Branchenwechsel Warum wir nicht von den USA lernen können

Roland Kochs Wechsel in von der Politik in die Wirtschaft sorgt für Aufsehen. In den USA ist es dagegen normal, wenn Politiker diesen Schritt gehen, oder dass Manager die Branche oder in die Politik wechseln.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Meg Whitman, Carly Fiorina oder Al Gore sind die besten Beispiele, dass man in den USA in weniger starren Grenzen denkt. Die frühere Chefin des Auktionshauses Ebay und die Ex-Vorstandsvorsitzende des Computerherstellers HP wagten den Sprung in die Politik, der frühere Vize-Präsident stieg vor ein paar Jahren mit einer Investmentfirma in die Wirtschaft ein. Der Wechsel von der Politik in die Wirtschaft und andersherum ist hier gang und gäbe. Doch das Beispiel der beiden Frauen zeigt: Nicht immer klappt das auch.

Grundsätzlich ist die Wirtschaftskultur in den USA eine andere als in Europa, das Generalistentum ist viel stärker verankert. Dass ein Fachspezialist zum Konzernlenker aufsteigt, gibt es in den Vereinigten Staaten außerhalb der Finanzbranche eigentlich kaum. Und auch die Frage, ob ein Politiker ein Unternehmen führen kann oder vice versa, stellt hier kaum jemand. „Funktionsübergreifende Erfahrungen zu machen ist im angelsächsischen Raum viel weiter verbreitet“, sagt Owen Darbishire, Direktor für die Weiterbildungsprogramme an der britischen Oxford University. Dafür fehle den Managern dort oft das tiefgehende technische Wissen.

In den USA und auch in Großbritannien ist demnach viel stärker die Denkweise verankert, dass man eben gerade nicht Experte in einer bestimmten Funktion sein muss. „Man muss nur verstehen die richtigen Fragen zu stellen“, sagt Darbishire.

Daher wechseln auch viele Manager in den USA immer wieder die Branche – und auch die Funktion. Nicht selten begründen sie es mit einem Satz, mit dem hierzulande viele vor einer Aufgabe zurückschrecken: „Das habe ich noch nie gemacht!“

Nicht zuletzt stammt ja auch die Idee, nach einem Fachstudium und Berufserfahrung ein Managementstudium draufzusatteln, aus den Vereinigten Staaten. Der praxisnahe Master of Business Administration (MBA) hat sich dort als der Weg in die Führungsetagen etabliert – mit allen Vor- und Nachteilen. Doch die veränderten Anforderungen schlagen sich auch in der Managementweiterbildung für erfahrene Führungskräfte nieder. „Im Executive MBA haben die Business Schools heute so viele Coaching-Elemente wie noch nie“, sagt Michael Frenkel, Rektor der WHU – Otto Beisheim School of Management.

Im Englischen hat sich für Biografien wie die von Gore oder Whitman der Begriff „Second Career“ eingeprägt. Es gibt mit „zweite Karriere“ zwar eine Übersetzung, aber keine Entsprechung. Dass erfolgreiche Manager oder Politiker das „Lager“ wechseln, wie es Frenkel, ausdrückt, ist hierzulande selten. Und wenn, dann haftet ihnen oft das Stigma „gescheitert“ an. In den USA sind es oft aber gerade die Erfolgreichen, die neu anfangen.

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