Durchsetzungskraft Wie man richtig Nein sagt

Nein sagen ist schwer, vor allem im Berufsleben. Trotzdem ist es wichtig, sich Grenzen zu ziehen und die eigenen Prioritäten nicht zu vergessen.

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Wie man richtig Nein sagt

Foto: semnov/Fotolia.com

"Können Sie nicht noch schnell…"

Gerade sind die Aufgaben für den Tag festgelegt, alle Papiere geordnet, und eigentlich kann die Arbeit losgehen, da steht plötzlich der Kollege oder gar Chef in der Tür und fordert einen Gefallen ein: "Können Sie nicht noch schnell....."

Klare Grenzen

In solche oder ähnliche Situationen ist wohl jeder Arbeitnehmer schon einmal geraten, ganz gleich, in welcher Branche oder Unternehmen er arbeitet. Den Gefallen anzunehmen liegt oft nahe: Sympathie, ein Beweis der eigenen Arbeitswilligkeit oder auch einfach Angst vor den Konsequenzen, wenn man nein sagt, sind Gründe, warum Gefallen angenommen werden, obwohl sie mit dem eigenen Arbeits- und Zeitplan kollidieren.

Sich in solchen Momenten Grenzen zu setzen und nicht jeden Gefallen bereitwillig auszuführen, fällt vielen schwer. "Man möchte nicht als unkollegial dastehen", erklärt die Karriereexpertin Kerstin Hof aus Hamburg das Phänomen der Gefälligkeitsfalle. Sie betont jedoch, wie wichtig es ist, klare Grenzen zu ziehen: "Nein zu sagen bedeutet sich persönlich eine Grenze zu setzen und diese auch zu hüten."

Die Gefälligkeitsfalle

Dennoch fällt es vielen Arbeitnehmern schwer, ihren Kollegen oder dem Chef eine Bitte abzuschlagen. Schnell noch ein anderes Projekt dazwischengeschoben, eine Tabelle erstellt oder etwas kopiert, auch wenn dabei die eigene Arbeit in den Hintergrund gerät.

In eine solche Gefälligkeitsfalle geraten Arbeitnehmer immer wieder. "Der Gedanke der dahintersteht, ist: Ich will, dass die anderen mich mögen", so Kerstin Hof. Vor allem bei Berufsanfängern sei das ein großes Problem.

Neu in der Firma, in der Hierarchie noch das letzte Glied in der Kette – da liegt es nahe, dass Gefallen eher angenommen werden als in Führungspositionen. Betroffene versprechen sich davon Sympathie und bessere Aufstiegschancen, weil sie unter Beweis stellen, wie viel sie arbeiten können.

"Nein" verschafft Respekt

Laut Kerstin Hof ist allerdings genau das Gegenteil der Fall. Wer auch einfach mal nein sagen könne, mache sich als Ansprechpartner wertvoller. Sprich, nicht die die Gefälligkeitsfalle zu tappen und auch mal Nein zu sagen, kann sich positiver auswirken als zum willigen Gehilfen für die anderen zu werden.

"Viele haben Angst, sich unbeliebt zu machen, wenn sie nein sagen. Dabei ist das gerade auch ein Zeichen von Profil und Stärke. Wenn ich auch mal Nein sage, kann ich mir sogar Respekt verschaffen, auch beim eigenen Chef", macht Kerstin Hof Mut.

Situationsanalysen können helfen

Ihr Tipp, wie Arbeitnehmer es schaffen, Stärke zu zeigen und "Nein" zu sagen: Selbstbeobachtung. "Sich eine Zeit lang aus der Vogelperspektive zu beobachten und herauszufinden, aus welchen Motiven ich Gefallen immer wieder annehme, kann mir helfen, mich zu behaupten", rät Kerstin Hof.

Eine Möglichkeit, wie man es schafft, nicht zum Mädchen für alles zu werden, ist es, Alternativen anzubieten. Diplomatisch, aber freundlich und bestimmt können Betroffene Grenzen ziehen und gleichzeitig die eigenen Prioritäten deutlich machen.

Mit Angeboten wie "Ich muss erst mein eigenes Projekt fertig machen, aber danach kann ich dir helfen", stößt man den Bittsteller nicht vor den Kopf und schafft sich trotzdem Luft, erst die selbst gesetzten Aufgaben zu erledigen.

Außerdem kann man die Folgen verdeutlichen, die entstehen können, wenn der Gefallen angenommen wird. "Ich bin nicht die qualifizierteste Person im Team" oder "Wenn ich diese Aufgabe übernehme, wird sich der Abgabetermin von meinem Projekt nach hinten verschieben" sind Möglichkeiten, dem Gegenüber deutlich zu machen, dass er lieber einen anderen Kollegen fragen soll.

Die Drama-Taktik

Hilft auch das nichts, kann dramatisiert werden. Sätze wie "Ich fühle mich bei dieser Sache sehr unwohl" zeigen dem Bittsteller, dass er es lieber an anderer Stelle versuchen soll. Eine weitere Option ist der sogenannte Spiegel, sprich dem gegenüber zu verdeutlichen, dass er den gewünschten Gefallen auch wunderbar selber ausführen kann.

"Ich kann dir da wirklich nicht helfen. Der Chef hat dir die Aufgabe und Verantwortung übertragen. Er hat sich sicher etwas dabei gedacht." Gespickt mit freundlichen Worten und der richtigen Portion Charme kann auch das zum Erfolg führen.

Forderung nach Gefallen

Kerstin Hof hat noch einen weiteren Tipp: Eine Analyse der Situationen, in denen der Arbeitnehmer um einen Gefallen gebeten wird. Kommt ein bestimmter Kollege immer wieder mit der Bitte, kleine Gefallen zu leisten, sei es Zeit für ein Gespräch. "Dann ist es notwendig, sich mit dem Gegenüber in einer ruhigen Minute auseinander zu setzen und klar zu sagen, dass es so nicht geht".

Dass das nicht von heute auf morgen erfolgt, sei klar. Aber nichts ist unmöglich, Schritt für Schritt kann sich der Arbeitnehmer stark machen und lernen, "Nein" zu sagen. "Wichtig ist, dass die eigene Arbeit nicht unter den Gefälligkeiten leidet und dass der Arbeitnehmer seine gesetzten Prioritäten verfolgen kann", betont Kerstin Hof. Wer das schafft, erhält Respekt und zeige Stärke und Profil vor dem Chef und den Kollegen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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