Der Kopf entscheidet Von Sportlern lernen

Sie haben einen straffen Trainingsplan, sind auf den Punkt topfit und wissen, dass am Ende der Kopf über Sieg und Niederlage entscheidet: Von Spitzen- und Extremsportlern kann man auch fürs Studium und den ersten Job viel lernen.

Diana Fröhlich | , aktualisiert

Mentale Vorbereitung

Vor einem Wettkampf mache ich mir im Kopf bewusst, was ich erreichen will, welche Möglichkeiten ich habe und wie ich das alles realistisch umsetzen kann." Caja Schöpf ist eine der besten Freestyle-Skifahrerinnen der Welt und weiß, dass sie es nur auf das Siegertreppchen schafft, wenn neben der körperlichen Fitness auch die mentale Vorbereitung stimmt. Direkt vor einem wichtigen Lauf schottet sich die 24-Jährige deshalb komplett ab, konzentriert sich auf die Bewegungen und geht all ihre Tricks noch mal im Kopf durch. Warum? "Damit ich während der kurzen Zeit im Schnee nicht mehr groß nachdenken muss und einfach meine Leistung abrufen kann", sagt Schöpf.

Extremsportler lieben das Risiko und wissen, dass ein Unfall sie jederzeit aus der Bahn werfen kann. Sie fahren außerhalb künstlich angelegter Pisten, surfen durch meterhohe Wellen, lassen sich mit dem BMX-Rad auf waghalsige Stunts ein. Deshalb bereiten sie sich - körperlich und geistig - gründlich auf ihren Wettkampf vor. Caja Schöpf sagt sogar, dass sich ein Wettkampf im Kopf entscheidet: "Ich muss mir bewusst sein, was ich erreichen will."

Auf den Punkt vorbereitet sein

Ob im sportlichen Wettkampf oder vor einer wichtigen Prüfung an der Uni oder im Job: Gewonnen wird im Kopf, sagt Florian Mortan. Der Autor des Buchs "Bestanden wird im Kopf! Von Spitzensportlern lernen und jede Prüfung erfolgreich bestehen" sagt, dass Prüfungskandidaten und Leistungssportler zumindest auf den zweiten Blick sehr viel gemeinsam haben: Sie müssen an einem festgelegten Tag fit und optimal vorbereitet sein, stehen also unter großem Zeitdruck. Und für beide steht häufig viel auf dem Spiel. Wer scheitert, dem entgeht die Siegprämie, die Beförderung oder die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung.

Gutes Material haben andere auch - die mentale Fitness entscheidet

In seinem Ratgeber stellt Mortan die verschiedenen Erfolgsstrategien und Techniken ehemaliger Spitzensportler vor. Auch Nicolaus von Rupp, heute einer der besten Nachwuchssurfer der Welt, setzt auf mentales Training. Denn nur gutes Material, eine körperliche Fitness und Talent reichen nicht aus. "Das haben meine Konkurrenten doch heute alle", sagt er. Was am Ende den Erfolg ausmacht, sei eben der Kopf: "Ich nehme mir vor jedem Wettkampf eine halbe Stunde Zeit, um die Meeresströmungen zu lesen. Dann werde ich eins mit dem Meer."

Und was können Prüfungskandidaten von Spitzen- und Extremsportlern lernen? Dem Leiter des Psychologischen Instituts der Deutschen Sporthochschule Köln, Jens Kleinert, fallen spontan drei Dinge ein: Planungsfähigkeit, Stressregulation, Selbstgespräche. "Sportler sind sehr organisiert. Sie bereiten sich konsequent auf einen Termin vor und halten Trainingspläne ein", sagt er.

Tägliches Training zählt

Wer dagegen für eine Klausur lernt, lässt es gerne mal einen Tag lang schleifen. Für einen Sportler wäre dies fatal. Für ihn ist es wichtig, täglich zu trainieren.

Zudem können Sportler ihr Können meist besser einschätzen, da sie sich regelmäßig in Wettkämpfen oder im Training testen. Das sollten auch Menschen tun, die vor einer wichtigen Prüfung stehen. Der Rat des Sportpsychologen: "Wer für etwas lernt, sollte sich zum Beispiel jeden Montagmorgen ehrlich fragen: ,Wo stehe ich, was kann ich wirklich?'" Kleine Tests, sich von Freunden abfragen lassen oder den Eltern den komplizierten Sachverhalt am Telefon erklären - mit Hilfe dieser Methoden kann man sich von den eigenen Fähigkeiten überzeugen.

Wer nervös ist, sollte sich die gute Vorbereitung vor Augen führen

Und welche Techniken gibt es noch, um sich optimal auf eine Prüfung oder einen sportlichen Wettkampf vorzubereiten? Zunächst sollte jeder für sich klären, welcher Typ Mensch er ist. "Wer zu locker an etwas herangeht, muss sich anders vorbereiten als ein aufgeregter, nervöser Typ", erklärt Kleinert. Ersterer sollte sich vor Augen führen, wie wichtig die nächste Klausur ist und sich der Konsequenz bewusst sein, die ein Scheitern mit sich bringen würde. Und wie sieht die körperliche Vorbereitung für ihn unmittelbar vor der Prüfung aus? "Er könnte beispielsweise die Muskeln anspannen. Bobfahrer zum Beispiel schlagen sich oft mit der flachen Hand auf den Oberschenkel. Sie steigern damit ihre Anspannung." Wer vor Prüfungen dagegen zu aufgeregt oder nervös ist, muss sich entspannen und sich immer wieder vor Augen führen, wie gut die Vorbereitung in den letzten Wochen und Monaten gelaufen ist. "Augen schließen und sich an erfolgreiche Tests in der Vergangenheit erinnern", rät der Experte.

Xaver Hoffmann ist Snowboarder und hat vor einigen Jahren schon mal den Gesamt-Weltcup gewonnen. Auch er hat Rituale, um die Zeit vor dem Wettkampf zu überbrücken und sich konzentrieren zu können. "Ich checke ganz ausführlich mein Material. Wenn alles passt, dann bin ich startklar", sagt er. Hoffmann ist sich sicher, dass "dicke Muskeln nicht ausreichen", um auf dem Siegerpodest zu landen. Sein Rat: "ein offener Geist, Selbstvertrauen und die Freude an dem, was man tut." Und dann auf ins Gefecht.

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