DBA Doktor der Wirtschaft

Nach dem MBA ist vor dem DBA: Der Doctor of Business Administration ist gedacht für Manager, die eine praktische Frage wissenschaftlich beantworten wollen.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Die Frage, wie Wachstumsunternehmen Managementkapazitäten aufbauen und entwickeln können, treibt Alexandra Treutler schon seit einigen Jahren um. Seit 2001 ist sie als Niederlassungsleiterin verantwortlich für den Ausbau des Berliner Werkes von Schwörerhaus. Der Standort wächst, das Problem begegnet ihr also fast täglich. Doch bei der Frage belassen wollte es die 36-Jährige nicht und sucht seit Ende 2008 Antworten – in ihrer Doktorarbeit. Nach BWL-Studium und MBA promoviert sie in einem Programm, das auf berufstätige Manager zugeschnitten ist. Doctor of Business Administration (DBA) nennt sich das. Treutler hat sich für die Hochschule Tias-Nimbas entschieden, die den DBA mit der britischen University of Bradford anbietet.

Der DBA ist so etwas wie die Krönung der Managementweiterbildung – höher angesehen als der MBA, aber weitaus praxisorientierter als ein klassisches Doktorstudium. Doktor oder MBA? Viele deutsche Nachwuchsmanager fragen sich das, auch wenn ein MBA mit einer Promotion rein gar nichts gemein hat. Der MBA ist ein generalistisches Managementstudium, das allgemeines Rüstzeug für Führungsaufgaben vermittelt. Wer sich als Manager in seinem Fachgebiet profilieren und sich wissenschaftlich mit einer praxisrelevanten Fragestellung auseinandersetzen will, dem bieten Business Schools den berufsbegleitenden DBA.

Eingeschrieben sind nut wenige Studenten. Tias-Nimbas nimmt 20 bis 30 pro Jahr, darunter einige Deutsche. Von den 58 DBA-Studenten an der Cranfield School of Management haben drei einen deutschen Pass. Mitte der 90er-Jahre führtenbritische Business Schools den DBA ein, rund zwei Dutzend Anbieter gibt es dort. Renommierte Adressen sind Henley,Cranfield oder Durham. Hierzulande bieten neben Tias-Nimbas einige Fachhochschulen das Programm an, meist in Kooperation mit einer britischen oder australischen Hochschule.

Im Oktober ging das Programm der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Kooperation mit der britischen University of Gloucestershire an den Start. Der DBA ist in Großbritannien zuhause, eine in Deutschland wenig bekannte Organisation bürgt für qualitativ gute Forschung. Auf die Prüfung des britischen Economic and Social Research Council (ESRC) sollten Bewerber achten. Noch. „Denn ESCR beendet die Akkreditierung demnächst“, sagt Alan Harrison, der den DBA an der britischen Cranfield School leitet.Künftig könnte das Siegel der britischen Amba relevant sein.

In den ersten zwölf bis 18 Monaten des DBA lernen die Studenten erneut wissenschaftlich zu arbeiten, denn die Uni-Zeit liegt für viele oft lang zurück. Seminare zur Analyse und Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten, quantitativer und qualitativer Forschung und Methodenlehre stehen auf dem Programm. „Dieses Wissen ist eine gute Grundlage für die eigene Forschungsarbeit“, sagt Treutler. An Schulen wie Henley erwerben die Teilnehmer noch einen Master in Business and Management Research.

Cranfield-Programmleiter Harrison findet den überflüssig, die Doktoranden haben doch schon einen Wirtschafts-Master oder MBA. An fast allen Hochschulen ist das Zulassungsvoraussetzung – mehrjährige Führungserfahrung auch. Schon während der Grundlagenvermittlung schreiben die Doktoranden Studienarbeiten und kreisen das Dissertationsthema ein. Neun Arbeiten hat Treutler verfasst – jetzt kann sie sich der Doktorarbeit widmen.

Mit einem fertigen Themenvorschlag bewirbt sich niemand. „Die Kandidaten müssen eine Idee haben, eine Managementfrage, die sie beantworten wollen“, sagt Eva Niemann, die den Bonner Campus von Tias-Nimbas leitet. Relevant für den eigenen Job soll sie sein, sonst hält man die vier Jahre Arbeit neben dem Job und der Familie nicht durch. An der Tias-Nimbas bringen etwa 15 Prozent das Studium nicht zu Ende, in Cranfield gab bis vor einigen Jahren noch jeder Dritte auf.

Doch die Durchhaltequote steige, sagt Programmleiter Harrison. Ärgerlich ist der Studienabbruch nicht nur, weil die Mühe umsonst war. 36.000 Pfund kostet das TiasNimbas-Programm, 49.000 Pfund zahlen die Teilnehmer in Cranfield. Jedes Jahr wird ein Teil dieser Gebühr fällig. Wer aufgibt, bekommt das nicht zurück. Doktorandin Treutler will 2012 ihren Abschluss machen. Das Kürzel „Dr.“ kann sie dann offiziell vor ihrem Namen tragen.

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