Digitalisierung Zeugnis für Personaler fällt schlecht aus

Ob die Digitalisierung eines Unternehmens klappt, ist keine Frage der Software, sondern der Menschen. Das bedeutet für Personaler noch mehr Herausforderungen bei der Fachkräftesuche. Das nimmt aber nicht jeder ernst.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Zeugnis für Personaler fällt schlecht aus

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Foto: pathdoc/Fotolia.com

Bei der Digitalisierung geht es vor allem um eins: den Menschen. Das fängt mit dem Kunden an, den die Technik befähigt, Dinge zu tun, wofür er früher die Hilfe anderer Menschen brauchte: Statt sich im Reisebüro beraten zu lassen, bucht er Hotel, Flug und Mietwagen jetzt online.

Statt zum Bankschalter zu gehen, erledigt er seine Bankgeschäfte per App. Entsprechend will er auch die Fliesen für sein neues Badezimmer per Smartphone bestellen, anstatt in den Baumarkt zu fahren und den günstigsten Handwerker möchte er ebenfalls online beauftragen.

Auf der anderen Seite stehen wiederum Menschen, die diese Kundenbedürfnisse befriedigen müssen – die Webseiten für Smartphones optimieren, Marketingmodelle und Vertriebswege verändern, neue Produkte erfinden, herstellen und dem Kunden nach Hause bringen.

Personalabteilungen werden Anforderungen nicht gerecht

Um Technik geht es eigentlich erst im zweiten Schritt – nämlich bei der Umsetzung. Entsprechend sollte bei aller Diskussion um Digitalisierung und Disruption auch der Mensch im Vordergrund stehen. Und zwar nicht nur der Kunde, sondern auch die Menschen in Unternehmen.

Doch so richtig tun sie das leider nicht. So stellen 79 Prozent der Führungskräfte fest, dass sich ihre Mitarbeiter individuelle Karriereoptionen für das digitale Zeitalter wünschen. Was gut ist. Ohne lebenslanges Lernen wird es nicht mehr gehen.

Allerdings sehen zwei Drittel der Befragten die eigene Personalabteilung aktuell nicht in der Lage, diesen Wünschen mit entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen nachzukommen. Dies sind zumindest die Ergebnisse der Umfrage "Human Resources in der digitalen Transformation" der Management- und HR-Beratung metaBeratung.

Das hat zweierlei Konsequenzen: Fähige Köpfe verlassen das Unternehmen beziehungsweise bewerben sich dort erst gar nicht. Und denen, die bleiben, fehlen die notwendigen Fähigkeiten. "Bieten Unternehmen dem Mitarbeiterkreis heute keine attraktiven und zeitgemäßen Entwicklungsperspektiven, werden geeignete Mitarbeiter fehlen, um die komplexen Aufgaben des digitalen Wandels meistern zu können", wie Rainer Neubauer, Geschäftsführer der metaBeratung sagt.

Laut Neubauer und seinem Team müssten Personalabteilungen nun vor allem Folgendes tun:

  • Potenzialanalysen anstellen und Potenziale fördern,
  • feststellen, was das Unternehmen braucht und was an Potenzialen und Kompetenzen da ist,
  • persönliche Entwicklungsziele der Mitarbeiter mit dem betrieblichen Bedarf abgleichen,
  • interne HR-Prozesse digitalisieren, um das Bewerbungsmanagement zu verbessern und die Passgenauigkeit von Stelle und Bewerber zu erhöhen,
  • Weiterbildung der Mitarbeiter transparenter und effektiver gestalten.


Doch wie beurteilen eigentlich die vielgescholtenen Personalabteilungen ihre Arbeit? Das wollte das Beratungsunternehmen für HR-Management, Pomerit, wissen und hat bei deutschen Personalleitern nachgefragt. Unter den mehr als 120 Personalvorständen waren auch 21 Personalleiter aus Dax-Konzernen vertreten.

Große Herausforderungen

Und auch diese Umfrage belegt: Die Personalabteilungen in Deutschland sind nicht fit für die im Zusammenhang mit der Digitalisierung entstehenden Herausforderungen. Besonders bei den internen Prozessen ist von Digitalisierung nichts zu spüren, hier herrscht Excel.

Das geben die Personaler auch selber zu: Aus einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch) liege das eigene Digitalisierungspotenzial bei 4,0, am schlechtesten stehe es um die Recruitingprozesse. Hier wird quasi noch per Zeitungsannonce gesucht.

Auch beim "Führen virtueller Teams", der "Transparenz von Information und Kommunikation" oder der "positiven Fehlerkultur" stellen sich die Personaler kein gutes Zeugnis aus. Da muss etwas passieren, wie auch Pomerit-Gründer Kai Anderson sagt. "Die Human Digitalisation wird das wichtigste Handlungsfeld für HR in den kommenden Jahren sein."

Aber immerhin: Die Selbsterkenntnis ist schon einmal vorhanden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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