Datenschutz Wieviel weiß deine Uni über dich?

Immer mehr Hochschulen führen Online-Systeme ein. Die Portale vereinfachen den Alltag und verschlanken die Verwaltung. Allerdings verläuft die Umstellung nur selten reibungslos, und die Technik ist anfällig: An mehreren Unis waren die persönlichen Daten der Studenten nicht ausreichend geschützt.

Lars Krupp | , aktualisiert

Dicht an dicht stehen die rund 300 Studierenden im Philosophikum der Uni Köln. Bis zu zwei Stunden müssen sie warten, um sich für ihre Zwischenprüfung anzumelden. Wer durchhält, gelangt zu einem Mitarbeiter des Prüfungsamtes. Der trägt auf einer Karteikarte ein, in welchem Fach man sich prüfen lassen will. Danach wandert sie zurück in den Aktenschrank. Sind die Prüfungen abgelegt, wird das Ergebnis handschriftlich auf der Karte eingetragen und danach anonym am Schwarzen Brett ausgehängt. Langsam und gründlich - so könnte man die Verwaltung beschreiben. Das war einmal. Auf die langen Wartezeiten sollen die Kölner Studenten in Zukunft verzichten können: An ihrer Hochschule wird zurzeit das Kölner-Lehr-Informations- und Prüfungssystem (Klips) eingeführt. Über das Internet-Portal können sie die Vorlesungsverzeichnisse aller Fächer einsehen und sich für Prüfungen anmelden - und die Ergebnisse erhalten sie künftig ebenfalls online.

Mit diesem System sollen nicht nur die Studenten entlastet werden, sondern auch die Verwaltung. "Wir wollen möglichst viele Aufgaben der Verwaltung über das Online-Portal regeln", sagt Christiane Büchter, die sich um die Einführung des digitalen Systems kümmert. Die neuen Online-Portale erleben an den Hochschulen gerade einen wahren Boom: Rund 50 Prozent der insgesamt 347 Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland haben inzwischen ein digitales System eingeführt, schätzen Experten des Hochschul-Informations-Systems (HIS), das die Software für die meisten Unis bereitstellt. Doch nicht immer klappt die Umstellung reibungslos: "Durch die Einführung der Systeme verändern sich auch die Abläufe", sagt Sabine Fiedler vom HIS, "das verunsichert viele Studenten und macht sie unzufrieden."

In Köln haben inzwischen alle der rund 40000 Studenten einen eigenen Benutzernamen und ein Passwort für das Portal erhalten. Noch aber herrscht Chaos, denn bislang kocht jede Fakultät und jedes Seminar ein eigenes Süppchen: "Um mich für meine Veranstaltungen anzumelden, muss ich drei verschiedene Webseiten besuchen", sagt Robert Meyer, der im fünften Semester Soziologie, Germanistik und Anglistik studiert. Drei Systeme bedeuten auch drei unterschiedliche Anmeldefristen für seine Veranstaltungen. "Dadurch wird die Erstellung des Stundenplans zu einer Herausforderung", sagt der 24-Jährige. Bis das einheitliche System umgesetzt ist, werden noch gut zwei Jahre vergehen, schätzt Christiane Büchter: "Das OnlineSystem muss so gestaltet werden, dass alle Studiengänge mit ihren unterschiedlichen Prüfungsordnungen integriert sind."

Mit ihren Sorgen stehen die Kölner nicht alleine da. Auch an anderen Hochschulen sind die Studenten nicht gerade glücklich über die neuen Online-Portale. Als "Campus Office" vor gut drei Jahren an der RWTH Aachen eingeführt wurde, fanden viele die Vergabe von Plätzen in Vorlesungen und Seminaren ungerecht. Zunächst galt: Wer sich zuerst anmeldet, bekommt den Seminarplatz. Das Prüfungsamt hat mittlerweile nachgebessert. Nun legen die Studenten ihre Prioritäten für die Veranstaltungen fest, danach werden die Plätze vergeben. Die Studenten sind trotzdem unzufrieden: "Ich muss selbst herausfinden, welches Prüfungsamt ich angeben muss", sagt die Asta-Vorsitzende Laura Jacobs, "aber selbst an der Uni kann mir niemand sagen, welches das ist." Probleme, die einige Studenten der Uni Münster gerne gehabt hätten, die als Erste in Nordrhein-Westfalen auf ein digitales System umgestiegen ist. Die Studenten haben kein Studienbuch und bekommen keine Scheine mehr, alles wird über das Online-Portal "Quispos" registriert.

Mit katastrophalen Folgen: 500 Bachelor-Absolventen konnten ihr Abschlusszeugnis nicht bekommen, weil die Prüfungsordnung nicht in das System eingetragen wurde. Das Rektorat schrieb den Absolventen einen Brief und kündigte an, das Problem innerhalb eines halben Jahres zu beheben. Eine Wartezeit, die nicht unüblich ist: "Teilweise dauert es neun Monate, bis die Dozenten ihre Noten in das System eingetragen haben", sagt die Asta-Vorsitzende Ninja Schmiedgen. Inzwischen hat die Uni aber die Notbremse gezogen: In den neuen Master-Studiengängen führen die Studenten wieder ein Studienbuch.

Es gibt aber nicht nur negative Beispiele. Fast problemlos klappte die Einführung des Online-Verwaltungssystems an der FHSankt Augustin. Während sich die Studenten noch mit Stift und Papier für ihre Veranstaltungen und Prüfungen anmeldeten, wurde das Online-Portal Schritt für Schritt eingeführt. Inzwischen kann man sich an der FH nicht nur online für Prüfungen und Veranstaltungen anmelden, sondern auch Noten einsehen und Studienbescheinigungen ausdrucken. Und wer der digitalen Anmeldung nicht traut, kann weiterhin zu Stift und Papier greifen.

Wenn die Systeme laufen, werden sie wahre Alleskönner sein, so zumindest versprechen es die Befürworter. Von der Bewerbung auf einen Studienplatz über die Gestaltung der Stundenpläne bis hin zur Berechnung der Noten auf dem Abschlusszeugnis soll alles möglich sein. Doch selbst wenn die Anlaufschwierigkeiten behoben sind: Die Studenten fragen sich, was eigentlich mit ihren Daten passiert. Schließlich haben es viele schon erlebt, dass Uni-Mitarbeiter und Dozenten schlampig mit ihren persönlichen Angaben umgegangen sind. Ein Dozent an der Uni Köln etwa ließ in einer Veranstaltung der Wiso-Fakultät eine Liste mit rund 500 E-Mail-Adressen seiner Teilnehmer durch die Reihen gehen, damit sie eventuelle Änderungen vornehmen konnten. Um den Datenschutz kümmerte er sich nicht.

Mit den Online-Systemen gab es noch größere Pannen: Eine Mitarbeiterin des Prüfungsamtes der Uni Göttingen konnte alle Passwörter der Studenten einsehen. Und ein Webdienst der FH Regensburg gab die Namen Hunderter Studenten preis. Um derartige Pannen zu verhindern, müssen die Entwickler der digitalen Dienste darauf achten, dass jeder Nutzer nur Zugang zu den Daten bekommt, die für ihn tatsächlich relevant sind. Ein Dozent muss nicht wissen, wo seine Studenten wohnen, wie alt sie sind und welche Noten sie bisher geschrieben haben. Das wäre dann der gläserne Student. Die Uni Köln verspricht eine Handhabung nach den allgemeinen Datenschutzregeln. "Wir definieren die Zugriffsrechte je nach Nutzer", sagt Prorektor Holger Burckhart. Jeder Nutzer sehe nur die Daten, die er benötige, und für viele Aktionen gebe es Pin- und Tan-Nummern. Allgemeine Empfehlungen lassen sich kaum aussprechen.

"Jede Hochschule muss selbst prüfen, was am besten passt", sagt Martin Neuheuser von der Koordinierungsstelle für Informations- und Kommunikationstechnik in den Hochschulverwaltungen des Landes Nordrhein-Westfalen, die an der Fernuniversität Hagen angesiedelt ist. Die kennt sich mit dem Datenschutz aus. Bereits 1997 erarbeitete die Uni eine Technik, die vor Missbrauch schützen soll. "Wir setzen auf Smartcards", sagt Henning Mohren, Leiter des Kompetenzzentrums für Anwendungsentwicklung an der Fernuni. Mit ihr können sich die Studenten an jedem beliebigen Computer identifizieren. Eine Praxis, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auch staatlichen Hochschulen empfiehlt.

Die Ruhr-Universität Bochum hat bereits Chipkarten eingeführt, mit der sich die rund 31000 Studenten einloggen können. Doch nicht nur die Unis sind gefragt. Auch die Studenten sollten sorgfältiger mit ihrer digitalen Identität umgehen. Es ist bereits vorgekommen, dass Kommilitonen ihre Passwörter austauschten, um sich gegenseitig bei Veranstaltungen anzumelden. Andere wiederum speicherten ihre Kennwörter versehentlich auf öffentlichen Rechnern. Dass nachfolgende Nutzer daraufhin in den fremden Daten stöberten, darüber darf sich dann niemand wundern.

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