Doktortitel Neue Leitlinien für Promotionen

Deutschlands Rektoren ringen sich zu Positionen durch. Die sollen aber nur ein Arbeitspapier sein.

Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: MAST/Fotolia

In Rechtfertigungsnot
 
Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass die Universität Bayreuth ihren berühmtesten Ex-Doktoranden zum berühmtesten Ex-Doktor gemacht hat: Der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte in seiner Doktorarbeit massiv abgekupfert. Und gab nicht nur seinen "Dr." zurück, sondern kurz darauf wegen des massiven Drucks der Öffentlichkeit auch sein Amt.

Der einzige ertappte Sünder blieb er freilich nicht, etliche Politiker folgten.

Aufgeschreckt haben die Plagiatsfälle aber nicht nur die Öffentlichkeit. Auch die Professoren der deutschen Universitäten mussten sich plötzlich rechtfertigen – zum Beispiel dafür, warum Schmalspurarbeiten nicht auffallen, warum Professor und Verfasser im stillen Kämmerlein Absprachen treffen können und warum es immer noch ein Gebot des Hochschulbetriebs ist, dass mehr Doktoranden mehr Prestige bedeuten, auch wenn ein Professor sie gar nicht betreuen kann.

Neue Leitlinien

Nun haben sich auch Deutschlands Hochschulrektoren zu neuen Leitlinien für die Promotion durchgerungen. Darin fordern sie transparente Zulassungsverfahren, eine gute Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses und eine eidesstattliche und damit strafrechtlich ahnbare Versicherung, dass der Autor sich nicht fremden Materials bedient hat.

Allerdings hat sich der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, kurz HRK, Horst Hippler, direkt nach seiner Wahl davon distanziert. Hippler, hauptamtlich Chef des Karlsruher Instituts für Technologie, sagt, er sei entschiedener Gegner einer verpflichtenden eidesstattlichen Versicherung für Doktoranden.


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"Sehen Sie das bitte als Arbeitspapier", sagte er der Agentur dpa. Rechtlich verbindlich sind die Leitlinien ohnehin nicht. Dabei ist die Idee, dass Doktoranden statt einfacher Erklärung eine eidesstattliche Versicherung abgeben, weder neu noch abwegig. Einige Universitäten verlangen das schon. Hippler hält es aber für sehr schwierig, wenn "jeder Promovierende erstmal unter Generalverdacht gestellt wird."

Das sehen die Rektoren der Unis in Bayern offenbar anders. Sie haben schon im Herbst in einer Erklärung die eidesstattliche Versicherung und den Einsatz von Plagiatssoftware empfohlen sowie eine transparente Dokumentation der Betreuung und nachvollziehbare Kriterien, wann und wie ein Doktorand angenommen wird.

Weil das an vielen Unis noch immer Doktorvater und Schützling allein verhandeln, gibt es auch keine Zahlen, wie viele Doktoranden hierzulande forschen.

Fehlanreize vermeiden

In den bayerischen Empfehlungen findet sich ein weiterer Absatz, zu dem sich die Rektoren deutschlandweit offenbar nicht durchringen konnten. Denn die bayerischen Rektoren sind sich bewusst, dass es problematisch sein kann, wenn Gehaltszulagen des Professors oder ein Teil der Lehrstuhlfinanzierung auch von der Zahl seiner Doktoranden abhängt.

Sie empfehlen das zu prüfen, um "Fehlanreize zu verhindern". In den Leitlinien der HRK heißt es hingegen nur, dass eine gute Betreuung nur dann möglich ist, wenn ein Professor eine "angemessene Zahl" von Doktoranden hat.

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