumnistin Eva Kohlrusch und ein KfZ-Azubi erinnern sich an ihren ersten Arbeitstag.

Bettina Malter / Zeit.de | , aktualisiert

Der Sternekoch Hans-Peter Wodarz erinnert sich an seine Lehre als Koch in den sechziger Jahren:

"Im Grunde hat meine Karriere 1962 begonnen, als ich mit 14 Jahren im Hotel Rose in Wiesbaden die Hotelpagen-Uniform anzog. Damals musste man, wenn man Kellner oder Koch werden wollte, ein Jahr lang als Hotelpage arbeiten. Das heißt, ich habe Schuhe geputzt, Koffer geschleppt, Hunde ausgeführt und älteren Amerikanerinnen den Rücken geschrubbt. Für solche Tätigkeiten bekam ich etwa 20 amerikanische Dollar Trinkgeld am Tag. 1962 war das für einen 14-jährigen Bub sehr viel Geld.

Und dann kam der große Tag, an dem ich endlich die Lehre zum Koch beginnen durfte. Ich wusste bereits, was mich erwartete: Denn in meinem Jahr als Page hatte ich viel Kontakt zu den Kochlehrlingen. Mich hatte es schon vorher wie magisch in die Küche gezogen. Koch zu werden, das war mein Traumberuf. Schon als kleiner Junge habe ich meiner Mutter beim Kochen geholfen. Und sie sagte immer: "Werde Koch, da hast du immer etwas zu essen."

Allerdings erinnere ich mich noch gut, dass die ersten Tage in der Küche durchaus ernüchternd waren. So hart hatte ich mir die Lehre nicht vorgestellt. Die Hitze vom Herd, ständig Dosen öffnen, Kartoffeln schälen – und kein Trinkgeld von reichen Amerikanerinnen mehr. Es war eine Küche mit 25 Köchen und zu dieser Zeit war es fast wie beim Militär.

Handwerk und Kunst zugleich

Es war also fürchterlich und einige Tage lang habe ich wirklich an meinem Traumberuf gezweifelt. Aber diese Phase ging vorbei und die drei Jahre Ausbildung auch. Ich habe dann als bester Kochlehrling von Hessen die Ausbildung beendet und bin meinem Traumberuf bis heute treu geblieben.

Heute haben junge Leute durch Kochsendungen im Fernsehen oft eine andere Vorstellung von dem Beruf. Da sieht das immer so locker und unkompliziert aus. Das ist es allerdings nicht. Kochen ist ein Handwerk und eine Kunst zugleich. Der Beruf des Kochs ist einer der schönsten der Welt und man kann auch die ganze Welt sehen.

Aber es ist ein knallharter Job. Deswegen gibt es eine Vielzahl von Abbrechern während der Ausbildung. Aber die, die es durchziehen und Spaß, Herz und Seele für diesen Beruf haben, können es weit bringen."

Alexander Niemser macht eine Ausbildung zum Kfz-Mechantroniker in einer Autowerkstatt in Altglienicke. Der 19-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr:

"Ich wollte am liebsten handwerklich arbeiten und hatte zwölf Bewerbungen verschickt. Zu neun Vorstellungsgesprächen wurde ich auch eingeladen. Im ersten Betrieb musste man Probe arbeiten und anschließend wurde das Bewerbungsgespräch geführt. Da haben sie mich dann am Ende mit Handschlag begrüßt und gesagt: Herzlich willkommen im Team. Da hatte ich erst einmal ein gutes Gefühl. Als dann auch der Vertrag unterschrieben war, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Dass die Suche nach einem Ausbildungsplatz so einfach ging, hatte ich so gar nicht erwartet.

Am Abend vor dem ersten Ausbildungstag war ich etwas aufgeregt. Aber weil meine Freundin auch neu in einem Betrieb anfing, konnten wir uns über unsere Nervosität austauschen. Das hat einem die Angst genommen. Am ersten Tag hielt mein Chef erst einmal eine Ansprache für alle neuen Mitarbeiter und jeder Neuzugang wurde vorgestellt, dann bekamen wir eine Einweisung. Das Rauchverbot war schon ein harter Schlag. Einer meiner Azubikollegen ist deswegen sogar nach dem ersten Tag gar nicht mehr wiedergekommen.

"Ich freue mich immer auf den nächsten Arbeitstag"

In der Firma habe ich mich aber schon am ersten Ausbildungstag sehr wohl gefühlt. Jeder grüßte jeden, das Betriebsklima ist sehr angenehm. Auch als Lehrling wird man freundlich behandelt und ist Teil des Teams. Das hat mir den Einstieg sehr leicht gemacht. Ich musste keine Angst haben, die Kollegen anzusprechen und um Rat zu fragen. Man hat sich gleich wohl gefühlt. In den ersten Tagen war ich zwar sehr erschöpft, weil das Berufsleben doch anders ist. Aber bis heute freue ich mich auf den nächsten Arbeitstag.

Nun bin ich schon fast ein Jahr dabei und mache eine Doppelqualifikation. Meine Berufsschule bietet parallel zur Ausbildung zum Gesellen an, auch das Fachabitur abzulegen. Und parallel nutze ich das Angebot in meiner Firma, eine Reihe von Qualifizierungslehrgängen zu machen, um Service-Techniker zu werden. Wenn ich mit der Lehre fertig bin, kann ich damit gleich eine Gehaltsstufe höher einsteigen."

Eva Kohlrusch war 1984 die erste Frau in der Chefredaktion der Bild. Die heutige Kolumnistin der Zeitschrift Bunte erinnert sich an ihren ersten Tag als Chefredakteurin:

"Am liebsten wäre ich am Abend, bevor ich als erste Frau in die versiegelte Männerriege der Bild-Chefredaktion einzog, einfach abgetaucht. War das nicht alles sehr verwegen? Eine Freundin hatte mich ermutigt: "Du gewinnst Entscheidungsmacht." Zwei andere Kolleginnen hatten mich angespuckt: "Springer? Igitt!"

Ich erinnere mich, dass ich mich für meinen ersten Arbeitstag aufpumpte wie ein Ochsenfrosch. "Du wolltest, was du da tust", predigte ich mir abends vor. Ich war halt neugierig. Eitel. Scharf auf Herausforderungen. Trotzdem schlief ich schlecht.

Am nächsten Morgen gefiel ich mir. "Du hast den Auftrag, die Bild-Zeitung speziell für Frauen lesbar – also erträglich – zu machen", sagte ich meinem Spiegelbild. "Du wirst trainieren, auch Kompliziertes auf den knappsten, verstehbaren Punkt zu bringen. Das zwingt zur Genauigkeit des Denkens. Vergiss also den ewigen Verriss des Boulevardjournalismus. Man kann das alles auch intelligent machen."

Ins Fettnäpfchen getreten

Ja, so dachte ich mir meine Zukunft als stellvertretende Chefredakteurin. "Wie ist sie denn?", hatten die Kollegen gefragt. Jemand fand: "Außen Apfelstrudel. Innen Granit." Dann war schon der Einstieg wenig elegant. Es war kein Büro für mich vorbereitet. Und eine Sekretärin sprach mich mit "Frau Kohlbauch" an. Zur allerersten Morgenkonferenz mit meinen sechs Chefkollegen setzte ich mich prompt aufs falsche Sofa, was die eingefleischte Sitzordnung durcheinander brachte. Beim Vorstellungsrundgang in der Redaktion erkannte ich schnell, wer meine zukünftigen Feindinnen sein würden. Frauen verziehen damals noch schlechter, wenn eine Frau an ihnen vorbeizog.

Abends wurde ich brachial darauf gestoßen, dass Männer etwas ganz anderes unter "frauenrelevanten Themen" verstanden als ich. Während ich plante, mehr Frauen als Expertinnen vorkommen zu lassen, wollten meine Herren Kollegen Themen im Blatt sehen wie "Hilfe, ich bin in meinen Chef verliebt" oder "Hilfe, mein Mann spricht nicht mit mir!". So ein erster Tag kann also äußerst irritierend sein.

Nebenbei: Es blieb so. Acht Jahre lang war ich stellvertretende Chefredakteurin. Es war schwer, sich als einzige Frau in der Männerrunde rechtfertigen zu müssen. Eigentlich hatte ich es mit etwa 30 Frauen zu tun – jeder meiner sechs Chefredakteurskollegen kannte ja mindestens fünf: Seine Mutter, seine Frau, die Geliebte, die Putzfrau, die Sekretärin. Die schwebten wie Luftballons unter der Decke, und wann immer ich etwas entschied, wurde eine davon heruntergezogen: "Meine Frau sagt aber… Da sollten wir aber mal die Sekretärinnen fragen…" Ach ja."

(Artikel zuerst erschienen auf Zeit Online)

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