Change-Projekte Harte Konsequenzen für Führungskräfte

Überall herrscht Veränderung. Andauernde Change-Programme verunsichern Mitarbeiter – und überfordern Führungskräfte. Die müssen den Wandel nämlich nebenher wuppen. Eine gefährliche Entwicklung.

Claudia Tödtmann, wiwo.de | , aktualisiert

Harte Konsequenzen für Führungskräfte

Harte Zeiten 2

Foto: lassedesignen / Fotolia.com

Unternehmen muten ihren Führungskräften viel zu viel zu – mit einem Trommelfeuer dauernder Change-Projekte. Denn die Chefs sollen alles auf einmal schaffen: zukunftssichernde Projekte und das volle Tagesgeschäft. Und das, obwohl besagte Projekte im Schnitt 60 Prozent und mehr der regulären Arbeitszeit beanspruchen. Doch diese notwendige Zeit wird ihnen von ihrer Unternehmensspitze nicht gegeben: 79 Prozent der Manager, die für Change-Projekte verantwortlich sind, müssen weiterhin ihr volles Arbeitspensum bringen. Das belegt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Mutaree.

156 Führungskräfte mit mindestens fünf Mitarbeitern und weitere 111 Fachkräften ohne Personalverantwortung aus allen Branchen wie Gesundheit, Chemie, Pharma und Telekommunikation haben die Unternehmensberater befragt.

Führungskräfte bekommen doppelte Arbeit aufgebürdet

Demnach muss jede zweite Führungskraft fünf bis zehn Change-Projekte gleichzeitig bewältigen, viele auch mehr. Bei den Projekten geht es zum Beispiel darum, Verträge schneller abzuwickeln oder mit weniger Personal dieselbe Masse an Arbeit zu schaffen.

"Führungskräfte bekommen doppelte Arbeit aufgebürdet", lautet das Fazit von Mutaree-Geschäftsführerin aus Wiesbaden. Während die Arbeitsbelastung der normalen Mitarbeiter schon um 20 Prozent steigt, wächst das Arbeitspensum der Manager dadurch um 30 bis 50 Prozent, so Schmidt. Die Manager schleppen die Arbeit dann mit nach Hause und erledigen sie abends und am Wochenende. Warum? "Weil sie nach wie vor ihre Umsätze bringen müssen", so Schmidt.

Schuld an dieser Überforderung der Führungskräfte sind die Top-Manager an der Unternehmensspitze: "Vorstände wollen keine Aktiendelle aushalten und mal die Rendite aufschieben", sagt Claudia Schmidt. Sie wollen im Hier und heute ihr Geld hereinholen, den Erwartungen der Anteilseigner entsprechen und ihre Boni.

Fragt man demgegenüber die mittleren Manager, welche besonderen Belastungen die Change-Projekte ihnen zumuten, wird es bitter:

• 86 Prozent beklagen hohe Arbeitsverdichtung
• 76 Prozent leiden unter Zeitdruck
• 75 Prozent müssen Überstunden machen
• 50 Prozent empfinden Unsicherheit durch fehlende Orientierung
• 49 Prozent stöhnen über mangelnde Einflussmöglichkeit
• 40 Prozent fühlen sich frustriert

Damit nicht genug: 46 Prozent haben obendrein Konflikte mit Kollegen, was unweigerlich weitere Arbeitszeit frisst. 31 Prozent der Führungskräfte machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz und 30 Prozent sind überfordert durch neue Anforderungen und Kompetenzen. Immerhin 25 Prozent leiden unter dem Wegbrechen sozialer Bindungen und neun Prozent unter Mobbing.

Unternehmensberaterin Schmidt moniert: "Besonders widersinnig ist es, dass die Unternehmen in Gesundheitsprogramme für ihre Belegschaft viel Geld investieren, aber gleichzeitig die Menschen mit zu großen Arbeitsmengen überfordern." Langfristig sei das sehr gefährlich. Denn trotz Gesundheitsprogrammen könne man den Kollaps der so Überforderten nicht verhindern.

Dem Top-Management fehlt oftmals die Erfahrung mit Change-Projekten

Wie es zu diesem Dilemma kommt – und niemand eingreift? Die Entscheider an der Spitze sind oft Branchenwechsler, die die Mehrbelastung ihrer Change-Projekte gar nicht kennen oder nicht bis zu Ende denken, welche Konsequenzen ihre Change-Projekte haben, so Schmidt.

Ihr Verdacht: "Viele Top-Manager haben keine eigenen Erfahrungswerte mehr und keine Vorstellung, was die Projekte tatsächlich an operativen Details nach sich ziehen."

Ob Besserung in Sicht ist? Wohl kaum. Für 2018 erwarten 52 Prozent der befragten Führungs- und Fachkräfte, dass dieser Druck auf sie unverändert anhält.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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