Elektrotechnik Mini-Power: Computerchips für Mensch und Tier

Die Mikro-Chips von Tobias Feldengut funken Daten aus Kuhmägen und Gehirnen.

Kristin von Elm | , aktualisiert

Strom sparen - das ist für Tobias Feldengut ein zentrales Anliegen - nicht nur fürs globale Klima, sondern vor allem für seinen beruflichen Erfolg. Am Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg entwickelt der 27-jährige Doktorand innovative Mikro-Chips, die nicht nur drahtlos Daten austauschen, sondern auch ihren Strom ohne lästiges Kabel beziehen. Einsatzmöglichkeiten für die smarten Mini-Sender gibt es viele: Container melden selbstständig ihren Inhalt, Autoreifen schlagen Alarm, wenn der Luftdruck absinkt und Landwirte stimmen das Viehfutter mit Daten aus dem Pansen ihrer Kühe ab.

Auch in der Medizin eröffnen die so genannten Transponder ganz neue Perspektiven: "Die Chips sollen Patienten eingesetzt werden, um beispielsweise den Augeninnendruck, Hirn- oder Blutdruck laufend von innen heraus zu überwachen", erklärt Diplom-Ingenieur Feldengut. Chronisch Kranken soll ein solches Implantat lästige Kontrollen beim Arzt ersparen. Vor kurzem hat das Fraunhofer Institut sogar die erste kabellose Sehprothese der Welt vorgestellt. Ein Mikro-Chip im Auge gibt Blinden, die unter einer bestimmten Netzhauterkrankung leiden, vielleicht schon bald einen Teil ihres Augenlichts zurück.

Eine der größten Hürden für den Chip-Einsatz im menschlichen Körper ist derzeit noch die Stromversorgung. "Da gibt es schließlich keine Batterie, die wir anzapfen können", erklärt Tobias Feldengut. Die Chips werden deshalb von außen über ein magnetisches Wechselfeld mit Strom versorgt. Damit die Patienten nicht ständig nachladen müssen und sie nicht zu viel elektro-magnetische Strahlung abbekommen, tüftelt Feldengut an Transpondern, die möglichst viel können und dazu möglichst wenig Energie benötigen. Darüber schreibt er auch seine Doktorarbeit.

Direkt im Anschluss an sein Studium der Elektro- und Informationstechnik an der RWTH Aachen hat er im Januar 2007 beim IMS in Duisburg angefangen. "Mikroelektronik hat mir schon im Studium am besten gefallen. Man kann hier kaum auf Standardlösungen zurückgreifen und muss sich ständig etwas Neues einfallen lassen", begründet er seine Wahl. Am IMS hat er zwar nur eine halbe Stelle und muss mit etwa 1 600 Euro brutto im Monat auskommen, dafür bleibt ihm aber auch mehr Zeit für seine Promotion. Bis 2010, also binnen drei Jahren, will er den Doktortitel in der Tasche haben und sich dann einen gut dotierten Job in der Industrie suchen, zum Beispiel bei einem der großen Halbleiter-Hersteller wie NXP Semiconductors oder Infineon. Angst davor, im zyklischen Halbleitermarkt nach der Promotion vielleicht in eine Jobflaute zu geraten, hat er nicht: "Mit einer guten Ausbildung hat man immer gute Chancen", gibt sich der Doktorand überzeugt.

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...