Business School In Mannheim wird umgebaut

Die Universität Mannheim übernimmt das amerikanische Modell und engagiert einen erfahrenen Manager als Dekan der BWL-Fakultät. Der hat ab November auch einen neuen Chef der Business School an seiner Seite - das Aushängeschild Christian Homburg tritt ab.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Gesundheitstest und polizeiliches Führungszeugnis fordert der Staat von seinen Bediensteten – und macht da auch bei Ex-Finanzvorständen keine Ausnahme. Für Jürgen Schneider, langjähriger Bilfinger-Berger-Manager kein Problem. Nach 34 Jahren in der Wirtschaft wird der 63-jährige Pensionär nun Staatsdiener – wenn auch nur auf Zeit.

Sechs Jahre soll er als Dekan die BWL-Fakultät der Universität Mannheim leiten, zum ersten Mal wird diese einen hauptamtlichen Fakultätsleiter – einen Professional Dean – einstellen. Und einen prominenten Manager dazu. Das gibt es so an keiner anderen deutschen Universität.

Denn an deutschen Universitäten lenkt üblicherweise ein Professor für zwei Jahre die Fakultät und seine Kollegen. Das sei viel zu kurz, um wichtige Projekte anzugehen und Richtungsentscheidungen zu treffen, die Professoren könnten sich zudem oft gegen ihre Kollegen nicht durchsetzen, bemängeln Kritiker des Systems immer wieder. In Großbritannien oder den USA gibt es hingegen schon lange das Modell, dass nicht ein Professor, sondern ein Manager die Business School – was dort nichts anderes als die Wirtschaftsfakultät ist – leitet. Mannheim hat das nun übernommen und baut damit die Führungsstruktur der Fakultät um.

Neuer Chef an der Business School

An seiner Seite hat Schneider ab November auch einen neuen Chef der Business School. Unter dem Dach der Schule hat die Fakultät die Weiterbildungsaktivitäten – wie den MBA oder auch kurze Weiterbildungsprogramme für Manager – gebündelt. Der Mannheimer Professor Jens Wüstemann wird im Herbst Christian Homburg, Marketing-Koryphäe und zugleich Aushängeschild der Schule, ablösen. Homburgs vierjährige Amtszeit endet dann. Die beiden neuen Chefs werden eng zusammenarbeiten, denn Fakultät und Business School sind eng miteinander verflochten. Zumal der Dekan auch fast schon eine Art Aufsichtsrat für den Chef der Business School ist.

Für Wüstemann, der einen Lehrstuhl für Allgemeine BWL und Wirtschaftsprüfung in Mannheim innehat, wird es wohl nicht einfach, in die Fußstapfen Homburgs zu treten. Denn der Marketing-Professor hat die Schule in den vergangenen Jahren enorm nach vorne gebracht, ist deren Gesicht, hat viel auf sich vereinnahmt. „Homburg hat großes unternehmerisches Talent“, sagt ein Professor einer anderen Hochschule anerkennend. Fügt aber hinzu:„Duldet er auch einen neuen Chef und kann der Neue bei solch einem Übervater wirklich frei agieren?“ Das werde die große Herausforderung für den Nachfolger.

Mit den zwei neuen Chefs wird sich in Mannheim also einiges ändern. Schneider, der in Mannheim studierte und promovierte, bringe das Pragmatische aus der Wirtschaft mit und die Stärke, sich bei den 30 Professoren durchzusetzen, heißt es. Frühere Mitarbeiter beschreiben den schlanken und stets perfekt gekleideten Manager als umgänglich, aber absolut zielstrebig. Dass an der Universität mehr Konsens als in Firmen verlangt wird, weiß er. „Vielleicht erliege ich manchmal aber doch der Versuchung, zu entscheiden“, sagt Schneider.

Er ist an der Universität Mannheim kein Unbekannter, hat vor rund 40 Jahren an der Hochschule studiert und promoviert, sitzt seit langem im Kuratorium der Stiftung der Hochschule und im Universitätsrat. Bei Bilfinger Berger musste er mit 62 gehen – die Altersregelung im Baukonzern wollte es so – an der Universität fängt er jetzt noch einmal neu an. Zwar fehlt noch die Unterschrift von Ministerpräsident Stefan Mappus auf der Bestellungsurkunde, doch arbeitet sich Schneider schon fleißig in die komplexen Verwaltungsthemen ein. „Ich muss noch eine Menge lernen“, sagt er. Schließlich will er die Fakultät in den nächsten Jahren weiterentwickeln. 

Nur Beamter, das wollte er eigentlich nicht werden. „Ich habe das gescheut wie der Teufel das Weihwasser“, sagt Schneider. Letztlich sei es aber die einzige Möglichkeit, den Job als Dekan mit seinen Aufsichtsratsposten rechtlich unter einen Hut zu bekommen. Und noch etwas Gutes hat es: „Man kann mich so schnell nicht wieder kündigen“, sagt Schneider. Andersherum gelte das aber auch.

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