Diskriminierung Wenn der Name über die Karriere entscheidet

Unternehmen bevorzugen Bewerber mit deutsch klingenden Namen. Auch angehende Azubis mit ausländischen Namen haben schlechtere Chancen. Und selbst bei den Jobcentern haben Menschen mit deutschen Namen bessere Karten.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Wenn der Name über die Karriere entscheidet

Diskriminierung 2

Foto: mast3r / Fotolia.com

Rund 9,62 Millionen Deutsche haben im engeren Sinne einen Migrationshintergrund. Und damit ein Problem: wenn sie einen türkisch, polnisch oder anderweitig ausländisch klingenden Namen haben, haben sie nämlich deutlich schlechtere Chancen als die anderen 72,81 Millionen Einwohner der Bundesrepublik. Sie haben schlechtere Chancen auf dem Wohnungsmarkt, tun sich bei der Jobsuche schwerer und bekommen schwieriger einen Ausbildungsplatz als die Konkurrenten Meier, Müller oder Schulz. Das zeigt unter anderem eine Studie des Forschungsbereichs des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).

Für die Studie wurden 3600 Bewerbungen untersucht. Dabei haben sich je zwei gleich gut qualifizierte Bewerber auf einen Ausbildungsberuf als Kfz-Mechatroniker und Bürokaufmann beworben. Einer hatte einen deutschen, der andere einen türkischen Namen. Die Rückmeldungen zeigten: Um zu einem Gespräch eingeladen zu werden, musste der Bewerber mit deutschem Nachnamen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Nachnamen hingegen sieben. Bei den Bewerbungen auf eine Stelle als Kfz-Mechatroniker war die Benachteiligung stärker spürbar.

"Einen wichtigen Einfluss auf das Ausmaß der Ungleichbehandlung hat die Unternehmensgröße: Die Diskriminierungsrate ist bei kleinen Firmen mit weniger als sechs Mitarbeitern deutlich höher als bei mittleren und großen Unternehmen", sagte Studienautor Jan Schneider.

Auch Jobcenter diskriminieren

Auch in den Jobcentern Deutschlands scheint zu gelten: Es ist besser, Schulz oder Schmidt zu heißen als Çakmak oder Kusnezow. Das haben Anselm Rink vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Johannes Hemker von der Columbia University in einem Experiment herausgefunden. Dafür verschickten Sie E-Mails von deutsch, türkisch und rumänisch klingenden Absendern an alle 408 deutschen Jobcenter und stellten Fragen zum Thema Hartz IV.

Die vermeintlichen Absender variierten außerdem in ihrer Berufsbezeichnung, Geschlecht und dem Sprachstil.

In den Mails fragten die potenziellen Antragsteller, welche Unterlagen für eine Antragstellung beim Arbeitslosengeld II benötigt würden und ob auch Unterlagen von Familienangehörigen für den Antrag wichtig seien.

Das Ergebnis: Die Jobcenter beantworteten alle E-Mails, aber die Fragesteller mit ausländischen Namen erhielten häufiger unzureichende und weniger detaillierte Informationen. Jobcenter unter kommunaler Verwaltung schnitten dabei deutlich schlechter ab als Jobcenter, die direkt der Bundesagentur für Arbeit unterstellt sind. Gleichermaßen schnitten westdeutsche Behörden schlechter ab als ostdeutsche Behörden. Wären die Fragesteller echt gewesen, hätten sie anhand der Informationen, die man ihnen gab, keinen korrekten Antrag auf Hartz IV stellen können.

Man könnte beide Studien so zusammenfassen: rund zehn Millionen Deutsche haben nicht nur schlechtere Jobchancen, ihnen wird auch noch der Antrag auf Grundsicherung verwehrt, wenn sie deshalb länger arbeitslos sind.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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