Büro mobil Jünger des iGod

Ohne iPhone oder iPad gehen viele deutsche Top-Manager nicht mehr aus dem Haus. Ob fürs Zeitmanagement, fürs Zeitung- oder Bücherlesen, für News des Lieblingsfußballclubs oder die Hits der Lieblingsband: Die Anhänger des Apple-Kults verraten hier exklusiv ihre Lieblings-App.

Claudia Obmann | , aktualisiert


Foto: bloomua/Fotolia

Voll flexibel, keine Wartezeiten 

Am Flughafen in der Warteschlange zu stecken, das passiert Timotheus Höttges nicht mehr. Vor Flügen mit der Lufthansa zückt der Finanzchef der Deutschen Telekom stattdessen sein iPad, prüft, wo sich seine Maschine befindet und checkt ein, wo immer er selbst gerade ist. Seine Bordkarte landet umgehend per Funk auf Höttges Online-Computer, der aussieht wie ein Tablett und auf dessen Rückseite das bunte Apple-Logo prangt.

Schlaflos in Seattle oder Singapur – und kein gutes Buch zur Hand? Solch lausige Zeiten sind für Burkhard Schwenker vorbei. Denn der Aufsichtsratsvorsitzende der Roland Berger Strategieberatung hat ebenfalls stets sein iPad im Gepäck. Damit bedient er sich überall und jederzeit aus der Web-Bibliothek: "iBooks lindert meine Sorge, irgendwo auf der Welt nachts im Hotel ohne Buch zu sein", sagt Schwenker über seine Lieblings-Anwendung.

Ob neuester Bestseller oder Klassiker – auch Schwenkers Wunschlektüre kommt digital per Funk. "Weil ich so neugierig war, habe ich mir eines der ersten iPads gleich 2010 in den USA besorgt. Und nutze es seitdem begeistert, weil es einfach und schnell ist und gut aussieht", sagt Schwenker.

"Ohne i fehlt dir was"

So wie Timotheus Höttges und Burkhard Schwenker zählen immer mehr deutsche Wirtschaftspromis zur wachsenden Schar der Apple-Fans: Audi-Chef Rupert Stadler, Vodafone-Geschäftsführer Friedrich Joussen, der neue Geräteversionen zusammen mit seiner Sekretärin ausprobiert, und auch Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher der Wirtschafts- und Steuerberatung PricewaterhouseCoopers, gehören zu den Nutzern der ersten Stunde.

iMac, iPod, iPad – "ohne i fehlt dir was", bekennen die Jünger des "iGod", des kürzlich verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs.


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Mit seinen trendigen Mobilcomputern, einst Kultgegenstände der Kreativszene, optimieren inzwischen auch Vorstände und Aufsichtsräte ihre Geschäftsreisen, fühlen sich unterwegs bestens informiert und behalten auch in der Ferne alles im Griff – von Daten und Projekten ihres Unternehmens bis zum vernetzten Festplatten-Videorekorder zuhause.

Denn Spezial-Software aus dem Internet, sogenannte Apps, machen die tragbaren Online-Stationen zur Kommandozentrale für unterwegs, ganz nach den persönlichen Bedürfnissen ihres Besitzers.

Inzwischen gibt es mehr als 500.000 Apps allein in Apples Online-Laden, dem Hauptanbieter der Mini-Programme. Mehr als 8,2 Milliarden Apps wurden im Jahr 2010 heruntergeladen, allerdings nicht nur für Apple-Geräte, sondern auch für ähnliche Mobilcomputer und smarte Funktelefone anderer Hersteller.

Personalisierte News besonders beliebt

Manche Apps sind kostenlos, andere nur gegen Gebühr erhältlich. Die besten Anwendungen für das mobile Büro finden sich im Apple-Shop in den Rubriken "Business" und "Performance".

Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges zum Beispiel hat derzeit rund 70 verschiedene Apps installiert, die er sowohl auf seinem iPhone als auch auf dem iPad nutzt. Seine geschäftliche Lieblings-Anwendung stammt von der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sei es im Büro oder unterwegs, diese App ist unersetzlich. Ich habe einfach alles auf einen Blick: Finanznachrichten und aktuelle Börsenkurse."


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Bevor er auf Reisen geht, deckt er sich außerdem meist noch mit digitalen Zeitungen und Magazinen mit der App "Page Place" ein. "Ich finde dort das Angebot eines gut sortierten Kiosks, spare mir aber den Weg dorthin", sagt der Finanzvorstand.

Eine ähnliche Anwendung hat auch Norbert Winkeljohann von PwC Deutschland zu seiner Lieblings-App erklärt: "Mit 'Flipboard' habe ich mein persönliches Nachrichten-Magazin immer dabei." Dazu vermerkt der Nutzer in Flipboard alle regelmäßig gelesenen Medien und die App baut dann die jeweils neuesten Inhalte übersichtlich zusammen.

"Zu wenig Platz zum Aufschlagen einer Zeitung ist seitdem kein Problem mehr. Und aufs Umblättern muss ich dennoch nicht verzichten", freut sich Winkeljohann über den technischen Fortschritt, der die gewohnte Haptik ermöglicht. Denn den iPad-Monitor anzutippen genügt, um ein Buch oder eine Zeitschrift zu öffnen, per Fingerstreich lässt sich darin blättern.

Zeitungs-Apps sind Favoriten

Zeitungs-Apps gehören für viele iPad-Nutzer offenbar zu den Favoriten: Mehr als die Hälfte von ihnen nutzen derartige Anwendungen täglich oder beinahe jeden Tag. Das hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in einer aktuellen Befragung herausgefunden.

Sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel blättert im Bundestag auf ihrem iPad regelmäßig durch die elektronische Ausgabe des Handelsblatts. Jürgen Lieberknecht, Marketingvorstand der Targobank, schätzt es besonders, mit dem iPad Ordnung in seinen Alltag zu bringen.


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Ob es um seine E-Mails, Memos oder Schnappschüsse geht, er setzt auf "mSecure" als bequeme und sichere Lösung, um seine wichtigen persönlichen Daten zu organisieren. Der eingeschworene Apple-Fan sagt: "Apps können das Leben wirklich erleichtern und machen auch noch Spaß."

Denn auch in Sachen Hobby bleibt der Werder-Bremen-Fan mit seinem iPad am Ball: "Mit iLiga kann ich mir überall die Highlights aller Fußballspiele noch mal ansehen."

Eine ähnliche Sport-App lässt auch das Herz von Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges eindeutig höher schlagen: "Die FC-Bayern-München-App ist mein klarer Favorit. Über die Entwicklungen bei meinem Lieblingsverein bin ich damit immer bestens informiert."

Alte Dame macht es allen vor

Der hohe Spaßfaktor plus die simple Bedienung der Apple-Geräte sind die Hauptgründe, warum die tablettartigen Computer mit dem großen Display so gut ankommen.

Das konnte Aareal-Bank-Chef Wolf Schumacher in der eigenen Familie beobachten: "Zum echten iPad-Fan bin ich durch meine körperbehinderte 79-jährige Mutter geworden." Sie hatte als Erste aus Schumachers Familie einen Tablet-PC. "Sie kennt sich bei uns mit Abstand am besten mit seinen Funktionen und Finessen aus. Da kann ich nicht mithalten", erzählt der Bankchef.


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Auf seine Lieblings-App ist er durch Zufall gestossen, als er im App-Store stöberte. "Ich war erstaunt, wie viele Apps es im Bereich Rockmusik gibt und über ihre hohe Qualität." Ganz besonders groß war der Wow-Effekt als Schumacher die App "The Rolling Stones – Ladies and Gentleman" entdeckte. "Ich bin begeistert von der Stones-App. Sie bietet neben den Konzertvideos aus den 70er-Jahren noch Fotos und Interviews mit Mick Jagger und den anderen Musikern von damals, aber auch einen Rückblick der Band aus heutiger Sicht."

Mit den Konzerten wurde das damals aktuelle Album "Exile on Mainstreet“ promoted, die wohl legendärste Platte der Stones und auch eines von Schumachers Lieblingsalben. "Ich freue mich immer wieder, diese App aufzurufen und abzutauchen in die 70er-Jahre, mit den wohl besten Konzerten der Stones."
 
Kleine Probleme bleiben

Doch trotz der großen Begeisterung über ihre Apple-Geräte, den ein oder anderen Verbesserungsansatz sehen selbst die eingefleischtesten Fans noch. iPad-Nutzer Burkhard Schwenker sagt etwa: "Mailen geht mit dem Blackberry einfach besser."


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Fahrplan

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