Burnout Spiel mit dem Feuer

Erfolg und Stress können zusammengehören. Wer für eine Sache brennt, sollte aber aufpassen, nicht auszubrennen. Wo die Grenzen der Belastbarkeit liegen und welche Rolle Vorgesetzte bei der Burnout-Prävention spielen.

Lilian Fiala, wiwo.de | , aktualisiert

Spiel mit dem Feuer

Feuer 2

Foto: Kris Black / Fotolia.com

Zunächst die gute Nachricht: 70 Prozent der Deutschen haben Spaß im Job und gehen gern zur Arbeit. Gleichzeitig nennen 64 Prozent der Deutschen "zu viel Arbeit" als ihren Stressfaktor Nummer eins. Das belegt der aktuelle Stressbericht der Techniker Krankenkasse. Jeder Dritte fühlt sich sogar ausgebrannt.

Wie oft kommt Burnout in Deutschland vor?

Laut dem Münchener Institut für lösungsorientiertes Denken (MILD) sind nach Schätzungen von Experten 13 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland derzeit sogar von einem Burnout betroffen. Tendenz steigend, wie ein Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt. Demnach ist die Zahl derer, die wegen psychischer Probleme in Frührente gingen, in den letzten 17 Jahren dramatisch gestiegen. Im Jahr 2000 mussten 50.000 Menschen wegen psychischer Probleme in Frührente, heute sind es mehr als 75.000.

Welche Folgen hat ein Burnout für Unternehmen?

Ein Burnout ist nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für den Arbeitgeber schlimm. Laut Stressbericht der Techniker Krankenkasse war 2015 statistisch gesehen jeder Beschäftigte aufgrund einer psychischen Diagnose 2,5 Tage krankgeschrieben. Bei einem Unternehmen mit 500 Beschäftigten kommen allein durch die angenommenen 2,5 Tage Krankschreibung Kosten von fast 1,5 Millionen Euro zusammen.

Die durch die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit kranker Mitarbeiter, die trotzdem zur Arbeit gehen, sind schwer zu erfassen, aber vermutlich noch höher. Denn wer krank oder erschöpft zur Arbeit geht, liefert schlechtere Arbeit ab, macht mehr Fehler und es dauert länger, bis er wieder gesund ist. Außerdem haben kranke Kollegen ein höheres Unfallrisiko. Auch ein chronischer Burnout ist durchaus drin, wenn man Warmsignale seines Körpers nicht ernst nimmt.

Was kostet die Krankheit eines Mitarbeiters?

Strategy& hat übrigens im Jahr 2011 einmal ausgerechnet, wie viel die Abwesenheit eines Mitarbeiters den Arbeitgeber kostet.

• Der so genannte "Absentismus", also die Tage an denen der Arbeitnehmer aufgrund von Krankheit gar nicht erscheint, kosten das Unternehmen pro Kopf und Jahr 1.199 Euro.

• Der "Präsentismus", wenn der Arbeitsnehmer zwar ins Büro kommt, wegen Krankheit, Überlastung oder Stress aber nur die Hälfte leistet, ist mit 2.399 Euro noch ein bisschen teurer.

Dass Arbeitgeber für den Schutz ihrer Angestellten sorgen müssen, ist in den gesetzlichen Regelungen für Arbeitsschutz festgehalten. Unter Art. 5 (3) werden auch psychische Belastungen bei der Arbeit als Gefährdung aufgezählt. Arbeitgeber haben hier die Möglichkeit, mit den Krankenkassen zusammen zu arbeiten: Unternehmer können dort nachfragen, aus welchen Gründen ihre Mitarbeiter ausfallen. Die Auskunft erfolgt natürlich anonymisiert.

Fallen besonders viele Arbeitnehmer aufgrund von psychischen Problemen aus, rät Jennifer Hüge, Coach für Stressmanagement und Burnout-Prophylaxe bei MILD, mit einem externen Experten zusammen zu arbeiten. Verschiedene Förderprogramme bieten Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter in Führungspositionen zu Coachings anzumelden oder bieten eine Unternehmensprofilaxe an.

Die durch die Experten ermittelten Problempunkte können sehr unterschiedlich sein: Häufig sorgt das Arbeitsumfeld für Stress bei den Mitarbeitern, zum Beispiel im Großraumbüro. Auch Probleme bei der Kommunikation im Unternehmen oder schlecht ausgebildete Führungskräfte führen zu gestressten Mitarbeitern.

Führungskräfte besser schulen

In Programmen für Führungskräfte lernen diese unter anderem, wie sie ihren Mitarbeiter Orientierung bieten können. Außerdem werden sie darüber aufgeklärt, wie sie Maßnahmen für Feedback und Wertschätzung in den Arbeitsalltag integrieren können. Eine gute Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist Grundlage für ein gesundes Arbeitsklima.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt in ihrem Bericht zur psychischen Gesundheit unter anderem, die Arbeit anders zu organisieren. Jennifer Hüge erklärt: "Jede Branche hat verschiedene Bereiche, in denen die Mitarbeiter besonders belastet werden. Eine Erzieherin ist zum Beispiel den ganzen Tag einem hohen Geräuschpegel ausgesetzt, Bauarbeiter leisten häufig besonders harte, körperliche Arbeit." Lösungen können ein Umverteilung der Aufgaben, das Aufstocken von Personal oder flexiblere Arbeitszeiten sein.

Was sind Warnsignale für Arbeitnehmer?

"Viele merken erst relativ spät, dass sie überfordert sind oder in einem Burnout-Verlauf sind. Das ist ein Prozess und geschieht nicht von heute auf morgen", erklärt Expertin Hüge und verweist auf das Phasenmodell nach Freudenberger, welcher den Weg zum Burnout in zwölf Stadien einteilt. "Kann man nicht mehr abschalten, hat körperliche Beschwerden oder bemerkt sogar eine negative Veränderung im eigenen Verhalten, sollte man zunächst den Hausarzt aufsuchen." Dieser könne dann körperliche und organische Ursachen für etwa eine Depression oder anderweitigen psychische Problemen abklären. Eine Schilddrüsenunterfunktion beispielsweise kann eine ähnliche Symptomatik wie eine depressive Verstimmung aufweisen.

Bei psychischen Ursachen sei ein Gespräch mit einem speziell im Bereich Stress und Burnout ausgebildeten Coach oder Psychologischen Psychotherapeuten sinnvoll. Jennifer Hüge rät: "Es ist wichtig, sich extern Hilfe zu suchen. Das kann im Coaching sein, ein Ansprechpartner in der Firma, wie zum Beispiel der Betriebsrat, oder tatsächlich eine Therapie. Den Betriebsrat um Hilfe zu bitten ist besonders sinnvoll, wenn ein Burnout durch zu viel Stress und Leistungsdruck oder schlechte Arbeitsbedingungen entsteht. Häufig sind die Betroffenen nicht allein und es kann gemeinsam eine Lösung gefunden werden."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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