Brückentage 2017 Der Kampf um die freien Tage geht los

2017 liegen viele Feiertage für Arbeitnehmer sehr günstig. Aber was tun, wenn sich die Kollegen jetzt schon alle Brückentage sichern, um sich den Urlaub zu verlängern?

Tina Groll , zeit.de | , aktualisiert

Der Kampf um die freien Tage geht los

Kampf im Büro 2

Foto: Nomad_Soul / Fotolia.com

Noch steht Weihnachten bevor – und wahrscheinlich sind vor allem die Arbeitgeber diejenigen, die sich über die Lage der Feiertage freuen. Der Heiligabend fällt auf einen Samstag, der erste und zweite Weihnachtstag auf den Sonn- und Montag. Silvester und Neujahr finden gänzlich am Wochenende statt.

2017 sind die Aussichten für Arbeitnehmer dagegen deutlich besser. Im kommenden Jahr fallen die Feiertage weitgehend auf Wochentagen. Zumindest, wer eine Fünf-Tage-Woche an Werktagen und am Wochenende regelmäßig frei hat, kann seinen Urlaub verlängern, wenn die Brückentage genommen werden.

Außer den Feiertagen, die regelmäßig auf einen Freitag, Montag oder Donnerstag fallen wie Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrt und Pfingstmontag, ist diesmal auch der 1. Mai ein Montag und beschert vielen Arbeitnehmern ein verlängertes Wochenende.

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober fällt 2017 auf einen Dienstag, hier bietet sich der Montag als Brückentag an. Und ausnahmsweise ist im kommenden Jahr der Reformationstag am 31. Oktober wieder bundesweit ein Feiertag. Grund ist das 500-jährige Jubiläum der Reformation. Dieser Tag fällt auf einen Dienstag. Wer montags frei nimmt, kann sich über ein sehr langes Wochenende freuen.

Welche Bundesländer die meisten freien Tage haben:

Zum Jahresende liegen Weihnachten und Silvester auch günstig: Der Heiligabend ist ein Sonntag, erster und zweiter Weihnachtsfeiertag fallen auf einen Montag und Dienstag. Silvester findet an einem Sonntag statt – mit Neujahr 2018 an einem Montag. Je nach Bundesland kommen noch weitere Feiertage dazu: Am 6. Januar, einem Freitag, haben Arbeitnehmer in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt frei und können ein langes Wochenende genießen. Am Donnerstag, 15. Juni, haben Beschäftigte abermals in Bayern und Baden-Württemberg einen Feiertag, aber auch in Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland ist frei – hier wird Fronleichnam begangen und kann mit dem Freitag darauf als Brückentag zum langen Wochenende ausgebaut werden. Außerdem können sich die Bayern und Saarländer am Dienstag, 15. August über einen freien Tag an Maria Himmelfahrt freuen und den Montag als Brückentag nehmen.

Erneut profitieren die Beschäftigten in Bayern, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im Saarland am Mittwoch, 1. November – Allerheiligen ist in den katholischen Bundesländern frei und verkürzt die Arbeitswoche. Und nur drei Wochen später, am Mittwoch, 22. November, genießen die Sachsen einen weiteren Feiertag: Hier wird der Buß- und Bettag begangen. So weit, so planbar – aber wie ist das eigentlich, wenn sich gewiefte Kollegen schon jetzt alle Brückentage in der Urlaubsplanung fürs neue Jahr sichern?

In vielen Betrieben wird nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" verfahren. Das können Arbeitgeber auch so machen, denn nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) dürfen Arbeitnehmer den Zeitpunkt ihres Urlaubs frei wählen (§ 7 Abs. 1 BUrlG). Auch die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgericht sichert einen Anspruch auf die freie Wahl des Urlaubs: Mitarbeiter müssen demnach mindestens über zwei Fünftel ihres Jahresurlaubs frei verfügen können.

Verweigert werden dürfen Urlaubswünsche nur, wenn zwingende betriebliche Gründe dagegen sprechen. So ein Fall entsteht ganz schnell, wenn sehr viele Kollegen sich die Brückentage sichern und nicht mehr sichergestellt ist, dass die Arbeit mit knappem Personal überhaupt zu schaffen ist. Es kann übrigens auch sein, dass krankheitsbedingte personelle Engpässe den Chef zwingen, dem Wunsch nach freien Brückentagen zu widersprechen. So oder so muss der Arbeitgeber eine Ablehnung für den Urlaubswunsch begründen. "Geht nicht" ist dabei kein zulässiges Argument.

Arbeitgeber entscheidet nach sozialen Gesichtspunkten

Aber was passiert, wenn sich die Kollegen um die Brückentage zoffen? Dann muss der Arbeitgeber nach sozialen Gesichtspunkten auswählen, wer die Tage nehmen darf. Viele denken, dass damit Eltern und Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen auf jeden Fall im Vorteil sind – aber dem ist mitnichten so. Vorrang hat immer derjenige, für den es um den ersten Urlaubsanspruch in dem Jahr geht. Haben sich etwa die Mütter und Väter im Betrieb schon die Osterferien, alle Maifeiertage und die Sommerferienzeit gesichert, sind in der zweiten Jahreshälfte dann die Kinderlosen zu bevorzugen.

Als soziale Kriterien müssen auch das Alter, eventuelle Erkrankungen – etwa eine Schwerbehinderung – und sonstige Aspekte berücksichtigt werden, die ein höheres Erholungsbedürfnis gegenüber den anderen Kollegen begründen. Im Streitfall sollte der Betriebsrat einbezogen werden, sofern es einen gibt. Möglich ist sogar, den Urlaubsanspruch gerichtlich durchzusetzen. Denn nach § 1 des Bundesurlaubsgesetz haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf ihren Urlaub – mindestens 24 Werktage (also ohne Sonn- und Feiertage) im Jahr müssen sein. Und: Wenn der Chef den Urlaub zum Wunschtermin mit korrekter Begründung ablehnt, muss er ihn auf jeden Fall zu einem anderen Zeitpunkt genehmigen.

Chef kann schon genehmigten Urlaub nicht einfach wieder streichen

Übrigens: Nur im Ausnahmefall kann der Chef bereits genehmigten Urlaub widerrufen. Als genehmigt gilt der Urlaub, wenn der Arbeitgeber dem Urlaubsantrag schriftlich zustimmt. Und hier wird es interessant, wenn sich die Kollegen schon alle Brückentage gesichert haben und der Chef das so genehmigt hat. Nachträgliche Änderungen sind dann nur möglich, wenn sie mit den Mitarbeitern vereinbart werden. Um die genehmigten Brückentage als Urlaub zu widerrufen, müssen die Kollegen der Aufhebung also zustimmen. Einfach streichen kann der Chef sie nicht. Hat er allerdings die sozialen Kriterien bei der Urlaubsgenehmigung nicht berücksichtigt, ist ein Interessensausgleich herbeizuführen – etwa, indem die zurückhaltenden Kollegen bevorzugt ihren Urlaub in die Sommermonate legen können oder sie sich im Jahr darauf besonders viele Brückentage sichern dürfen. Es ist aber auch im Sinne der engagierten Brückentagnehmer, fair zu sein – schließlich vergiftet zu viel Egoismus das Betriebsklima.

Übrigens: In vielen Betrieben häufigen sich zum Jahresende die Resturlaubsansprüche der Mitarbeiter. Viele Chefs möchten daher, dass die Beschäftigten schon im letzten Quartal des Vorjahres ihre gesamte Urlaubsplanung machen und einreichen. Ein frommer Wunsch ist das und mehr auch nicht. Denn ein Recht dazu haben Arbeitgeber nicht. Bei einer massiven Ballung von Urlaubsansprüchen und daraus resultierenden betrieblichen Engpässen können Arbeitgeber den Urlaub lediglich verweigern – mit der Folge, dass die Resturlaubsansprüche mit ins neue Jahr genommen werden.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de

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