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Burnout Volkskrankheit oder Modediagnose?

Unsere Gesellschaft ist gestresst, der Begriff "Burnout" in aller Munde. Dennoch ist Burnout kein offiziell anerkanntes Krankheitsbild und seine Abgrenzung zur Depression wissenschaftlich nicht eindeutig.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Volkskrankheit oder Modediagnose?

Foto: JPagetRFphotos/Fotolia.com

Der Begriff "Burnout" ist in aller Munde. Nahezu jeder kennt in seinem sozialen Umfeld eine betroffene Person, die unter einem Burnout leidet oder zumindest über entsprechende Symptome berichtet. Obwohl wir eine vage Vorstellung davon besitzen, was einen Burnout charakterisiert – eine psychische Erkrankung, die ursächlich mit Stress am Arbeitsplatz in Zusammenhang steht – ist zugleich kaum jemandem bekannt, dass Burnout kein offiziell anerkanntes Krankheitsbild ist.

Die Daimler und Benz Stiftung bringt beim 19. Berliner Kolloquium Experten aus Wissenschaft, Forschung, Medizin, Politik und Wirtschaft zusammen, um die Kontroverse "Burnout versus Depression" zu diskutieren. Laut dem wissenschaftlichen Leiter der Veranstaltung, dem Psychologen und Neurowissenschaftler Martin Reuter, wurde der Burnout erstmals in den 1960er-Jahren erwähnt.

Forschungsziel: Burnout besser verstehen

Die Symptome erinnern zwar an die einer Depression. Es handelt sich jedoch vielmehr um einen Zustand, der zu einer Depression führen kann, sagt er. "Von den Betroffenen wird ein Burnout kausal zumeist mit ihrem beruflichen Umfeld in Verbindung gebracht", was zunächst eine subjektive Einschätzung sei. Es falle jedoch auf, dass besonders Menschen in den Industrieländern von dieser Erkrankung betroffen sind. "Sie darf durchaus als ein Phänomen unserer Epoche verstanden werden. Wir sehen, dass unterschiedliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen auch unterschiedliche Erkrankungen begünstigen", so Reuter. Er betont jedoch: "Die Depression ist eine anerkannte psychiatrische Erkrankung, der Burnout hingegen nicht."

Immerhin erwartet der Experte eine Verbesserung innerhalb der nächsten zehn Jahre. "Ich erwarte kleine, aber stetige Fortschritte. Wir werden immer besser verstehen können, was im Gehirn genau passiert – zum Beispiel welche Hormone oder Neurotransmitter bei psychischen Erkrankungen involviert sind", sagt er. Durch dieses Wissen können bessere Therapien und Medikamente entwickelt werden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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