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Business Schools: Unterschiedliche Messlatten für das große Ziel der HHL

Business Schools Unterschiedliche Messlatten für das große Ziel der HHL

Der Chef der Wirtschaftshochschule HHL, Andreas Pinkwart, will mit der HHL unter die Top Ten der europäischen Business Schools. Im Interview spricht er über Rankings, Ethik und feinsinnige Unterscheidungen.

Interview: Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: HHL

Herr Pinkwart, Sie wollen an der HHL das "Leipziger Führungsmodell" etablieren. Was heißt das? 

Pinkwart: Wir wollen an der HHL ein neues Führungsverständnis herausarbeiten, "Führung neu denken" – weg vom kurzfristigen Streben nach Gewinnmaximierung. Verantwortung und Nachhaltigkeit müssen eine stärkere Rolle spielen, auch in der Lehre und nicht nur in einzelnen Ethikkursen.

Wie soll das genau aussehen?

Die Professoren werden enger zusammenarbeiten, auch über Fachgrenzen hinweg. Die Lehrstühle bleiben zwar bestehen, wir wollen uns darüber hinaus aber in themenbezogenen Gruppen organisieren.


So werden beispielsweise die Lehrstühle für Makroökonomie, Logistik, Marketing und Ethik künftig in der Gruppe Nachhaltigkeit und Wettbewerb gemeinsam Forschung und Lehre entwickeln. Die HHL soll einmal zu den Top 10 der Wirtschaftshochschulen Europas zählen.

Wie soll das gelingen?

Unsere engere Fakultät soll in den nächsten Jahren auf 25 Professoren aufwachsen, die Zahl der Studenten wollen wir bis dahin von heute rund 400 auf 600 erhöhen, indem wir zusätzliche Klassen einrichten.

Wir sind dem Land Sachsen dankbar, dass es diesen Ausbau durch die Bereitstellung zusätzlicher Gebäude auf dem Campus Jahnallee nachhaltig unterstützt. Das ist eine Größenordnung, die uns noch wettbewerbsfähiger macht.


Foto: HHL

20 Jahre nach Wiedergründung sind wir als Graduate School in Europa und mit unserem MSc-Programm weltweit unter allen Business-Schools unter den 20 besten. Bis zu unserem 125. Gründungstag im Jahre 2023 wollen wir jeweils unter die besten zehn kommen.

Eine feinsinnige Unterscheidung: Graduate Schools sind nur für jene, die einen ersten Abschluss haben. Etliche Wettbewerber fallen so heraus – in Deutschland mit der WHU der größte Konkurrent.

Sie können doch nur vergleichen, was sich auch vergleichen lässt. So konkurrieren wir in den einzelnen Programmen mit jeder anderen Business-School wie auch mit staatlichen Universitäten, und dies nicht nur in Europa, sondern weltweit. Als Hochschule insgesamt müssen wir allerdings unterschiedliche Typen und Größen berücksichtigen.
 
Ihr Vorgänger wollte die HHL bis 2020 unter die besten zehn Business-Schools in Europa bringen. Jetzt verkleinern sie also mal eben die Grundmenge.

Es gibt weniger Wirtschaftshochschulen in Europa, die reine Graduate Schools sind, aber es sind noch immer genug, und es sind sehr herausragende wie die ESCP Europe, die HEC oder Insead, um sich mit ihnen direkt zu messen.


Foto: HHL

Woran machen Sie eigentlich die Besten fest?

Wir richten uns im Gesamtvergleich der europäischen Graduate Schools nach dem Ranking der "Financial Times" in Europa.

Bei den einzelnen Programmen können wir auf unterschiedliche anerkannte Rankings zurückgreifen, die einen weltweiten Vergleich erlauben.

Sie machen Ihre Strategie also am Ranking einer Zeitung fest. Wenn sich die Methodik ändern sollte, müssten Sie dann nicht auch Ihre Strategie ändern?

Die Strategie ist auf zwei Ziele ausgerichtet, deren Erreichungsgrad wir anhand unterschiedlicher Rankings messen können.

Rankings sind längst nicht mehr nur für Business-Schools wichtig, da macht es Sinn, solche Kriterien auch in die Ziele der Hochschule aufzunehmen.

Das Ranking beruht zu einem nicht unerheblichen Teil auf dem Gehalt und dem Gehaltszuwachs der Absolventen.


Foto: HHL

Ist die Strategie der HHL künftig also, das Einkommen ihrer Absolventen zu maximieren?
 
Wir müssen schon genau schauen, wie die Dinge zusammenhängen. Ein hohes Gehalt spiegelt in aller Regel hohe Qualifikation, Leistung und Verantwortung.

Daher beziehen gute Rankings mehrere Indikatoren mit ein, so auch die Internationalität des Studiums und der Hochschule, die Diversität und Forschungsleistung der Fakultät, aber auch die Zufriedenheit der Studierenden.

Wie verträgt sich das mit Ihrem Leitbild "Führung neu denken", wenn Kriterien wie Nachhaltigkeit und Verantwortung in den Rankings kaum eine Rolle spielen, dafür die Maximierung des Gehalts?

Wo steht denn geschrieben, dass nachhaltig erfolgreiches Wirtschaften schlechter vergütet werden muss als kurzfristiges Gewinnstreben?

Zudem würde uns die Berücksichtigung unseres Führungsleitbildes in den Rankings sicherlich helfen, noch schneller eine bessere Platzierung zu erreichen.

Herr Pinkwart, vielen Dank für das Interview.


Foto: HHL

Einfluss

Rankings von Managementstudiengängen wie dem Master of Business Administration (MBA) sind für die internationalen Wirtschaftshochschulen sehr wichtig, weil viele Bewerber der bis zu 130.000 Euro teuren Programme sowie Personaler auf sie achten.
 
Das Ranking der "Financial Times" (FT) ist für europäische Business-Schools das derzeit wichtigste, viel Beachtung finden auch das des "Economist" und das US-lastige der "Businessweek".

Auswahl
 
Die "FT" erstellt für verschiedene Programme einzelne Rankings, fügt diese aber auch zu einer Liste der besten Business-Schools in Europa zusammen. Dort tauchen aber auch Anbieter auf, die in nur einer Einzelliste vertreten sind.

Die Methodik wird daher immer wieder kritisiert. Und nicht nur sie: Das MBA-Ranking fußt zu 40 Prozent auf nach Kaufkraft gewichtetem Gehalt und Gehaltszuwachs der Absolventen.

Währungsschwankungen könnten Plätze kosten, bemängeln Hochschulen. Und würden Anbieter viele Studenten aus Schwellenländern nehmen, die später gut bezahlte Jobs fänden, könnten Hochschulen auch so Plätze gutmachen.

VITA

Der Hochschulmanager

Andreas Pinkwart leitet seit April 2011 die private HHL - Leipzig Graduate School of Management. Der Volkswirt ist seit 1994 Professor, zuletzt an der Uni Siegen.

Der Politiker

Von 2005 bis 2010 war er nordrhein-westfälischer Wissenschaftsminister, bis 2010 Landesvorsitzender der FDP in NRW und bis 2011 stellvertretender Vorsitzender der FDP.

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