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Diversity Jugendwahn ist out

Das Finanzinstitut ING-Diba heuert Azubis an, die älter als 50 sind.

Claudia Obmann | , aktualisiert

Jugendwahn ist out

Diversity rockt: Ältere Angestellte können neuen Schwung ins Unternehmen bringen.

Foto: Tommaso Lizzul/Fotolia.com

Schon 18 Monate arbeitslos zu sein – das setzte Roland Wick zu. Doch dann stieß der ehemalige Angestellte eines Textilgroßhandels auf eine Anzeige der ING-Diba, in der die Bank ältere Arbeitslose für ihr Programm "Azubi50+" suchte. Wick bewarb sich online, binnen drei Tagen kam die Einladung zu Vorstellungsgespräch und Auswahltest, die er bestand. Lernwille, Energie und Flexibilität legte der damals knapp 50-Jährige ausreichend an den Tag.

Gelebte Diversity

"Gute Arbeit ist unabhängig vom Alter", ist Matthias Robke überzeugt. Der Personalleiter der ING-Diba stellt sich seit längerem auf den demografischen Wandel ein und setzt dabei auf Mitarbeiter, die andere Arbeitgeber verschmähen. "Der Jugendwahn hat sich überlebt", findet er und ergänzt: "Wir setzen ganz bewusst auf eine vielfältigere Belegschaft."

Daher prüft Robke, wie sich Mütter, Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund beschäftigen lassen. "Vor allem ein gesunder Altersmix ist uns wichtig." Gerade erst hat Robke eine 61-Jährige eingestellt. "Ältere Kollegen sind meist loyaler und auch ausgleichender als jüngere", beobachtet der Personalchef. Und auf die Frage, ob irgendwann damit zu rechnen sei, dass die Bank auch Azubis über 70 einstellt, antwortet er: "Ja, dafür sind wir offen."

Natürlich sieht eine Ausbildung für reifere Semester mit kaufmännischer Grundausbildung und Berufserfahrung anders aus als für Teenager, die sich zum Beispiel für die Lehre als Bankkaufmann entscheiden. Allein schon, weil die Ausbilder meist jünger als ihre Schüler sind.

Das Training zum "Bank-Assistenten", das sich hinter "Azubi50+" verbirgt, ähnelt daher auch mehr einem Crashkurs. Ein Jahr lang lernte Roland Wick je vier Tage in der Woche beim Geldinstitut, einen Tag pro Woche besuchte er dann die IHK-Berufsschule, allerdings nicht zusammen mit 16- oder 17-jährigen Azubis. "Das war eher ein Auffrischen bekannter Themen für mich", sagt Wick. Dennoch gab's auch für den gelernten Bankkaufmann, Neues zu lernen – etwa wie die Computerprogramme zur Berechnung von Baudarlehen bedient werden oder wie sich Kunden seriös am Telefon zur Immobilienfinanzierung beraten lassen.

Außerdem gibt es während der Ausbildungszeit ein Gehalt. Das liegt höher als das eines klassischen Azubis, denn die bisherige Berufserfahrung rechnet die ING-Diba an.

"Das Programm Azubi 50+ ist eine wunderbare Chance für ältere Arbeitssuchende", sagt der heute 52-jährige Wick. "Karriere zu machen" ist ihm nicht wichtig. Auf eine Leitungsfunktion kommt es dem Banker nicht an. Homeoffice geht für Callcenter-Mitarbeiter aufgrund der Datensicherheitsaspekte nicht, aber Teilzeit ist drin. Die Abbruchquote der Älteren? Liegt weit unter der von jungen Auszubildenden. Wick weiß warum: "Ein neuer Job ist Motivation genug. Es könnte die letzte Chance sein."

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