Blick ins Jahr 2030 Arbeiten mit Sinn, aber ohne Zwang

Eine Studie malt ein schönes Bild der Zukunft: Die Büros werden angenehmer, die Arbeit selbstbestimmter, die Chefs machtloser.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert

Arbeiten mit Sinn, aber ohne Zwang

Foto: loreanto/Fotolia.com

Das Arbeitsleben hat sich in den vergangenen Jahren so sehr verändert, dass es vermessen scheint vorherzusagen, wie wir in 15 Jahren arbeiten werden. Der Immobiliendienstleister CBRE hat dennoch versucht, aktuelle Entwicklungen in die Zukunft fortzuschreiben.

Die Autoren der Studie "Fast Forward 2030" gehen davon aus, dass viele schon heute beobachtbare Ideen, Verhaltensweisen und Entwicklungen die Arbeitswelt 2030 bestimmen werden. Die Prophezeiung beruht auf Gesprächen mit 220 internationalen Experten einerseits – und andererseits aus den Meinungen von Büroarbeitern und jungen Menschen aus dem pazifischen Raum, aus Nordamerika und Europa.

Und darin zeigte sich erneut: Die Suche nach mehr Sinn und Freude bei der Arbeit scheint immer wichtiger zu werden. "2030 werden die Orte, an denen wir arbeiten, verschiedenartig und miteinander verschränkt sein: Menschlichkeit, Kreativität, Kultur und Gemeinschaft werden wesentlich sein", sagt CBRE-Direktor und Hauptautor Peter Andrew.

Arbeitsplatz nach Laune

Die besten Arbeitsbedingungen werden sich jenen bieten, die die Wahl haben zwischen Großraumbüros, Einzelbüros und Rückzugsräumen. Einige der befragten jungen Menschen sprachen von "mood-based working". Darunter verstehen sie das Ende des Zwanges, an einem bestimmten Platz in einem Unternehmen zu arbeiten. Stattdessen solle sich jeder nach Laune seinen Platz suchen. In glücklich-geselliger Laune kann das ein gemeinschaftliches Büro sein, beim Bedürfnis nach Stille ein ruhiges Einzelzimmer.

"Die Vorstellung von Zusammenarbeit ist in jeder Kultur sehr verschieden", sagt Peter Andrew, der bei CBRE für die Arbeitsplatzstrategie in Asien zuständig ist. Meist finde die Zusammenarbeit am Bürotisch statt, wo der eine zum anderen kommt. In den eher kollektivistischen Ländern Ostasiens wollen junge Menschen am liebsten an runden Tischen zusammensitzen, wenn Zusammenarbeit angesagt ist.

Von da können sie sich bei Bedarf in ruhige Räume zurückziehen, um sich zu konzentrieren. Befragte aus europäischen, eher individualistisch geprägten Ländern wollten lieber einen "eigenen", fest zugewiesenen Arbeitsplatz – und zusätzlich die Möglichkeit zum Rückzug.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit

Von der Masse unterscheiden Andrew sagt voraus, dass die Unternehmen der Zukunft tendenziell weniger Angestellte haben werden. Da es wachsende Möglichkeiten für Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen gebe, sei es für junge Unternehmen nicht mehr unbedingt notwendig eigene, teure Großstrukturen aufzubauen.

Stattdessen würden künftige Unternehmer darauf setzen, ihre Dienste und Produkte zu spezialisieren, um sich von der Masse der Wettbewerber zu unterscheiden. Die Unternehmen würden sich auf verbündete Organisationen verlassen, mit denen sie als Partner zusammen arbeiten. Das könnten einzelne Freiberufler ebenso sein wie kleine Gruppen.

Weniger Hierarchien

Die Bedeutung von Hierarchien wird abnehmen, sagt die Studie vorher. Die Arbeit der Zukunft werde in Mannschaften geleistet, nicht unter der Anleitung allmächtiger Bestimmer. Möchtegern-Diktatoren werden in der Wirtschaft die Leute weglaufen. Denn junge Leute von heute halten nichts von Hierarchien, sondern glauben, dass jeder Einzelne Einfluss auf die Arbeit haben sollte.

Zwar gingen in der nachwachsenden Generation sprachliche Fähigkeiten verloren, doch die Fähigkeit, große Netzwerke zu erhalten, nehme zu. Ebenso wie die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten und Unwichtiges herauszufiltern.

Erstaunlicherweise sind vor allem die jungen Menschen in Peking und Tokio zuversichtlich, ihre Chefs für Veränderungen im oben genannten Sinne bewegen zu können. Während ihre Altersgenossen in New York und London mit stärkeren Beharrungskräften rechnen.

"Die große Geschwindigkeit des Wandels und das riesige Ausmaß der neuen Büro-Planungen verbunden mit den sich schnell verändernden Ansichten aller Generationen in Ostasien könnte bedeuten, dass sich in Ostasien neue Ideen über die Arbeit, den Arbeitsplatz und Bürogebäude vielleicht schneller als in anderen Erdteilen etablieren", heißt es in der Studie.

Wohlfühlen wird sehr wichtig

Arbeitgeber begreifen, so die Studie, dass zufriedene und gesunde Arbeitnehmer bessere Arbeitsergebnisse liefern.

Büros werden daher deutlich gesündere, wohltuendere Orte werden. Das betrifft zum Beispiel die Beleuchtung, aber vor allem auch die Einrichtung von Erholungs- oder gar Schlafräumen. Die Präsenz von Kunst ebenso wie die Möglichkeit, Musik zu hören. Noch mehr Arbeitgeber als heute schon werden ihren Angestellten erlauben, Haustiere mitzubringen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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