Britta Heidemann "Wie Kreuzworträtsel raten"

Die Olympiasiegerin im Degenfechten, Britta Heidemann, 26, lernt seit 15 Jahren Chinesisch. Fachliteratur für ihre Diplomarbeit liest sie im Original.

Astrid Oldekop | , aktualisiert

Mit elf Jahren war ich zum ersten Mal in China. Nach der Reise habe ich mit meinem Bruder angefangen, in einer Sprachschule Chinesisch zu lernen. Aber Chinesisch sprechen konnte ich noch nicht. Das habe ich erst in der elften Klasse gelernt. Da war ich drei Monate lang Gastschülerin an der 25. Mittelschule in Peking und habe bei der Familie des Direktors gewohnt. Mit 18 habe ich ein dreimonatiges Praktikum bei Bayer Peking im Controlling gemacht, mit 22 ein weiteres in der PR-Abteilung.

Nach der Schulzeit konnte ich sprechen, aber keine Schriftzeichen lesen. Damit habe ich an der Uni begonnen. In dem Kurs meines Studiengangs Regionalwissenschaften/China an der Uni Köln war ich weiter als die anderen. Den Vorsprung habe ich genutzt, um die Zeichen zu lernen. Zunächst habe ich das nur passiv gemacht: Ich konnte chinesische Bücher lesen, aber nicht schreiben.

"Es ist sehr mühselig, Zeichen zu lernen" 

Vor der ersten schriftlichen Prüfung habe ich dann in kurzer Zeit sehr viele Schriftzeichen gelernt: Ich habe sie abgedeckt, geschrieben und verglichen. Unterwegs habe ich mir die Zeichen mit dem Zeigefinger in die Handfläche gemalt. Es ist sehr mühselig, Zeichen zu lernen, man vergisst sie schnell wieder und muss sie täglich hundertfach wiederholen. Glücklicherweise bin ich inzwischen so weit, dass ich weiß, wie die meisten Zeichen gelesen werden, auch wenn ich ihre Bedeutung nicht kenne. Dadurch kann ich sie relativ schnell im Wörterbuch finden. Chinesisch lesen hat für mich etwas von Kreuzworträtsel-Raten, und das gefällt mir: Man weiß nie, wo ein Wort anfängt und wo es aufhört. Ich habe mich oft gefragt, warum die Chinesen keine Leertaste erfunden haben.

Jetzt schreibe ich meine Diplomarbeit über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Windkraftindustrie in China, da lese ich chinesische Quellen. Seit 18 Monaten habe ich keinen Sprachunterricht mehr, damit will ich bald wieder an einer Sprachschule in Köln anfangen. Freiberuflich arbeite ich neben dem Studium in einer Strategieberatung, die deutsche Firmen berät, die in China investieren wollen. In meiner Branche werde ich wohl eher mit chinesischen Unternehmen zusammenarbeiten, in denen Englisch keine Selbstverständlichkeit ist. Da brauche ich die Sprache.

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