Business Schools Lohnt sich der Management-Master in Deutschland?

Der MBA hat in Deutschland keine Tradition. Entsprechend wenige deutsche Hochschulen weisen ein Renommee in dieser Disziplin auf. Für deutsche Studenten sind sie deshalb nicht attraktiv – noch nicht.

Stefani Hergert | , aktualisiert


Foto: Andres Rodriguez/ Fotolia

Klein, aber fein

Mit 900 Kommilitonen ein Managementstudium absolvieren? Für Moritz Eichhöfer undenkbar. Klein, aber fein war eines seiner Kriterien bei der Suche nach einem Studiengang mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA).

Das fand der Deutsche in seinem Heimatland, an der WHU – Otto Beisheim School of Management bei Koblenz. Klein, aber fein – das könnte zum Markenzeichen der wenigen renommierten deutschen Business-Schools wie WHU, Handelshochschule Leipzig, ESMT in Berlin, Gisma in Hannover oder Mannheim Business School werden.

20 bis 50 Teilnehmer haben ihre MBA-Programme jeweils – bisher zu wenig, um in die internationalen Rankings zu gelangen, die das Qualitätskriterium in der Managerausbildung sind. Und so stellt sich für den Führungsnachwuchs die Frage: Lohnt sich ein MBA-Studium in Deutschland?

Günstige MBA-Ausbildung

Moritz Eichhöfer, 30, sagt: "Die Qualität beim MBA in Deutschland ist da." Mit Blick auf die renommierten Schulen in Deutschland dürfte er recht haben: diese verfügen über eines der drei internationalen Gütesiegel (AACSB, Amba, Equis), die die MBA vergleichbar machen.

Die deutschen Business-School-Chefs versuchen von der Qualität ihrer Programme zu überzeugen. "Viele Bewerber wissen inzwischen, dass man in Deutschland eine sehr gute und äußerst international ausgerichtete MBA-Ausbildung zu einem noch immer günstigen Preis erhält", sagt Jens Wüstemann, Leiter der Mannheim Business School.


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Etwa 27.000 bis 35.000 Euro kostet das Vollzeit-Programm hierzulande. An den Top-Schulen Europas sind es oft um die 60.000 Euro. Student Eichhöfer rechnet deswegen: "Der MBA ist in Deutschland fast unschlagbar." Und näher ist es auch.

Nur soll der MBA eigentlich in einem internationalen Umfeld auf höhere Managementaufgaben vorbereiten. Gelingt das auch in Deutschland? "Die Internationalität im WHU-Programm ist hoch", sagt Eichhöfer. "Ein Auslandsaufenthalt ist für ein MBA-Studium auf höchstem Niveau nicht mehr notwendig", sagt Gisma-Chefin Anette Tronnier.

Und finanziell lohnt sich der deutsche Abschluss offenbar auch. "Ein guter heimischer MBA bringt auf dem Arbeitsmarkt etwa 40.000 bis 70.000 Euro Einstiegsgehalt, bei steigender Berufserfahrung etwas mehr", sagt Detlev Kran, Autor des MBA-Guides.

Ein Überblick über die deutschen Schulen finden Sie auf den nächsten Seiten.


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Es geht aufwärts für die Gisma Business School in Hannover. Die chronische Finanznot wurde 2011 nach langem Hin und Her überwunden und ein wichtiger internationaler Hochschul-Tüv bestanden. Nur vier eigene Professoren hat die Gisma.

Seit 2008 kooperiert sie mit der Leibniz-Universität Hannover, seit 2011 ist sie dort angedockt. Mit dem gerade abgeschlossenen Umzug ist sie nun auch räumlich näher an die Uni gerückt. Die Gisma galt lange als "Filiale" der US-Universität Purdue, mit der sie seit der Gründung 1999 kooperiert.

Ungewöhnlich ist der neue praxisnahe, einjährige "Master of Science in Industrial Administration", der einen Abschluss voraussetzt, aber keine Berufserfahrung. Studenten erhalten dafür nur den amerikanischen Mastergrad von Purdue, nicht den deutschen.

"Das ist ein Masterprogramm, das sich an internationalen Statuten orientiert", sagt Geschäftsführerin Anette Tronnier. "Das war auch unser Ziel."


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Nach einem mehr als holprigen Start im Jahr 2002 ist es um die European School of Management and Technology (ESMT) im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin ruhiger geworden. Das lag auch an ihrem langjährigen Präsidenten Lars-Hendrik Röller, der 2006 an die private, von 25 deutschen Konzernen gegründete, Wirtschaftshochschule kam.

Die ESMT warb unter Röllers Führung an renommierten Hochschulen Forscher ab, bekam erste gute Platzierungen in wichtigen Rankings, und das MBA-Programm wuchs kontinuierlich. Doch sie ist noch immer klein, hat nur 120 Studenten.

Röller hat die Hochschule zum 1. Juli 2011 verlassen, sein Nachfolger, der Stanford-Professor Stefan J. Reichelstein, wurde Anfang Februar verkündet und fängt im Juni an. Die Suche war wohl schwieriger als gedacht.


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Vor ihrer Neuaufstellung setzten Kenner der deutschen Business-School-Welt so einiges auf die Goethe Business School an der gleichnamigen Frankfurter Universität. Sie schrieben ihr zu, eine der drei besten des Landes zu sein.

Sie habe das Potenzial, die beste Anlaufstelle für Managerweiterbildung in Deutschland zu werden. Doch die Business-School – eine ausgegliederte Weiterbildungstochter, beheimatet im House of Finance auf dem Campus – wurde von einigen Professoren nie ganz angenommen.

Diskussionen gab es laut Mitarbeitern immer wieder, vor allem in Bezug auf die Frage, ob man die ohnehin bis zu mehrere Zehntausend Euro teuren Studiengänge auch noch mit staatlichem Geld subventionieren sollte.

Ihre wichtigsten zwei Programme, den Managementstudiengang Executive Master of Business Administration (EMBA) für erfahrene Führungskräfte und den MBA für Nachwuchskräfte, hat die Business-School eingestellt. Und sich damit vom Ansatz einer generalistischen Wirtschaftshochschule verabschiedet, heißt es bei der Konkurrenz.


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Derzeit diskutieren Leitung und Professoren, wie es mit der Weiterbildungstochter weitergeht. Klar ist, dass die Business-School stärker in den Fachbereich Wirtschaft integriert werden soll. Klar sei aber auch, dass man nicht in Richtung einer Finance-Schule gehen will, sagt Dekan Andreas Hackethal.

Einen berufsbegleitenden Master in Finance werden Hackethal und seine Kollegen wohl 2013 auflegen, zudem überlegen sie, wieder einen MBA oder ein anderes generalistisches Managementstudium anzubieten. Im Gespräch ist ein Programm mit Fokus auf China.

Festhalten will Hackethal auch an den lukrativen Firmenprogrammen, mit denen sich die Frankfurter vor allem bei den Themen Finanzmärkte und Führungsverhalten hervortun.


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Wenn man Experten fragt, welcher deutsche Anbieter das Zeug hat, zu Weltformat heranzuwachsen, kommt oft eine Antwort: Die Mannheim Business School. Mit der WHU kämpft sie immer wieder um den Platz der besten deutschen Business-School.

Der erst 2005 gegründeten Weiterbildungstocher der staatlichen Mannheimer Universität gelang schon 2008 der "Ritterschlag". Als eine von nicht einmal 60 Wirtschaftshochschulen weltweit trägt sie das Gütesiegel aller drei international wichtigen Akkreditierungsorganisationen.

Sie wagte sich als Erste von den renommierten deutschen Anbietern mit einem eigenen Programm nach Asien und hat heute die größte MBA-Klasse – auch wenn die mit 54 Studenten noch immer klein ist. Der Vollzeit-MBA ist der einzige deutsche, der in einem der international wichtigen Rankings auftaucht.

Es ist aber wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz nachzieht. Mit anderen Programmen sind deutsche Anbieter schon vertreten. Und WHU sowie die Berliner ESCP Europe übertreffen die Mannheimer schon im wichtigen "Financial-Times"-Ranking für die Executive-MBA- und die wissenschaftlich orientierten Masterprogramme in Management.


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Zu den besten drei Wirtschaftshochschulen Deutschlands wird die private WHU – Otto Beisheim School nahe Koblenz schon lange gezählt. Manche sehen die Hochschule, die ihren Namen einer 50-Millionen-Mark-Spende von Metro-Gründer Otto Beisheim verdankt, sogar ganz vorne.

Skandale, Aufreger oder internes Hickhack? Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es keine negativen Schlagzeilen. Schon der Diplom-Betriebswirt–Abschluss der 1984 gegründeten Hochschule war hoch angesehen, mit Bachelor und Master setzt die WHU das fort – anders als die HHL, Gisma oder ESMT, die den Bachelor gar nicht anbieten.

Mit aktuell 34 Teilnehmern ist das MBA-Programm, wie in Deutschland üblich, klein. Als eine der ersten Hochschulen in Deutschland wagte sich die WHU schon vor 15 Jahren in das Premiumsegment der MBA-Programme für sehr erfahrene Manager, die das Label "Executive" tragen.

Sie machte das nicht allein, sondern in Kooperation mit der Kellogg School of Management der Northwestern-Universität. Mit dem US-Partner war es auch nicht schwer, gute Platzierungen in den internationalen Rankings zu erzielen.

Gerade baut die WHU ihren zweiten Standort in Düsseldorf, der seit 2010 angebotene Teilzeit-MBA bekommt dort sein Zuhause. Die berufsbegleitenden Programme liegen allgemein im Trend, der Teilzeit-MBA hat aktuell mit 36 Studenten denn auch mehr als der "große Bruder".


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Lange hat die Handelshochschule Leipzig (HHL) nach einem neuen Chef gesucht – im April 2011 trat der frühere Landesminister und FDP-Politiker Andreas Pinkwart den Posten an. Vorgänger Hans Wiesmeth hatte die private Wirtschaftshochschule, die sich mit Blick auf ihre Gründung 1898 als älteste in Deutschland bezeichnet, aber Ende März 2010 verlassen.

Die langwierige Chefsuche könnte die HHL etwas abgehängt haben, sagen Konkurrenten und Branchenexperten. Im Ranking der besten europäischen Business-Schools der "Financial Times" landete sie zuletzt auf Platz 46, hinter den Konkurrenten ESCP Europe, WHU – Otto Beisheim School, Mannheim Business School und ESMT in Berlin.

Die Liste ist wegen der Methodik aber umstritten. Pinkwart will im Mai das HHL-Zukunftskonzept vorstellen. Das Ziel, bis zum Jahr 2020 in die Riege der besten zehn Business-Schools Europas aufzusteigen, will er einhalten.

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