Die richtige Bewerbung Klare Strukturen im Lebenslauf

Im Lebenslauf ist kein Platz für Versprechen, Selbsteinschätzung oder Eigenlob. Streichen Sie alles, was die klare Sicht auf Ihren Jobanspruch versperrt, rät Bewerbungsberater Gerhard Winkler.

G. Winkler, A. Diepen | , aktualisiert

Wirft man Tortellini in einen Topf, steigen sie al dente nach oben. Wirft man Bewerber in einen Topf, so lassen sich die Leichtgewichte sofort abschöpfen. Übrig bleiben diejenigen, die konkrete Argumente haben. Beim schriftlichen Bewerben addieren sich nur Ihre harten Argumente zu Ihren Gunsten, keineswegs aber Ihre Versprechungen, Selbsteinschätzungen oder gar Ihr Eigenlob. Dies gilt vor allem für den Lebenslauf, der auf zwei bis drei Seiten (nur für Berufserfahrene) Ihre wesentlichen Leistungs- und Stammdaten zur Blitzauswertung präsentiert. Die Bausteine sind stets Zeitangaben und Funktionen - vor allem Hauptwörter, die Anschauliches benennen. In der schriftlichen Bewerbung ist verbales Auftrumpfen eine Bankrotterklärung. Nichts macht Ihren Lebenslauf stärker als das Auswählen und Abschmelzen der Daten: Sie machen sich keine unnötige Arbeit und demonstrieren Ihre effiziente Arbeitsweise. Sie arbeiten damit dem Rekrutierer zu, so dass er seinen Job flott besorgt. Sie beweisen, dass Sie alle zu einer Entscheidungsfindung wesentlichen Fakten so auswählen, gliedern und vorlegen, dass die Auswertung geradezu Spaß macht.

Das Fazit zieht der Personaler

Sie kommen sofort zur Sache - gegenüber einem Personenkreis, der leider allzu oft dazu tendiert, Bewerber eher als zeitfressende Nervensägen wahrzunehmen. Sie respektieren die Aufgabenteilung. Bewerber legen vor, Rekrutierer ziehen das Fazit. In Ihren Lebenslauf holen Sie darum alles hinein, was für Ihre aktuelle Eignung spricht. Er ist eine vollständige Präsentation, die solo zu bestehen hat. Alle Zeugnisse belegen nur die Wahrheit Ihres Claims. Und das sind Ihre Leitfragen beim Design eines tabellarischen Lebenslaufs:.
1. Verweist der Eintrag auf meine aktuelle Kompetenz? Dann unterfüttere ich ihn sogar mit Zusatzinformationen zu Aufgaben, Pflichten, Leistungen oder Erfolgen.
2. Hat der Eintrag etwas mit einer Institution, Organisation, Firma zu tun? Dann nenne ich deren Ort und vollständigen Namen.
3. Füllt mein Eintrag eine Lücke, die sonst zeitlich nicht dokumentiert ist? Rein damit.
4. Trägt ein Eintrag nichts zur Erhellung des Personalers über meine Arbeits- und Lernleistungen, mein Wissen und Können, mein Engagement bei? Dann fliegt er aus dem CV.
Auch Aussagen wie "Sicheres Beherrschen von MS Office, MS Photo Editor sowie Internet" sollten Sie vermeiden: Sicheres Beherrschen ist eine Selbstbewertung. MS Photo Editor verweist nicht auf professionelle Bildbearbeitung. Internet erinnert fatal an Schlamassel: Praktisch jeder war schon mal drin und viele kommen im Leben nicht mehr raus. Mit "Web-Recherche, Redaktion einer Homepage, Bildbearbeitung" kann man unter dem Stichwort Berufliche Praxis einen Eintrag zu einem Studi-Job sinnvoll unterfüttern. Auch Informationen wie "MS Office, Adobe Photoshop, Typo3 CMS System" passen gut zur Überschrift Kenntnisse und Fähigkeiten. Zu diesen beiden Rubriken kommen weitere: Persönliche Daten, Berufserfahrung, Studium, Ausbildung, Weiterbildung, Engagement, Publikationen - nicht jede dieser Überschriften trifft auf Sie zu, aber mehr Überschriften brauchen Sie in keinem Fall.

Rotstift ansetzen

Als knallharter Revisor streichen Sie jedes Wort, das die klare Sicht auf Ihren Jobanspruch versperrt:.
- die Überschrift: Jeder Personaler weiß, dass es sich um einen Lebenslauf handelt, das brauchen Sie nicht extra darüber zu schreiben.
- die Gestaltungselemente: Quer- und Längslinien, Symbole.
- alle Angaben der linken Seite, die erklären, um was für Daten es sich handelt: Name, Anschrift, Telefon.
- alles, was Sie in Kopf- oder Fußzeilen platzieren: Doppel der Adressdaten.
- Name, Beruf des Partners; Name der Kinder; Beruf der Eltern.
- Religion, Nationalität, Familienstand - außer, es sind echte Argumente; verheiratet ist immer ein Argument.
- tote Sprachen - es sei denn, Sie brauchen sie im Job.
- Hobbys und Interessen ersetzen Sie durch nachweisbares Engagement, Vereinsaktivitäten, Mitgliedschaften.
- Halbsätze, Adjektive, Erläuterungen, Kommentare wie zum Beispiel betriebsbedingte Kündigung.
- für Berufserfahrene: Uralt-Weiterbildungen, Praktika, Studi-Jobs.
Der Lebenslauf ist eine Präsentation und kein Formular. Was am meisten für Sie spricht, rückt so weit nach vorn wie möglich. Darum ist es auch keine Frage: Ihr CV ist umgekehrt chonologisch. Das heißt, er beginnt mit Ihrer aktuellen Station und endet mit der Schulzeit. Ausnahme: Sie sind derzeit arbeitslos oder nehmen eine (Familien-)Auszeit vom Beruf.

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.com

Was Personaler nervt

"2006 haben sich 39.000 Menschen bei uns beworben. Bei jeder Bewerbung schaue ich zuerst den Lebenslauf an. Er ist die Visitenkarte des Bewerbers. Dieser Eindruck sollte 100-prozentig stimmen. Es ist wichtig, dass ein Lebenslauf detailliert ist. Vor kurzem habe ich einen Lebenslauf gelesen, in dem der Kandidat bei seinen einzelnen Stationen nur die Funktionen aufgelistet hat. Das war eindeutig zu wenig. Denn ich wünsche mir, dass Bewerber zusätzlich Informationen über ihre Aufgaben auflisten und etwas über ihre Erfolge schreiben. Obwohl diese Bewerbung nicht optimal war, haben wir ein Telefoninterview mit dem Kandidaten durchgeführt, denn er war ein Spezialist. Leider hat das Gespräch meinen ersten Eindruck bestätigt, und der Mann hat die Stelle nicht bekommen. Es gibt aber auch viel zu lange Lebensläufe. Ein Bewerber mit vielen Jahren Berufserfahrung hat einen sechsseitigen CV geschickt, in dem er selbst die Grundschulzeit erwähnt hat. Das ist überflüssig. Auch die Erwähnung des Berufes der Eltern oder der Konfession sind nicht erforderlich. Manchmal stimmen die Daten nicht mit den Zeugnisdaten überein. Wenn ein Kandidat aber nicht sorgfältig schreibt, frage ich mich, mit welcher Genauigkeit er an seine beruflichen Aufgaben herangeht und ob er Prioritäten setzen kann."

Andrea Diepen ist Resourcing Specialist bei Vodafone D2.

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