Bologna-Reform Zehn Jahre Bachelor und Master

1999 begann in Bologna die Reform der europäischen Unis. Bachelor und Master haben das Hochschulsystem seitdem radikal verändert - doch die Umsetzung ist mangelhaft.

Carola Sonnet | , aktualisiert

Fast alle Studierenden sind inzwischen von der Bologna-Erklärung betroffen, die die Bachelor- und Masterabschlüsse und das European Credit Transfer System (ECTS) nach Deutschland gebracht hat. Schlüsselqualifikationen wie "Employability", die eine Arbeitsmarktbefähigung schon für Bachelor-Absolventen fordert, gehören seitdem genauso zur Diskussion wie der Wunsch nach mehr sozialer Durchlässigkeit - mehr Kinder aus einkommensschwachen Familien sollen den Weg an die Unis finden. Am 19. Juni 1999 unterschrieben die europäischen Bildungsminister eine Erklärung mit folgenden Kernelementen:

Vergleichbare Abschlüsse

Internationale Abschlüsse sollen miteinander vergleichbar gemacht und Bachelor-Absolventen bereits für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden, um Europa als Hochschulstandort international wettbewerbsfähig zu machen.

Bachelor und Master

Der Bachelor-Abschluss ist die Voraussetzung für den Master. Alle anderen Abschlüsse werden nach und nach abgeschafft - für Juristen und Mediziner wurden bisher keine einheitlichen Regeln festgelegt.

Leistungspunktesystem

Damit der Wechsel zwischen den Hochschulen - auch zwischen den Ländern - einfacher wird, vergeben die Hochschulen Punkte nach dem ECTS. Auch Leistungen außerhalb der Hochschule können so angerechnet werden.

Mobilität

Zugang zu Studien- und Ausbildungsangeboten, Anrechnung und Anerkennung von Auslandsaufenthalten sollen sowohl für Studierende als auch für Lehrende und Forschende gelten.

Bislang haben 46 Staaten die Bologna-Erklärung unterschrieben. In Deutschland wurden 76 Prozent aller Studiengänge bereits auf Bachelor und Master umgestellt. Zwar führten die Unis gleichzeitig weitere Kernelemente ein, jedoch hapert es an der Umsetzung. Daraus folgt, dass während des Bachelorstudiums nun - anders als geplant - weniger Studierende für ein Semester ins Ausland gehen als zuvor. Bei der Anerkennung von Abschlüssen oder dem Wechsel der Uni während des Studiums kann es sogar innerhalb eines Bundeslandes zu Schwierigkeiten kommen. Sehr spezialisierte Modulprüfungen werden an anderen Hochschulen nicht anerkannt, Scheine müssen nachgeholt oder Brückenkurse belegt werden. Auch die Größe der Module hat an einigen Hochschulen dazu geführt, dass eine nicht bestandene Klausur erst im darauffolgenden Jahr wiederholt werden kann, wenn das Modul das nächste Mal angeboten wird.

Bessere Abstimmung

Die starre Struktur und die Weigerung, Inhalte zu reduzieren, führt einerseits zu einer hohen Abbrecherquote, vor allem in technischen Fächern, und andererseits zu größerer Skepsis gegenüber den konstruktiven Ideen der Bologna-Macher. "Viele Curricula wurden zu dicht konzipiert und mit einem zu hohen Prüfungsaufwand versehen", sagt Peter Zervakis, Leiter des Bologna-Zentrums der Hochschulrektorenkonferenz. Lehre und Prüfungsformen müssten noch stärker aufeinander abgestimmt werden. Die Hochschulen machen die Vorgaben der Politik, insbesondere die Ländervorgaben, für die Misere verantwortlich, die Politik wiederum schiebt die schwache Umsetzung auf den Unwillen der Professoren, die verkrusteten Strukturen zu reformieren. Fragen der Studierenden bleiben auf der Strecke, der Bildungsstreik zeigt, wie schwierig die Situation ist und wie wenig transparent die Reform umgesetzt wird.

Die Abschlüsse Bachelor und Master sind mittlerweile Standard. Aber muss auf den Bachelor immer ein Master folgen?

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