Deutschlandstipendium So weit die Träume reichen

Herausragende Studenten werden zu den Fachkräften von Morgen – das ist der Grundgedanke des Deutschlandstipendiums. Das weltweit einzigartige Modell der öffentlich-privat finanzierten Spitzenförderung ist eine Erfolgsgeschichte.

Anne Ritter | , aktualisiert

So weit die Träume reichen

Träume Wirklichkeit werden lassen – das kann das Deutschlandstipendium.

Foto: Diorgi/Fotolia.com

Langbeinige Models schweben über den Laufsteg. Fotografen kämpfen um die beste Perspektive. Designer wie Marc Jacobs, Ralph Lauren oder Victoria Beckham unterhalten sich mit Branchengrößen wie der Vogue-Chefin Anna Wintour. Fashion-Blogger tippen erste Eindrücke in ihre Smartphones. Und mitten drin, im Trubel der New York Fashion Week, steht Vanessa Kalupa – sie fühlt sich aufgeregt, inspiriert und dankbar.

Ohne das Deutschlandstipendium hätte sich die 21-Jährige Studentin aus Hattingen das Auslandssemester am Berkley College in New York nicht leisten können. Vanessa Kalupa studiert Mode und Design im 4. Semester an der privaten Hochschule Akademie Mode und Design (AMD) in Düsseldorf.

Durch die Zeit in New York konnte sie Trends studieren: "Überall Menschen, die einen auffallenden Stil haben und mit ihrer Kleidung experimentieren – Menschen, die Mode lieben und leben!" Bereits zum zweiten Mal wurde ihr kürzlich das Deutschlandstipendium verliehen.

Was ist das Deutschlandstipendium?

Das Deutschlandstipendium ist Förderung und Auszeichnung zugleich. Es lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Privat plus Bund gleich 300 Euro. Das bedeutet: Jeder Stipendiat erhält 300 Euro im Monat, die zur einen Hälfte von Förderern aus der Wirtschaft und zur anderen Hälfte vom Staat bezahlt werden.

Seit 2011 fördern kleine und große Unternehmen, Privatpersonen, Stiftungen und Verbände gemeinsam mit dem Bund leistungsstarke und engagierte Studierende. Das Deutschlandstipendium ist das größte öffentlich-private Projekt im Bildungsbereich, das es jemals in Deutschland gab.

Rund 30 Millionen Euro zusätzlicher Fördermittel für Bildung konnten bislang eingeworben werden. Bereits im Startjahr beteiligten sich 2.000 Förderer mit 5.400 Stipendiaten. Im zweiten Jahr haben die Hochschulen schon 14.000 Stipendien vergeben – damit hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt. Diese Anzahl entspricht der Hälfte der zwölf Begabtenförderungswerke, die zum Teil über Jahrzehnte aufgebaut wurden.

Annette Schavan, die das Deutschlandstipendium damals als Bildungsministerin eingeführt hat, sieht schon im Jahr 2012 den positiven Trend: "Bildungsförderung durch Private hat in Deutschland noch keine Tradition. Aber das ändert sich. Die Weichen sind richtig gestellt." Zum zweiten Geburtstag des Deutschlandstipendiums im Mai 2013 bestätigt das die amtierende Bildungsministerin Johanna Wanka: "Wir haben eine unwahrscheinliche Dynamik."

Das Deutschlandstipendium soll allen Studierenden offen stehen. Kriterien sind hervorragende Leistungen, gesellschaftliches Engagement und persönliche Lebensumstände, wie die Überwindung von Hürden in der Bildungsbiografie. Die Förderung dauert in der Regel mindestens zwei Semester und umfasst maximal die Regelstudienzeit. Jeweils nach einem Jahr können die Stipendiaten sich um eine Verlängerung bewerben.

Wie läuft die Bewerbung?

Gesucht werden junge Talente aller Nationalitäten, die Herausragendes leisten. Dabei sind die schulischen Erfolge oder die Leistungen an der Universität entscheidend. Aber nicht nur. "Es honoriert bürgerschaftliches Engagement, es unterstützt leistungsstarke Studierende – leistungsstark nicht nur hinsichtlich eines Notenspiegels", so Johanna Wanka. Auch wer sich wie Vanessa Kalupa in der Kirchengemeinde engagiert, sollte sich bewerben. Wer ein Familienmitglied pflegt, wer dem kleinen Bruder Nachhilfe gibt, wer im Sportverein aushilft – all das sind soziale Tätigkeiten, die bei der Bewerbung für das Deutschlandstipendium positiv auffallen.

Die Teilnahme läuft direkt über die Hochschulen – jede zweite von drei Hochschulen in Deutschland macht mit. Im Einzelnen informiert jede Hochschule über die Zugangsvoraussetzungen und das Verfahren, ebenso wie über die Anzahl der bereitgestellten Stipendien. Das Gesetz stellt sicher, dass die Stipendien, auch soweit sie zweckgebunden sind, gleichmäßig auf die Fachbereiche verteilt sind.

Für alle Beteiligten springt etwas heraus: Die Hochschulen, vernetzen sich besser mit den Wirtschaftsunternehmen am Standort. Die Förderer können ihr Image aufpolieren, und dabei talentierten Nachwuchs rekrutieren. Und die Stipendiaten profitieren von der finanziellen Unterstützung sowie den Kontakten zu potenziellen Arbeitgebern.

An der Akademie für Mode und Design Düsseldorf hat man in diesem Jahr 14 Stipendien vergeben. Die Anzahl konnte im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht werden. "Wenn die Messlatte hoch ist, dann strecken sich die Studierenden danach", sagt Elisabeth Hackspiel-Mikosch, Stipendienbeauftragte an der AMD Düsseldorf. Der Erfolg des Stipendiums zeigt, dass branchennahe Unternehmen wie Karstadt, Marc o‘ Polo und Peek & Cloppenburg die Möglichkeit nutzen – um den Nachwuchs zu fördern. Und die Hochschulen können so ein eigenes Profil entwickeln.

Von der Uni in den Job

Es ist kein Zufall, dass das Deutschlandstipendium als eine Strategie im Employer Branding betrachtet wird: "Mit dem Deutschlandstipendium fördern wir besondere Talente, denen wir anbieten möchten, Karstadt als vielfältiges und modernes Unternehmen kennenzulernen", erklärt Janina Volmer, Head of Talent Management. Vanessa Kalupa macht momentan zum Beispiel ein Praktikum im Einkauf bei ihrem Förderer Karstadt.

Das Unternehmen vergibt in diesem Jahr 15 Deutschlandstipendien. Große Konzerne wie die Telekom, Evonik oder Bayer spendieren sogar mehrere 100 Stipendien pro Jahr. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen oder sogar Privatpersonen können sich mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand an der Spitzenförderung der deutschen Hochschulen beteiligen.

Doch sollte der Bund sich wirklich für die Eliteförderung stark machen, obwohl doch seit Jahren mehr Chancengleichheit gefordert wird? "Ich halte überhaupt nichts davon, dass man Breitenförderung und Spitzenförderung gegeneinander ausspielt", meint Johanna Wanka. Auch ifo-Bildungsökonom Ludger Wößmann ist überzeugt: "Wir brauchen Spitzenförderung!" Auch wenn das Wort "Elite" in Deutschland noch immer einen Beigeschmack habe.

Die erste statistische Auswertung hat gezeigt, dass rund ein Viertel der Stipendiaten zusätzlich zum Deutschlandstipendium auch Bafög beziehen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung legt das positiv aus: „Befürchtungen, das Stipendienprogramm fördere lediglich Studierende aus bessergestellten Elternhäusern, erwiesen sich somit als grundlos.“

Trendsetterin

Vanessa Kalupa blickt dank des Stipendiums äußerst positiv nach vorne: Ihre Noten haben sich noch mehr verbessert, weil sie nun weniger nebenbei jobben muss und sich mehr auf das Lernen konzentrieren kann.

"Mit großem Ehrgeiz strebe ich nun dem nächsten Ziel entgegen: das Studium erfolgreich abzuschließen." Danach möchte sie Modetrends erforschen und bestimmen – vielleicht auch auf der New York Fashion Week.

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