Die Stehaufmännchen-Taktik

Werfen Sie Absagen nicht weg - so ergattern Sie womöglich doch noch eine Stelle.

Britta Domke | , aktualisiert

Zitternde Finger reißen den Umschlag auf. Ist das die ersehnte Einladung zum Vorstellungsgespräch? Immerhin - die Bewerbungsmappe haben sie nicht zurückgeschickt. Ein gutes Zeichen! Schnell den Brief überfliegen. Oh verdammt, nicht schon wieder. "... müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir zurzeit keine für Sie geeignete Position bla bla bla."

Auch wenn Absagen für Bewerber frustrierend sind: Der Bescheid sollte jetzt auf keinen Fall im Mülleimer landen. Denn Absagen können - so absurd das klingt - der Schlüssel zur Stelle sein. Vorausgesetzt, man liest sie bis zum Ende.

Oft genug signalisieren Unternehmen einem interessanten Bewerber: Wir haben zwar momentan keinen Job für Sie, würden Sie aber gerne kennen lernen, sobald sich die Stellensituation ändert. Etwa, wenn in ein paar Monaten ein neuer Geschäftsbereich aufgebaut werden soll. Wer so etwas für leeres Gerede hält, den belehrt der Berliner Personalberater Claus Peter Müller-Thurau eines Besseren. Er sieht eine momentane Absage nicht als Niederlage, sondern als Teilerfolg. "Wenn ein Unternehmen so etwas ausdrücklich sagt, ist das ein Kompliment, und das sollte man als Brücke in die Zukunft nutzen."

Auch die Münchener Karriereberaterin Gitte Härter weiß von Unternehmen, die Unterlagen vielversprechender Bewerber aufbewahren. "Es kommt vor, dass Kandidaten die Probezeit nicht überstehen. Und dann greift man gerne auf die zweite Wahl zurück." Aber nur, wenn die abgelehnten Bewerber sich nicht in die Schmollecke zurückziehen. Jetzt heißt es: dranbleiben, Interesse zeigen, Kontakte pflegen. Das kommt auch beim Gothaer Konzern gut an. Er nimmt besonders interessante Kandidaten in einen Bewerberpool auf, sofern sie einverstanden sind. "Am besten sind die Chancen bei denen, die sich immer mal wieder bei uns melden", berichtet Personalreferentin Patricia Klugmann. "Dann bleibt der Name einfach hängen."

Auf die richtige Dosierung kommt es an: Wer alle zwei Wochen nachfragt, wann denn endlich eine Stelle frei wird, macht sich bei Personalern nicht beliebt. Härter empfiehlt stattdessen, sich in etwa halbjährlichen Abständen mit einem Hallo-ich-bin-immer-noch-an-einer-Stelle-interessiert-Anruf in Erinnerung zu bringen - "aber bitte auf eine unaufdringliche Art".

Aber was, wenn in der Absage nirgendwo die Rede ist von "erneut bewerben" oder "Unterlagen behalten"? Schlaue Stellensucher lernen aus einer Abfuhr für die nächste Bewerbung. "Wenn Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen waren, dann fragen Sie telefonisch nach, insistieren Sie, lassen Sie sich nicht mit netten Worten abspeisen", empfiehlt Berater Müller-Thurau. Gerade bei Novizen im Jobleben, die sich im Interview um Kopf und Kragen geredet haben, seien Personaler gerne bereit, ein paar hilfreiche Tipps zu geben.

Doch von den meisten abgelehnten Bewerbern höre er nach dem Vorstellungsgespräch nie wieder etwas. "Wenn ich acht Leute einlade, dann ruft hinterher höchstens einer an. Die anderen schleichen beleidigt vom Hof." Schade eigentlich, findet der Personalberater. "Genau das macht doch Sozialkompetenz aus. Wir brauchen Leute, die sich auch mal den Spiegel vorhalten lassen." Wie Unternehmen absagen

Es gibt frustrierende Absagen - und Absagen, die Hoffnung machen. Wie die folgenden Sätze, die aus authentischen Absageschreiben stammen. Alle Unternehmen betonen: Wem wir so etwas schreiben, den finden wir klasse. Und stellen ihn zu einem späteren Zeitpunkt gerne ein.

"Ihr Einverständnis vorausgesetzt, werden wir Ihre Eckdaten im Haus behalten, um bei einer für Sie möglicherweise interessanten Vakanz wieder auf Sie zukommen zu können. Sollten Sie mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden sein, bitten wir Sie um eine kurze Information. (...) Es würde uns freuen, wieder von Ihnen zu hören, wenn eine unserer nächsten Ausschreibungen Sie besonders ansprechen sollte." | Kienbaum Executive Consultants |

"Vielen Dank für Ihre neuerliche Bewerbung in unserem Hause. Leider hat sich die Lage in den vergangenen zwölf Monaten nicht grundlegend verändert. Das heißt, wir haben nach wie vor keine Möglichkeit, Ihnen eine Stelle anzubieten. Sie können mir glauben, dass ich dies ausdrücklich bedauere, weil mich Ihr nachhaltiges Interesse an unserem Hause sehr beeindruckt. (...) Aus diesem Grund erlaube ich mir, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, Ihre Bewerbungsunterlagen zu behalten. Vielleicht ändert sich ja auch bei uns einmal die Personalsituation." | Remscheider General-Anzeiger |

"Ihr Einverständnis vorausgesetzt, würden wir dennoch gerne den Kontakt zu Ihnen aufrecht erhalten - die Dynamik der Entwicklungen innerhalb unserer Konzerngesellschaften schafft ständig neue interessante Perspektiven, die uns langfristig vielleicht doch noch einmal zusammenführen werden." | Rheinmetall |

"Auch wenn wir im Moment nicht miteinander arbeiten werden - lieber Herr xy - man sieht sich immer zweimal im Leben - und Sie haben ja versprochen, sich wieder bei uns zu melden. Bitte entscheiden Sie, ob wir Ihre Unterlagen hier behalten dürfen." | bmp Aktiengesellschaft

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